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Report | Freitag, 11. April 14

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Sein Lachen steckt an: Pater Stefan Oster scherzt im Dom mit Jugendlichen, die ihm aus Benediktbeuern nach Passau nachgereist sind.
Passaus neuer Bischof (Video)

Ein Jünger Jesu, der weint und lacht

Stefan Oster wird mit 48 nicht nur der jüngste Bischof Deutschlands, er ist auch in seiner Ausstrahlung ein ungewöhnlicher Kirchenmann. Wer seinen Antrittsbesuch im Dom zu Passau verpasst hat, kann sich hier ein eigenes Bild von ihm machen, der sollte sich dieses Zwölf-Minuten-Video ansehen. Es wurde mit einer kleinen Handkamera gedreht, von einem Journalisten zusammengefügt, der kein Filmprofi ist. Aber vielleicht kommt es bei diesen bewegten, unkommentierten Bildern nicht darauf an. 

Ab der vierten Minute beginnt ein Ausschnitt aus der Begrüßungspredigt von Stefan Oster, dem Salesianermönch aus Benediktbeuern. Am 24. Mai wird er im Stephansdom zum Bischof geweiht. Als er kurz vor seinen Schlusssätzen ins Stocken gerät, vermuteten viele entfernt Stehende, er habe vielleicht den Faden verloren, den Text vergessen. Aber das war es nicht. Der Mönch wurde von seinen Gefühlen übermannt, er kam ins Stocken wegen seiner Tränen. Überwältigt vom herzlichen Empfang der Passauer? Nein, das versuchte er mit Humor wegzustecken. Er war vielmehr gerührt vom Glauben, dem tiefen Vertrauen in den Herrn, der ihn auf diesen Weg geführt hat.   

Passau: Ein Bischof, der bewegt from Bürgerblick on Vimeo.

"Ich bitte Sie sehr, haben Sie Geduld mit mir, mit meinen Schwächen und Fehlern. Mit allem, was ich Ihnen zumuten werde, mit allem woran Sie sich reiben", sagt das künftige Kirchenoberhaupt der Diözese. Oster spricht die Zuhörer mit "meine Lieben" an. Und dann der Satz, den er nur stockend zu Ende bringt: "Und bitte seien Sie nicht genervt, wenn ich immer, immer und immer wieder auf den verweise, von dem alles kommt, auf den alles hingeordnet ist - unsern Herrn..." Dann unterbricht ihn der Applaus.  

 

Polizei sperrt Altstadt
Die Neugierde den neuen Bischof kennenzulernen war groß. Die Polizei musste die Altstadt für den Autoverkehr sperren. Ein Kirchenmann, der die Massen bewegt, das ist - vom Papst abgesehen - im 21. Jahrhundert ungewöhnlich. Passau zählt nach wie vor zu den katholischsten Provinzen des Landes, aber auch hier tut sich der gelebte Glaube normalerweise schwer.  

"Der Sieg der Wahrheit ist die Liebe", hat sich dieser Mönch zum Motto gemacht. Was er damit meint, wird er all denen nahe bringen, die ihm als Bischof in den nächsten Monaten und Jahren ihre Aufmerksamkeit schenken. Sein einstündiger Auftritt, das ist in dem Video nachzuempfinden, war wie starkes Theater. Er brachte das Kirchenvolk zum Lachen und rührte es zu Tränen. Gut möglich, dass durch diesen ungewöhnlichen Gottesmann verlorene Christen zur Kirche zurückfinden. Von bedingungsloser Liebe und Wahrheit zu sprechen mag komisch klingen in einer von Lüge, Profitgier und Hass vergifteten Welt. Aber ist es eigentlich nicht traurig, dass Prediger wie Oster, die echte Jünger Jesu sind, von vielen belächelt werden?

***

Sommer 2012: Demo für weltoffene Kirche auf dem Domplatz

Welche Kontraste am Domberg damals und heute. Erinnern wir uns an die Demo gegen den Passauer Bischof im Sommer 2012. 500 Gläubige zogen vor die Kathedrale. Fast möchte man glauben, Papst Franziskus hat von diesen Ereignissen erfahren und deshalb diesen Don-Bosco-Mann als Vermittler geschickt. Vergleichen Sie die Bilder, die Stimmungen. Die Jugendlichen, die damals an der Pforte der Diözesanverwaltung aus Protest  ihre Ministrantengewänder ablegten, waren enttäuscht, weil der Bischof ihren brennenden Fragen auswich. Sie zweifelten daran, dass die Kirchenverantwortlichen es mit der Verzeihung ernst nehmen. Sie forderten einen Kurs, eine Sprache ein, die der modernen Welt gerecht wird. Wir wissen nicht wie Pater Stefan Oster in der heiklen Personalangelegenheit um einen sündigen Priester gehandelt hätte, aber eines ist jetzt schon sicher: Er hätte den persönlichen Dialog mit den jungen Kirchenkritikern gesucht und wahrscheinlich in ihr Lied eingestimmt: "Füllt den jungen Wein nicht in die alten Schläuche."

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17. September 2019
 
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