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Universität | Montag, 11. Februar 19

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Forschen und experimentieren ohne Netz? Marleen Heimann tritt für diese Szene kurz selbst vor die Kamera. Sie hat viele Nächte am Schneidetisch verbracht und dem Nachrichtenbeitrag "WLAN-Notstand" ihre Stimme geliehen. (Quelle: "Schampusdialog")
Schonungsloser "Schampusdialog"

Uni Passau: Netzwerk ohne Netz

Stimmt es, was die neue Uni-TV-Show "Schampusdialog" verbreitet?

Am Samstag um 23.30 Uhr, als der Reporter die Redaktion verließ, hat er den Faktencheck gemacht. Er fragte die beiden Studenten, die mit Bierflasche in der Hand im benachbarten Innenhof das Semesterende feierten: „Ist es wirklich so schlimm?" Krass, sie bestätigen den Totalausfall: Vor allem während der Prüfungsphase, wenn die Bibliotheken bummvoll sind, sei das hausinterne WLAN überlastet. Es lädt und lädt und lädt.

Forschung und Lehre finden an der elitärsten Uni der Provinz im offline-Modus statt!?

Diese peinliche Enthüllung über die Universität Passau haben eine Handvoll Studentinnen und Studenten mit einer gewitzten TV-Show im kleinen Jan-Böhmermann-Format in die Welt getragen. Zu sehen auf ihrem Youtube-Kanal und vielleicht künftig in dem einen oder anderen Passauer Vorführraum.

Die Häme, die in der studentischen Videoproduktion durchklingt, hängt wahrscheinlich mit diesen zwei Faktoren zusammen:

  • Im Vorjahr hat die Universitätsleitung für eine nicht näher genannte fünfstellige Summe einen Imagefilm über ihr Haus produzieren lassen. Es wird dick aufgetragen. Nur ein Beispiel: Die Kamera fährt aus dem All auf den Planeten zu, überspannt vom globalen Netzwerk, Leitungen und Knoten glühen, die Zoomfahrt endet dort, wo offenbar alle Fäden zusammenlaufen: in der Dreiflüssestadt, am Campus der Universität.

Harter Schnitt. Das studentische TV-Magazin „Schampusdialog“ deckt schonungslos auf, was der PR-Knaller verschweigt: Das hauseigene Netz ist der steigenden Studentenzahl längst nicht mehr gewachsen. Vielleicht sei der geplante Ausbau fertig, wenn die neuen Medizinstudenten einziehen, ätzt ein "Schampusdialog"-Moderator.

  • Die studentischen TV-Show-Produzenten stellen zudem diese berechtigte Frage: Warum lässt die Universität für viel Geld von externen Kräften einen Werbefilm produzieren, wenn die hauseigenen Studiengänge "Medien und Kommunikation", "Journalistik und strategische Kommunikation", "Sprach- und Textwissenschaften" und ein mit teurer Technik vollgepacktes "Zentrum für Medien und Kommunikation" die besten Voraussetzungen bieten, ein solches Projekt im Sinne der Lehre selbst zu starten?

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"Schampusdialog" mit Perserteppich: Holm Putzke mit den Moderatoren Maier (Schreibtisch) und Pittrof (Sessel), im Hintergrund ein Bild des jungen Kaisers, Franz Beckenbauer. (Quelle: "Schampusdialog")
Auf ihre Anfrage hieß es, man wolle die Medientechnik der Universität nicht über Gebühr beanspruchen, nicht die Lehre blockieren. Dass diese Räume größtenteils ungenutzt bleiben, haben die "Schampusdialog"- Produzenten mit dem hausgemachten Projekt bewiesen.

Bereits im Vorjahr hatte dieses Magazin nach Sinn und Zweck des kostspieligen PR-Projekts gefragt. Die Pressesprecherin hat geantwortet, dieser Imagefilm sei für die Außendarstellung wichtig, man würde ihn vor allem bei Präsentationen im Ausland einsetzen. Nach der Fertigstellung wird klar, dass er für den Heimgebrauch schwerlich taugt. Er wirbt für ein Produkt, das nicht hält, was es verspricht. „Dieser Imagefilm würde sogar das Klo vom ZOB wie Buckingham Palace aussehen lassen“, meint einer der Moderatoren.

Ein Uni-WLAN, das nicht funktioniert, ist der thematische Einstieg der satirisch angelegten Online-Sendung. Es beginnt also mit der schallende Ohrfeige für den offiziellen Werbefilm. Und dieser wird genüßlich zitiert, in fast voller Länge. Damit seine hohle Werbesprache entlarvt wird? Zitat: "Innerhalb Europas wollen wir zu einen der führenden Forschungszentren zu den gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung werden." In China mag er die Unwissenden beeindrucken, an der Innstraße fühlen sich die Betroffenen eines netzgestörten Massenbetriebs wahrscheinlich stellenweise verhöhnt.

Putzke und Stahl als Quotenbringer
Einen lokalen und einen überregionalen Prominenten haben sich die Produzenten als Zugpferde für ihren Pilotfilm geholt: Strafrechtsprofessor Holm Putzke, der mutmaßliche Passauer Oberbürgermeisterkandidat der CSU, wird ins Studio gebeten und auf Herz und Nieren geprüft. Er nippt artig Aldi-Champagner aus einem Plastikkelch („Ob das umweltpolitisch korrekt ist?“), fegt zum Schluss, er nennt es „Fun Fact“, versehentlich das Gefäß mit Salzstangen vom Schreibtisch.

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Böser Bube, brave Buben: Carsten Stahl (grimmig), Alexandar Maier (Wollmütze), Clemens Pittrof (Spickzettel). (Quelle: Uni-TV-Show "Schampusdialog")
Das Produktionsteam hat keine Kosten und Mühen gescheut, könnte der nächste abgedroschene Satz lauten. Es reiste nach Ulm, um eine Kultfigur seiner Generation zu interviewen: Carsten Stahl, Jahrgang 1973, mutiert vom Prügelknaben seiner Schulklasse zum Bud Spencer von Berlin, heute selbsternannter Anti-Mobbing-Trainer. Die Passauer Uni-Bürschchen wollten offenbar ihr blaues Wunder erleben – sie bekamen es.

"Schampusdialog" sei ein Wortspiel, eine satirische Antwort auf das offizielle Uni-Hausmagazin "Campus-Dialog", erklärt Redaktionsleiter Ben Balzereit. „Wir behandeln alle wichtigen Themen rund um das studentische Leben in Passau und alles, was wir witzig finden“, kündigt das Team die Premiere an.

Die ein Dutzend Mitwirkenden vor und hinter der Kamera zählt der Nachspann auf: Alexandar Maier und Clemens Pittrof (Moderation, Redaktion); Ben Balzereit (Schnitt, Koordination, Redaktion), Marleen Heimann (Schnitt, Redaktion, Off-Stimme), Lisa Parzl (Schnitt, Redaktion); Patrick Manzer (Redaktion, Bildmischung und Tapetenwechsel), Marius Michler (Kamera),Tobias Köhler (Kamera, Redaktion, Reinigungskraft), Florian Reichelt und Lisa Koch (Schnitt), Thomas Altvater und Heinrich Waal (Redaktion).

Wenn Sie Namen entdecken, die sie in der studentischen Lehrredaktion dieses Magazins wieder finden: Die Idee und Umsetzung dieser TV-Satire-Show steht in keinerlei Zusammenhang mit Bürgerblick. Der Herausgeber wurde am Wochenende bei einer Preview selbst mit dem Endprodukt überrascht.

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Sonntag
21. Juli 2019
 
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