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essen und trinken
ALTSTADT BEISL
Gemütlich und gut

KÜCHE | bayrisch, bodenständig

ATMOSPHÄRE | Kreuzgewöbe, lange Tische, Altstädter treffen auf Touristen

TIPP | Passauer Schnitzel (Paniert mit Meerrettich und Senf)

GESCHICHTE | Manuela Andorfer-Mitschelen, Wirtstocher von der Weißbierbrauerrei auf der Ries, führt das Lokal.

Passauer Speisezimmer

Das Lokal liegt im Schatten der Altstadt, am oberen Ende der Innbrückgasse. In den 1980er Jahren hieß es „Maler Klecksel“ und wurde betrieben von Barmeister Duschand Tistler, der die weltweit erste digitale Cocktaildatenbank mit über 7.000 Rezepten ins Netz stellte. Der heutige Name „Altstadtbeisl“ könnte den Eindruck erwecken, es handle sich um eine bierige, abgegriffene Eckkneipe. Der Besuch sollte eine angenehme Überraschung werden. Familiär, gut und gemütlich birgt es die Gefahr, die Wirtin und ihre Hausmannskost ins Herz zu schließen. Der Besuch kam zufällig zustande. „Wo könnte man jetzt noch einen schönen Wein trinken?“, fragte meine Begleitung. Wir standen am Residenzplatz. Das „Weingut“ fiel mir spontan ein, oder einer der vielen guten Italiener; dann fiel mein Blick auf die erleuchteten großen Fenster in der Südostecke des Platzes. Eine abgewetzte alte Steintreppe führt zur Eingangstür und der vorgebauten kleinen, blumengeschmückten Terrasse. Hier hatte ich im Sommer viele bekannte Passauer sitzen sehen. Konzertkritiker und Kabarettistinnen, Rechtsanwälte und Architektinnen. Es blieb nicht beim Wein, einem von der Wirtin ausgesuchten österreichischen Tropfen. Ein feinwürziger Muskateller aus der Südsteiermark mit Kräuter- und Holundernoten; ein kräftig-brombeeriger Blaufränkischer aus dem Burgenland. Fürs warme Abendessen war es zu spät, aber der österreichische Käseteller war in Auswahl und Geschmack ein Gedicht; dazu das Schwarzbrot vom letzten echten Innstadtbäcker. Wirtin Manuela Andorfer-Mitschelen stammt aus der Familie der berühmten Weißbierbrauerei auf der Ries. Klar, dass sie auch das hauseigene Bier anbietet. „Selbstgemachte Mohntorte, ohne Mehl zubereitet?“, verführt sie uns zu einer süßen Nachspeise. Sie ist saftig, nicht zu süß, ein Klecks Sahne mit Kürbiskernöl. Die Neugierde auf die Küche war geweckt. In den folgenden Tage testete ich, was sie zu bieten hat. Die Lieblingsspeise wurden Spinatknödel in einer kräftigen Tomatensoße; wer‘s deftiger mag bestellt Fleischpflanzerl mit Kartoffelsalat - hausgemacht wie bei Oma. Das „Passauer Schnitzel“ und die Kürbissuppe waren leider aus. Das spricht für frische Küche. Was an dem Passauer Schnitzel das Typische ist? Die Panade ist gewürzt mit Meerettich und Senf. Die langen Tische sind oft voll besetzt. Das Lokal scheint das Speisezimmer der Altstädter, aber ebenso Anlaufstelle für hungrige Touristen zu sein. Sich an ein freies Tischende zu setzen gehört zur selbstverständlichen Geselligkeit in diesem alten Kreuzgewölbe. Die Hocker an der Bar sind flauschig mit Flokati belegt, Cocktails werden hier nicht mehr geschüttelt, aber feine Obstbrände von einem Brenner im benachbarten Freinberg ausgeschenkt. Einem guten Freund, ein Klavierspieler, muss ich auch davon erzählen, dass die Wirtin aufgeschlossen ist, wenn ein Gast sich ans Piano setzen will. Das „Altstadtbeisl“ ist vieles: Wiener Weinbeisl, Passauer Speisezimmer - und vielleicht bald öfter auch Musikzimmer.


00:19
Dienstag
11. Dezember 2018
 
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