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Hintergrund | Montag, 02. Januar 17

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Der Tatverdächtige bei der Haftvorführung: Ein korpulenter Mann mit Sweat-Shirt, Aufdruck "NY" und einem Schriftstück in der Hand. Kripobeamte begleiteten ihn. (Quelle: mediendenk)
Silvesterverbrechen in Thyrnau

Mordopfer gibt Polizei entscheidenden Hinweis

Passau - Es sei zur Tatzeit nicht am Haus seiner Frau gewesen, behauptet der wegen Mordverdachts verhaftete Frührentner Norbert S.  (45). Am Silvestermorgen war die Mutter seiner beiden Kinder an der Haustür mit einem wuchtig geführten Messerstich getötet worden. Nach der Tatwaffe suchen die Ermittler bisher vergebens, aber es gibt einen Telefonanruf, der den Ehemann schwer belastet.

Nach Berichten von Augenzeugen und Nachbarn stellt sich die Bluttat in dem 4.000-Einwohner-Dorf Thyrnau wie folgt dar: Am Silvestermorgen hat die zweifache Mutter Katja S., 40 Jahre alt, gegen 5.50 Uhr das Haus verlassen, um mit dem Bus in die Stadt zu fahren. Sie arbeitet als Altenpflegerin in einem Passauer Altenheim. Die Bushaltestelle „Sonnenstraße“ liegt 20 Meter vom Haus entfernt. Laut Fahrplan kommt der Frühbus um 6.06 Uhr. Der mit einem Messer bewaffnete Täter lauerte ihr vor der Haustür auf. Er versetzte ihr, wie Blutspuren belegen, noch auf der Treppe des Hauseingangs den tödlichen Messerstich.

Polizei zeichnet Notruf des Mordopfers auf
Wenige Minuten vor 6 Uhr ging bei der Polizeidirektion in Straubing ein Notruf ein. „Ich bin gestochen worden!“, meldete sich eine Frauenstimme. Der Beamte hatte die tödlich verletzte Katja S. am Apparat. Sie konnte hinzufügen, dass der Angreifer ihr „Noch-Ehemann“ gewesen sei. Diese Telefonaufzeichnung wurde zum wichtigsten Indiz für Ermittler und Richter.

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Der Mörder hat der Altenpflegerin auf dem Weg zur Bushaltestelle aufgelauert. Von der Haustür bis zur Haltestelle sind es 20 Meter. (Quelle: mediendenk)
Die Ermittlungen der Mordkommission haben ergeben, dass das Ehepaar seit Langem getrennt lebte. Sie hatte ihn wegen gewalttätiger Übergriffe vor die Tür gesetzt. Es sei vom Gericht im vorigen Sommer eine sogenannte Gewaltschutzverfügung erlassen worden, ein Kontaktverbot, an das sich der Mann aber nicht gehalten habe, erklärt Walter Feiler, Pressesprecher der Passauer Staatsanwaltschaft. Bei der Polizei sind drei Anzeigen aktenkundig: Die Ehefrau hatte Anhaltspunkte, dass ihr Noch-Ehemann die Wohnung widerrechtlich während ihrer Abwesenheit betreten hatte. Zuletzt im Dezember, da gab es eindeutige Aufbruchsspuren. „Er hat Frau und Kinder immer wieder geschlagen, deshalb hatte sie sich von ihm getrennt“, behauptet ein Nachbar. Norbert S. soll vor seiner Frührente als Metzger gearbeitet haben.

Zwei Töchter als wichtige Zeugen
Das Verbrechen hat der Passauer Justiz einen dienstreichen Neujahrsmorgen bereitet. Haftrichterin, Staatsanwalt, Rechtsanwalt und Büroangestellte trafen sich um 11 Uhr im Amtsgericht, um die Haftvorführung vorzubereiten. Eine Ermittlerin hatte die zwei Töchter, 14 und 15 Jahre alt, zur Zeugenanhörung bestellt. Sie waren unmittelbar Zeugen der Bluttat geworden. Es habe vor der Tür eine Streiterei gegeben, man habe Schreie gehört, darunter – da sei sie sich sicher - die Stimme ihres Vaters, gab eine von ihnen zu Protokoll.

Um 12.30 Uhr brachten zwei Kripobeamte mit einem Zivilwagen den Tatverdächtigen herbei. Ein beleibter, kräftiger Mann mit Bart und zerzaustem Haar. Handschellen hatten sind ihm keine angelegt, denn Fluchtgefahr war offenbar nicht gegeben: Der Festgenommene bewegte sich langsam und schwerfällig, hielt am Eingang zum Gericht kurz inne und stützte sich an einer Säule ab. Die Gehbehinderung ist offenbar der Grund für seine Frührente.

Wo ist die Tatwaffe?
Die Richterin erließ Haftbefehl gegen Norbert S. wegen Verdachts des Mordes. Bei der Kripo hatte er sich geweigert, das Verhörprotokoll zu unterschreiben, weil er es angeblich nicht lesen konnte. Die Ermittler haben seine Lesebrille beschlagnahmt - offenbar ein Beweisstück. Die Tatwaffe dagegen wird noch gesucht. Norbert S. war eineinhalb Stunden nach der Tat festgenommen worden.

Eine Nachbarin, welche durch die Hilfeschreie aufmerksam geworden war, will ein helles Fahrzeug bemerkt haben, dass in der Nähe des Tatorts gestartet wurde und sich rasch entfernte. Der BMW des Mordverdächtigen war es offensichtlich nicht. Als Alibi gibt Norbert S. an, dass er Zuhause war. Seine Wohnung liegt in einem Dorf auf der anderen Donauseite, 40 Kilometer entfernt. Kripobeamte haben Nachbarn des Mehrfamilienhauses zu ihren Beobachtungen befragt.

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Reste vom Absperrband der Polizei flattern an einem Baumstamm: An der Haustür hatte der Täter die zweifache Mutter mit einem Messer angegriffen. (Quelle: mediendenk)
Der Tatort liegt etwa 200 Meter entfernt vom Wahrzeichen des Dorfes, ein großes Zisterzienserkloster. Die Familie lebte im ersten Stock eines einfachen Hauses, das zu einer aufgelassenen Tankstelle am Ortsrand gehört.

Silvestermord vor zwei Jahren
Kapitalverbrechen ereignen sich in Stadt und Landkreis Passau äußert selten. Der letzte Fall 2014, ebenfalls am Silvestertag: In dem 600-Einwohner-Ort Schaibing bei Untergriesbach hatte ein 29-Jähriger eine 61-jährige Frau erstochen, von der er sich ungerecht abgewiesen fühlte. Er wollte deren Sohn besuchen. Der Messerstecher von Schaibing ist wegen Mordes zu lebenslänglicher Verwahrung in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt verurteilt worden.

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Dienstag
27. Juni 2017
 
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27.06. | Dienstag
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