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Hintergrund | Mittwoch, 01. März 17

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Der Sieger des politischen Aschermittwochwettstreits in Vilshofen: Kanzlerkandidat Martin Schulz winkt mit dem Blumenstrauß. Links von ihm der österreichische Bundeskanzler Christian Kern. (Foto: Tobias Köhler)
Politischer Aschermittwoch

Schulz strahlt, Seehofer kränkelt

Keine Stammtischparolen, keine Beleidigungen, der Mann am Podium nahm sich sogar mal selbst auf den Arm: "Mein Spitzname ist Schulle".

Martin Schulz, der Kanzlerkandidat der SPD, hat heute in Bayern eine neue Farbe leuchten lassen. Ein kräftiges Rot, nein, nicht das aggressive, sondern das liebevolle, das die Herzen berührt und zusammenbringt. Er sprach viel über Werte, Demokratie und Gerechtigkeit, aber wenig über seine politischen Gegner. Für ihn seien auch im Bierzelt Beleidigungen nicht angebracht, sagte er. In Passau schimpften sie ihn "Martin, der Schummler" (Seehofer) und "Schizo-Schulz" (Scheuer).

Schulz gab den Rechten Aufklärungsunterricht: „Es heißt im Artikel 1 des Grundgesetzes nicht: Die Würde der Deutschen ist unantastbar, sondern: die Würde des Menschen.“

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In Passau hielt der stimmlich angeschlagene Ministerpräsident Seehofer seine Rede in der Dreiländerhalle. (Foto: Stefan Schopf)
In Passau schwang Seehofer unter dem Jubel der Menge die Keule gegen Flüchtlinge: Obergrenze, Handys kontrollieren. Die Flüchtlinge müssten akzeptieren, dass Bayern ein christliches Land ist. Was unter christlich zu verstehen ist, sagte er nicht. Seehofer sprach sich für dauerhafte Grenzkontrollen und eine Stärkung der deutschen Geheimdienste aus.

Nur zweimal richtete Schulz einen Fingerzeig nach Passau. Dort habe sich die „gefühlte Mehrheit“ getroffen, hier die „reale Mehrheit“, sagte er. Tosender Applaus. Ein andermal zitierte er Seehofer mit einem Satz aus der „Passauer Neue Presse“, zum Beleg, wie dieser das Land schlecht rede.

„Jetzt ist Schulz!“, „Zeit für Martin!“, hielten die Anhänger vorgedruckte rote Plakate hoch. 5.000 Menschen heizten in Vilshofen das größte Bierzelt Bayerns auf. Saunatemperatur. In der klimatisierten Dreiländerhalle in Passau bestimmte der Brandschutz die Obergrenze der Besucher: 4.620.    

Seehofer, stimmlich angeschlagen, mag die Show. Es gab einen Moderator und Filmchen über politischen Gegner. Von denen wurden ausgewählte Szenen mit deren Wortbeiträgen gezeigt, um diese danach polemisch zu kommentieren. Ein bisschen „ZDF-Heute-Show“ nach dem Motto „Die CSU schlägt zurück“. „Es ging immer darum, den Gegner in den Dreck zu ziehen“, sagt ein junger Religionslehrer, der diese Veranstaltung das erste Mal besuchte.

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Scheuer spricht betont kräftig und laut, als müsse er das Defizit seines Chefs ausgleichen.
Andreas Scheuer, der CSU-Generalsekretär, durfte die Schlussrede halten. Er sprach betont kräftig und laut, als müsse er das vorangegangene Defizit seines Chefs ausgleichen.

Minutenlanger Schlussapplaus für Schulz in Vilshofen. Freudestrahlend winkt er von der Bühne. „Mal schauen, ob der Wunder verbringen kann“, sagt ein Mädchen um die 20 mit gelber Warnweste, die als Ordnerin eingesetzt war und Schulz applaudiert hatte.

Fotos: Stefan Schopf (Passau), Tobias Köhler (Vilshofen); Text: Fabiano Cassin, Hubert Denk

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