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Hintergrund | Dienstag, 17. Oktober 17

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Am Parkplatz zum "Haus der Wildnis" deuten blaue Scherenschnitte die Wildtiere des Bayerischen Waldes an, hier den Wolf.
Wölfe im Nationalpark

Zwischen Angst und Neugierde

Zwiesel - „Wir brauchen einen langen Atem. Die Suchaktion kann sich noch über Wochen, ja Monate hinziehen“, sagt Franz Leibl, Leiter des Nationalparks „Bayerischer Wald“. Er steht seit elfTagen unter dem Druck aller Vertreter der Lobbys, die den Wolf als Feind des Menschen betrachten.

Drei der sechs entlaufene Wölfe haben bis heute überlebt. Die neueste Sichtung hat eine Autofahrerin am heutigen Dienstag um 8 Uhr früh der Polizei über Notruf gemeldet: Zwischen Mitterfels und Steinburg habe sie aus 50 Meter Entfernung das Tier beobachtet. Es sei über ein Maisfeld zurück in den Wald gelaufen. Sie sei sich ganz sicher, dass es ein Wolf gewesen ist, erklärte sie. Eine alarmierte Polizeistreife konnte nichts mehr feststellen.

Ein Sabotageakt liegt nahe. Das Bayerische Umweltministerium hat eine Belohnung von 10.000 Euro ausgesetzt: Wer hat in der Nacht auf Freitag, den 6. Oktober, das Freigehege der Wölfe in Ludwigsthal (Landkreis Regen) geöffnet? Sechs der neun Wölfe nutzten die Chance zur Flucht. Ein Ausreißer wurde vom Frühzug der Waldbahn erfasst und getötet, zwei von Jägern erschossen, drei sind noch unterwegs.

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Seit 6. Oktober beschäftigen die sechs entlaufenen Gehegewölfe die Menschen im Bayerwald: Drei wurden getötet (schwarz markiert), zwei Sichtungen gab es zuletzt (rot).
Laut Leibl ist eine Kernmannschaft von 20 Leuten eingesetzt, die Gehegewölfe zu ködern, einzufangen, notfalls zu erlegen. Es gab mehrere Sichtungen. Handyfilmer hielten fest, dass die Tiere sich arglos im Straßenverkehr und in der Nähe von Menschen bewegen. Während wilde Wölfe den Menschen meiden, sind die Wölfe aus der Gefangenschaft, die von Tierpflegern gefüttert werden, an ihn gewöhnt.

Einer der drei noch lebenden Ausreißer traf zuletzt in Lohberg (Landkreis Cham), Luftlinie etwa 20 Kilometer entfernt, auf eine Joggerin mit Hund, ließ sich vom Klappern mit den Walking-Stöcken vertreiben. Ein anderer soll sich in das böhmische Grenzgebiet verzogen haben. Der dritte dürfte sich, so die Auswertung von Fotofallen, in der Nähe seines Heimatgeheges befinden.

Das Wolfsgehege in Ludwigsthal erstreckt sich über ein Waldgebiet von etwa 4,5 Hektar, gut sechs Fußballfelder. Das verbliebene Wolfstrio ist auf ein Drittel des Geheges zurückgesperrt worden, die anderen zwei Drittel wurden geöffnet, in der Hoffnung, dass die Artgenossen zurückkehren. Zehn Lebendfallen mit Fleischködern sind aufgestellt worden.

Der Nationalpark „Bayerischer Wald“ ist durch ausgedehnte Wälder geprägt. Die Haltung von Wildtieren in Gehegen gehört nicht zu den Aufgaben eines Nationalparks. Bei der Erweiterung des Parks im Jahr 1997 wurde jedoch der Beschluss gefasst, dass „attraktive Großgehege zur Präsentation bedeutender Tierarten des Waldgebirges“ als Besucherattraktion eingerichtet werden.

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Parkhüter verteilen frischgedruckte Broschüren: Wie soll sich der Mensch verhalten, wenn er auf einen der Ausreißer trifft?
Der goldene Herbst  brachte  dem Nationalpark und seinen Freigehegen einen regen Besucherzustrom. Das Risiko, einem der Ausreißer zu begegnen, hat die kaum Bürger abgehalten. Parkaufseher verteilen frisch gedruckte Broschüren, welche  Verhaltensregeln für die Begegnung mit einem der Gehegewölfe enthalten:

"Haben Sie Respekt vor dem Tier, laufen sie nicht weg; wenn Sie mehr Abstand möchten, ziehen Sie sich langsam zurück;  falls Sie einen Hund dabei haben, sollten Sie diesen in jedem Fall anleinen und nahe bei sich halten; wenn Ihnen der Wolf zu nahe erscheint, machen Sie auf sich aufmerksam: Sprechen Sie laut, gestikulieren Sie oder machen Sie sich anderweitig deutlich bemerkbar;  laufen sie dem Wolf nicht hinterher; füttern Sie niemals Wölfe – die Tiere lernen sonst sehr schnell, menschliche Anwesenheit mit Futter zu verbinden und suchen dann eventuell aktiv die Nähe von Menschen."

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