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Nachrichten >> Mittwoch, 26. November 08

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Als im Januar 2007 ein Verleger in Münster eine ganze Lokalredaktion von einem Tag auf den anderen kalt stellte, prangerten bundesweit Medien die Ungeheuerlichkeit an: Der Passauer Kahlschlag hat ähnliche Dimensionen.
Lokalredaktion Passau

AS übernimmt PNP

Der Mittwoch brachte der Medienlandschaft in Passau ab 10 Uhr ein Erdbeben und erinnert an den ungeheuerlichen Verleger-Coup von Münster: Der Hälfte der Mannschaft aus der Lokalredaktion der „Passauer Neue Presse“ (PNP) wird mit einem Schlag abgelöst. Der Redaktionsleiter der kostenlosen Boulevardzeitung  „Am Sonntag“ (AS), Michael Koch, tritt schon nächste Woche die Nachfolge von Lokalchef Helmuth Rücker an.

Der neue Redaktionsberater und Ex-Chefredakteur Rudolf Kollböck (64) hat am Vormittag alle Redakteure der Stadtredaktion zu Einzelgesprächen geladen. Sie fanden im Viertelstundentakt statt. Die Chefredakteure waren daran nicht beteiligt.

Wer künftig wo, wie oder überhaupt noch in der Lokalredaktion eingesetzt wird, entschied unter anderem der neue Lokalchef Michael Koch, der seine „Wunschmannschaft“ benennen darf. Er kommt aus dem klassischen Boulevard-Fach (früher "Bild" und "Morgenpost").

Lokalchef Helmuth Rücker wollte gegenüber „Bürgerblick“ lediglich bestätigen, dass er bezahlten Urlaub genommen habe. Er verweist auf eine Mitteilung des Verlagshauses, die allerdings ausblieb.

Neben Rücker sollen laut anderer Quelle weitere Redakteure "freigestellt" worden sein:  Lokalredakteurin Katharina Ritzer und Teilzeitmitarbeiterin Karin Seidl. Vize-Lokalchef  Dr. Stefan Rammer wird in die Bayernredaktion wechseln.  "Rathaus-Reporter" Thomas Seider, so wurde später bekannt, darf wieder mit ins Boot.

Nach der Bekanntgabe der Veränderung herrscht in der Lokalredaktion "lähmendes Entsetzen". Der einzige, der am frühen Nachmittag das Redaktionstelefon abhob, war ein tschechischer Praktikant.

Die „Am Sonntag“, bislang bestehend aus drei Redakteuren und einer Volontärin, wird vermutlich von Kochs Vize Sebastian Daiminger weitergeführt. Das Gratisblatt gehört zur selben Verlagsgruppe.

Laut Insider hat eine "Melange verschiedenster Zutaten" bei der Verlagsleitung zu einer Unzufriedenheit geführt, die sich jetzt entlud. Dazu gehören rückläufige Abozahlen ebenso wie Berichte und Kommentare, die offenbar nach Meinung der Verleger zu belanglos, unkritisch oder fehlerhaft waren.

Der Vertrag mit Redaktionsberater Kollböck, der alle Lokalausgaben durchkämmen und schlagkräftiger machen soll, wurde vor mehr als drei Wochen abgeschlossen. "Ich kann allerdings auch keine Wunder vollbringen", soll der sich geäußert haben.

Die unbequemen Entscheidungen wurden in Passau durch den Geschäftsführer der zuständigen Donau-Wald-Presse GmbH, Reiner Fürst, bekannt gegeben. 

Stadtarchivar Richard Schaffner zieht einen statistischen Vergleich: "Seit 1946 wechselte in Passau damit zum 15. Mal der Lokalchef, im selben Zeitraum gibt es vier Bischöfe und zehn Oberbürgermeister".



 
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