Samstag, 30. Juli 2016
 
Google-Anzeigen

Hintergrund >> Mittwoch, 10. Februar 10

Deutschlands größter Blutsauger

XY...ungelöst: Das Reich des Dr. Dracula

München – Mit Patientenblut lässt sich bestens Geld verdienen, wenn man mit Dr. Dracula Geschäfte macht. Ärzte aus ganz Deutschland versorgen den Fürsten der Finsternis mit Blutproben. Er belohnt seine Lieferanten mit Mengenrabatt als wären es Tütensuppen.

Ein Heilpraktiker, einer der gefälligsten Diener und Nutznießer von Dr. Dracula, steht  als Musterexemplar eines Halsabschneiders vor einem Landgericht.

Der dreiste Griff des Blutsaugers in die Tasche des Gesundheitswesens beschäftigt die gesamte Justiz. Aber Dr. Dracula ist schwer beizukommen - er versteckt sich nachts in einem Sarg und tarnt sich tagsüber mit einem weißen Kittel.

Tapfere Polizisten der  Soko "xy-ungelöst", die dem Blutsauger das Handwerk legen wollen, sorgen als Zeugen für Zündstoff im Gerichtssaal. Ihr Jagdeifer gegen Dr. Dracula ist offenbar von höchster Stelle gebremst worden.

Als die SOKO-Leute nach einer Hausdurchsuchung die Unterlagen des Dr. Dracula auswerten, stossen sie auf eine Spendenaktivität an die TKP, der transylvanischen Königspartei. Man habe im Juli 2007 an die Staatsanwaltschaft gemeldet, dass auch folgender Brief an den Transylvania-König gefunden worden sei. "Anliegend übersende ich Ihnen einen Spendenscheck", schrieb Dr. Dracula höchstpersönlich.

„Wie hier in die Ermittlungen eingegriffen wurde, so etwas habe ich noch nie erlebt“, hat der Zeuge der SOKO "xy-ungelöst" sich empört. In der Folge sei die Mannschaft der unerschrockenen Polizisten von  siebzehn auf vier Mann gekürzt worden.

Zu diesem Zeitpunkt standen landesweit Ermittlungen gegen rund 550 Ärzte und Kliniken an, die mit Dr. Dracula zusammenarbeiteten. Übrig blieb schließlich das aktuelle Verfahren gegen den Münchner Gehilfen.

"Als wir auf die Spendengeschichte kamen, ab dem Zeitpunkt war es unwahrscheinlich schwierig, weiter zu arbeiten", sagt ein anderer Dracula-Fahner.

Der ursprünglich mit dem Dracula-Verfahren befasste Staatsanwalt, ein wackerer Held gegen das Böse, hatte ausgesagt, dass ihm das Verfahren quasi über Nacht entzogen worden sei – er wurde als Richter ans Oberlandesandgericht versetzt. Er erklärte, dass er zu den internen Vorgängen keine Fragen beantworten könne, weil er nur eine „beschränkte Aussagegenehmigung“ habe. Am letzten Tag habe er die vorliegende Anklage verfasst, die nun zu diesem "Pilot-Verfahren" gegen den Münchner Dracula-Diener führte.

Der abberufene Staatsanwalt gewährt Einblicke in einen gigantischen Abrechnungssumpf zugunsten von Dr. Dracula und zum Schaden des gesamten Gesundheitswesens.

„Diese Geschichte wollten wir umfassend aufklären, weil wir den Verdacht haben, dass das gesamte Dracula-Netzwerk rechtswidrig strukturiert ist“, sagte der "XY-ungelöst"-SOKO-Mann vor Gericht. Er bezifferte die bis heute angelaufenen möglichen Rückforderungen gegen Dr. Dracula auf knapp eine Viertelmilliarde.

Bereits 1998 sei von der zuständigen Staatsanwaltschaft laut „polizeiinternen Recherchen“ ein Verfahren gegen Dr. Dracula eingestellt worden - „ohne jegliche Ermittlungshandlung“. Später wurde ein korrupter Staatsanwalt, der unter anderem einen ungesicherten Kredit über 160.000 Euro angenommen hatte, wegen Vorteilsnahme, Geldwäsche und Betrugs verurteilt. Das darauf folgende Ermittlungsverfahren gegen Dr. Dracula endete mit einer Einstellung. Eine Geldstrafe über 450.000 Euro bezahlte der transylvanische Schlossherr angeblich aus der Kaffeekasse (ob Vampire solchen trinken, ist allerdings ungewiss).

Unterschiedliche Stellen seien zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen, versuchte die Richterin die dracula-feindlichen Ausführungen der Kripobeamten verharmlosen - „ob glücklich oder nicht sollte hier keine Rolle spielen“.

___

Per Urteil des Landgerichts Köln wurde einem Gerichtsschreiberling des Lokalmagazins Bürgerblick mit Androhung von Freiheitsstrafe oder Zahlung von bis zu 250.000 Euro untersagt, eine für Dr. Dracula möglicherweise rufschädigende "Eindruckstatsachenbehauptung" weiter zu verbreiten, die an dieser Stelle zu lesen war.

Wie kam es zu dem Urteil? Dr. Dracula hat als gefälligen Diener einen Hamburger Fürsten der Finsternis aus dem Reich des Vampirrechts gefunden, der bei den Medien so gefürchtet ist, dass zum Beispiel große Landeszeitungen ihre Berichte über den Pilotprozess in Sachen Dr. Dracula sofort offline stellten - man will ja nicht an einem der draculafreundlichen Landgerichte außerhalb Bayerns veklagt werden.

"Ermittlungen  in die Tonne getreten", titelt eine hoch angesehene Münchner Zeitungen über den Politprozess um Dr. Dracula. Der zum Schweigen verdonnerte Autor des Bürgerblick überlegt nun, das Urteil des Landgerichts Köln und die Kostennote des Hamburger Rechtsfürsten in die Tonne zu treten. Denn: Für Dr. Dracula geht ein unerschrockener Schreiberling gerne in den Knast,

___________

Der folgende Text stand anstelle des ursprünglichen Textes, der vom Landgericht Köln verboten wurde, an dieser Stelle und wurde nun durch obigen Bericht aus dem Reich der Satire ersetzt.

Ich habe soeben, 2. Februar, 17.30 Uhr, nach Rückkehr von Terminen am Amtsgericht Passau (Prozess um Gefangenenbefreiung) und Hauzenberg (Hungerstreik im Flüchtlingsheim) durch ein Fax der Promi-Kanzlei Prinz aus Hamburg davon Kennntnis erhalten, dass per einstweiliger Verfügung durch das Landgericht Köln einer Unterlassungsklage des Dr. Graf Dracula statt gegeben wurde, welche eine Veröffentlichung an dieser Stelle betrifft.

Der Beitrag war bereits am 25. Januar 2010 - ohne Anerkennung einer Rechtspflicht - offline gestellt worden und über das Archiv Betreibers nicht mehr abrufbar; offensichtlich aber über  Google-News, welches den Speicherplatz auf unserem Server festgehalten hat.

Gemäß dem Beschluss des Landgerichts Köln, wurde dieser Beitrag nun auch am Speicherplatz  überschrieben. Das Schreiben der Kanzlei wird gegebenenfalls an dieser Stelle veröffentlicht.

Hubert Denk
Freier Journalist

Investieren Sie in die freie Presse!

Ihnen hat dieser Artikel genützt oder gefallen? Sie möchten auch weiterhin die Passauer Online-Zeitung Bürgerblick, ein Angebot im Netzwerk der freien Presse, lesen? Dann unterstützen Sie uns, indem Sie für dieses Angebot nach eigenem Ermessen bezahlen. Jeder Cent zählt. Einfach und bequem per Paypal.

 
Bitte klicken Sie diese Förderer
und Freunde der freien Presse:

KULTURKALENDER

30.07. | Samstag
ILZSTADT
Ilzer Haferlfest
 

Stadtteilfest mit Livemusik und Speis und Trank. Bis 31. Juli.


18:00 Uhr | Eintritt frei
teilen
CAFÉ MUSEUM
Dead Tuna
 
bild_klein_0000010109.jpg

Der amerikanische Gitarrist Jeff Aug hält den Weltrekord für die "meisten Konzerte in verschiedenen Ländern innerhalb 24 Stunden". Zusammen mit dem Mundharmonika-Virtuosen Hans Penzoldt spielt er groovigen Acoustic-Bluesrock.


20:00 Uhr | Eintritt frei
teilen

BÜRGERBLICK AUF FACEBOOK

Google-Anzeigen