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Printmagazin | Donnerstag, 17. März 11

Spenden für Japan

Es fehlt an Hilfsstrukturen, nicht am Geld

Passau – Das einzige deutsche Hilfsteam vom Technischen Hilfswerk wurde nach drei Tagen wieder abgezogen. Das ARD-Morgenmagazin rät aus vielerlei Gründen, mit Spenden für Japan derzeit noch zu warten. Weil Japan zu den fünf reichsten Ländern der Erde gehört, haben die caritativen Einrichtungen dort keine Strukturen und fremde Hilfe wird offenbar von Tokio abgelehnt.

Kanzlerin Merkel ruft heute zu Spenden auf. Die entsetzlichen Bilder aus dem Fernsehen bewegen die Herzen der Deutschen, aber die Probleme liegen in der chaotischen Situation vor Ort, nicht in der mangelnden Hilfsbereitschaft oder etwa am Geld.

Mittlerweile geben acht deutsche Hilfsorganisationen untern den Stichwörtern „Tsunami 2011“ oder „Japan“ ihre Kontonummern an. Konkrete Hilfe vor Ort leistet derzeit keine dieser Organisationen. Es gibt bislang nur Kontakte zwischen den Kirchen.

Die deutschen Reporter berichten von den unfassbaren Zuständen in den vom Tsunami verwüsteten Städten und Dörfern. Die Schuttberge türmen sich über unüberschaubare Flächen, aber es ist kein schweres Gerät zu sehen, keine Bergungs- oder Räumfahrzeuge. Dafür viele Soldaten.

Die Menschen müssen sich an offenen Feuern wärmen. Es fehlt an Heizöl und Sprit. Die Lebensmitteltransporte stoppen aus Angst vor der Strahlengefahr schon weit vor den Evakuierungsgebieten, wird kritisiert. Dort harren die Menschen dichtgedrängt in Notunterkünften aus. Etwa 80 Millionen Menschen leben dicht konzentriert an der betroffenen Pazifikküste.

Die Regierung ist von der Atomkatastrophe offenbar so gelähmt, dass die lokale Organisation der Rettungsmannschaften in den Tsunami-Gebieten nur sehr langsam voran kommt. Die Chefs der betroffenen Verwaltungsgebiete wenden sich verzweifelt an Tokio: Wo bleiben die Hilfsgüter?

An Geld mangelt es nicht. Japan hält laut „Manager Magazin“ knapp 14 Prozent des globalen Geldvermögens und liegt damit hinter den USA (39 Prozent) und vor Deutschland (5,6 Prozent) auf Platz 2.

„Wir möchten klar stellen, dass wir niemals einen aktiven Spendenaufruf gestartet haben, wir wurden gebeten und wollen uns einer Geste der Menschen nicht verschließen“, sagt Rainer Lang von der „Diakonie Katastrophenhilfe“. Natürlich sollten die Menschen nicht vergessen, dass das Geld in den ärmeren Ländern dringender gebraucht wird.

Fernsehzuschauer, die gestern im ARD-Morgenmagazin online fragten „Kann man für Japan spenden?“, bekamen von Vize-Redaktionsleiter Hanno Frings folgende schriftliche Antwort:

„Zur Zeit nicht. Das hat zwei Gründe. Zum einen mögen die Japaner, die sehr stolz sind, zur Zeit keine Hilfe. Sie haben das Selbstbewusstsein einer High-Tech-Nation und haben sowohl die Möglichkeiten, als auch das Geld, sich selbst zu helfen. Es wurde sogar staatliche Hilfe einiger Länder an Japan einfach abgelehnt. Zweitens sind unsere deutschen Hilfsorganisationen auf Hilfe in Entwicklungsländern spezialisiert - Länder, die sich oft nicht selbst helfen können. Diese Organisationen haben in Japan gar keine Infrastruktur. Das kann sich aber in den nächsten Tagen noch ändern. Ich kann mir außerdem denken, dass mittelfristig Hilfsprogramme für den Wiederaufbau der Tsunamiregion bei uns anlaufen. Warten Sie noch ein wenig.“

Hier werden direkt im Land Spenden gesammelt: Japanisches Rotes Kreuz; The Nippon Foundation, Canpan.

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