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Meinung | Donnerstag, 14. März 13

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Analyse des Auftritts von Papst Franziskus

In der Ruhe liegt die Kraft

Entschleunigung statt Beschleunigung – das neue Papstprogramm? Der 59-jährige Hamburger Journalist Wolf Achim Wiegand, Experte und Trainer für öffentliche Auftritte, hat die die Premiere von Papst Franziskus analysiert.

Keine große Geste. Unverkrampftes Lächeln. Anfangs sogar ein kleiner Witz: „Die Kardinäle haben einen neuen Papst am Ende der Welt gesucht.“ So spricht einer, der sich selbst nicht immer nur ernst nimmt. "Ich bin geerdet, auch wenn viele mich als unfehlbar ansehen", interpretiert Wiegand diese Botschaft. Die ersten öffentlichen Minuten seines Pontifikats habe das 266. Oberhaupt der katholischen Kirche auf dem Balkon am Petersplatz mit bescheidener Unaufgeregtheit absolviert.

Über eine Stunde ließ sich der neue Papst nach dem weißen Rauch Zeit. Drei Mal längere Wartezeit als beim Amtsantritt Benedikt VI. Dann erst gab Jorge Mario Bergoglio (76) seine Identität und seinen Amtsnamen bekannt. Das habe signalisiert: „Ich nehme mir Zeit.“ „Ich unterwerfe mich keiner Hektik.“ „Ich folge uralten Ritualen“: weißer Rauch, Glockengeläut von St. Peter, Aufmarschieren der Schweizergarde. Der Papst war Herr über Zeit und Raum...

Entschleunigung statt Beschleunigung – in unserer hektischen digitalisierten Zeit wäre das ein Kontrastprogramm.

Emotionen habe der Argentinier mit der Bitte um ein stilles Gebet für ihn, den mächtigen Pontifex maximus, geschaffen. Unterstrichen wurde die Demutshaltung durch ein langes Verneigen des mächtigen Papstes vor den Massen. „Das berührte die Menschen tief, ebenso sein zugewandter Blick über die regenglitzernde Abendszenerie. Fast wirkte das Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken wie zum Anfassen, so, wie bisweilen als Erzbischof von Buenos Aires in der U-Bahn“, kommentiert der Journalist. Damit habe der der Sohn eines Eisenbahners einen „guten Ersteindruck“ hingelegt.

Die Erwartungen nach Neuerungen, dass Papst Franziskus dazu bereit sein könnte, auch dazu gäbe es ein Signal. Gleich nach seiner Wahl ließ er das Twitter-Benutzerprofil "@Pontifex" wieder in Betrieb nehmen und zwitscherte um 20.33 Uhr „fast obamagleich“ "Habemus Papam Franciscum".

Der Abend schloss mit den Papstworten "Gute Nacht und ruht Euch gut aus!" Der Past habe, weltlich ausgedrückt, verkündet: „In der Ruhe liegt die Kraft“.

Hintergrund über den Autor:

Wolf Achim Wiegand (59) war Journalist bei Presse, Radio und Fernsehen, so als dpa-Korrespondent in London. Er arbeitet seit gut 15 Jahren mit seiner Agentur als bundesweiter Auftrittsberater. Zusammen mit seiner Frau Ulla, einer PR-Beraterin, trainiert er Führungskräfte der ersten Reihe für Medienauftritte, Krisensituationen oder Vortragspräsentationen.

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