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Meinung | Samstag, 21. Juli 18

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Kunstnacht ist, wenn Laternenmasten ein farbenfrohes Strickkleid tragen (Archivfoto)
Kunstnachtnachlese

Danke an die Gastgeber!

Kunstschau und Klassentreffen, Steh- und Tanzparty, Menschengewusel wie im Nachtleben der Lissabonner Altstadt und Lässigkeit eines italienischen Dolce Vita. Die Passauer Kunstnacht fühlt sich für jeden anders an und gibt allen vieles. Die laue Sommernacht hat sie gestern wieder zu einem unvergesslichen Ereignis werden lassen.

Die Passauer Altstadt ist ein Wohlfühlort, ein buntes Wohnzimmer. Natürlich sah es nach der großen Party aus wie in jeder Partywohnung, wenn der letzte Gast gegangen ist. Der Müll der Plastiktrinkbecher, die Ansammlungen von Bierflaschen, der Papierabfall der Imbissbuden. Die letzten Gäste gingen gegen 2.30 Uhr nach Hause, als die Mitarbeiter vom Bauhof mit den Aufräumarbeiten beschäftigt waren. Wir gehen davon aus, dass die Stadt ihre Arbeit fair bezahlt.

Das größte Dankeschön gilt den Altstädter Bürgern, die uns geduldig und großzügig ihr Wohnzimmer überlassen haben. Denn die Kunstnacht lebt vom Reiz ihres Schauplatzes, aufgeladen mit der Kreativität ihrer Akteure, den Künstlern, den Musikern, den Betreiber der Galerien, den Wirten.

Letztere konnten nicht klagen. Kellnerbrieftaschen füllten sich mit Geldscheinen und zu später Stunde ging da und dort das Wechselgeld aus. Es war amüsant anzusehen zu vorgerückter Stunde. Die Alten gebärdeten sich wie die Jungen, zogen mit der Weinflasche in der Hand um die Häuser, einen kessen Spruch auf der Lippe, als städtische Ordnungshüter zum Zapfenstreich riefen, den Abbau der Bestuhlung und Tische anmahnten. Es folgte die Kontrollfahrt eines Streifenwagens der Bundespolizei, ob freie Fahrt tatsächlich wieder überall gegeben ist. Meine Meinung: Eine Altstadt sollte im 21. Jahrhundert nicht mehr vorrangig den rollenden Auspuffrohren dienen, sondern den atmenden Menschen. 

Stur im Streifenwagen
Apropos Streifenwagen und rollende Auspuffrohre. Klar, Polizeipräsenz soll Sicherheit und Ordnung garantieren, aber geht das nicht anders? Auf diese Szene blickten viele verständnislos: Eine Streifenwagenbesatzung bahnte sich den Weg zur Ortspitze und von dort über den Innkai zurück; wohlgemerkt eine Uferpromenade, die laut Beschilderung ausschließlich Fußgängern vorbehalten ist. Sich hier an einem solchen Abend durch die Menschenmassen zu quetschen, das ist weder bürgernah noch vertrauenserweckend, sondern rücksichtslos und am ungesicherten Flussufer sogar gefährlich.

„Wenn es ein Einsatz gewesen wäre, mit eingeschaltetem Blaulicht, dann hätte man das verstanden“, erzählt ein Beobachter. Warum keine Fußstreifen? Wo waren die Fahrradpolizisten? Ein Blickkontakt mit den Bürgern ist allemal sympathischer als Uniformierte, die hinter Blech und Glas eines BMW sich durch die Menge schieben.

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16. Oktober 2018
 
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