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Meinung | Dienstag, 21. August 18

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Der elektrische Citybus hat eine ähnliche Größe wie der Diesel-Citybus vor ihm. Die Akkus sind auf dem Dach montiert. (Photo: privat)
Testfahrt ohne Wissen der Stadt?

Der elektrische Passauer Citybus pendelt bereits

Früher haben Leser den Redaktionen Fotos geschickt, wenn sie einen Erlkönig auf der Straße erwischt hatten. So werden Prototypen der Automobilindustrie genannt, die getarnt zu Testfahrten unterwegs sind. Heute reagieren Bürger wie „elektrisiert“ (schönes Wortspiel), wenn sie ein neues Elektrofahrzeug auf Testfahrt entdecken. Ohne Auspuffrohr und Motorlärm geben sie eine Ahnung davon, wie sich eine Stadt der Zukunft anfühlen könnte. Gestern Abend lag ein Bild vom ersten elektrischen Passauer City-Bus in unserem Postfach.

Die Citybuslinie, die in engen Gassen und dicht vorbei an Straßencafés verkehrt, ist vielen Altstädter ein Dorn im Auge. Die alten Dieselfahrzeuge, die ein lokaler Reiseunternehmer betreibt, lärmen und stinken. Nach der verkehrsberuhigten Luitpoldbrücke (Hängebrücke) wäre wahrscheinlich die Elektrifizierung dieser Strecke der nächste wichtige Schritt, die Altstädter ein wenig aufatmen zu lassen.

Härtetest auf der steilsten Strecke

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Der elektrische Citybus auf der Altstadtlinie im Test. Hier dreht er gerade seine Runde am Römerplatz. (Photo: privat)
Angeblich auf eine Anfrage der Heimatzeitung hin hat das Rathaus zum Thema E-Mobilität im Nahverkehr eine Stellungnahme geschickt, die in der Montagsausgabe zu lesen war. Heute ging ein identischer Text in den Rathaus-Presseverteiler. Dass auf der City-Buslinie gerade Testfahrten mit einem elektrischen Bus laufen, ist aus Unkenntnis oder bewusst verschwiegen worden. „Recherchen und bisherige Tests haben noch kein geeignetes Fahrzeug mit Elektroantrieb hervorgebracht. Die Suche nach alternativen Antriebsmöglichkeiten wird weiter vorangetrieben“, heißt es dort irreführend. Es gäbe keine geeigneten E-Modelle, die durch den Paulusbogen passen; und eine Rathaussprecherin trägt heute nach, das Ausweichen auf Gehwege sei wegen der hohen Achslast ein Problem. Jedoch: der derzeit im Einsatz befindliche E-Bus meistert offenbar diese Strecke. Eine Leserin berichtet, sie habe ihn auf der steilsten Strecke der Stadt manövrieren sehen, dem Pandurenweg nach Oberhaus - den angeblich sonst nie ein Bus nimmt. 

Will der lokale Reiseunternehmer mit einem eigenen elektrischen City-Bus den Stadtwerken zuvorkommen, um diese Strecke nicht zu verlieren? Der Härtetest erfolgt nach ersten Informationen offenbar nicht im Auftrag der Stadt.

Nachtrag: Die Stadt werde das selbe Fahrzeug nächste Woche testen, erklärt eine Rathaussprecherin. Er sei wohl eine überarbeitete Version des Vorgängers, welcher bei vorangegangenen Tests nicht überzeugt habe.

Das Modell, so verrrät die Beschriftung, ist ein Niederflurbus für 16 Fahrgäste, also mit barrierefreiem Einstieg für Menschen mit Rollstuhl oder Rollator. Selbst Fahrräder ließen sich im unverbauten Innenraum mitnehmen. Nach unseren Recherechen haben andere Kommunen bekundet, dass dieses Fahrzeug ausgereift und einsatztauglich sei. Im hügeligen Land bewähre sich die sogenannte Rekuperation: Energierückgewinnung beim Bremsen und bei Talfahrten. Mit einer Ladung ließen sich auf der Passauer Citybuslinie wohl bequem zwei Dutzende Runden drehen. In spätestens zwei Stunden wären komplett leere Akkus wieder voll.

Einfache Steckdosen genügen
Das Rathaus und die Stadtwerke betonen oft die fehlende Infrastruktur, die Anschaffung der teuren Ladesäulen. Das entspricht längst nicht mehr den Anforderungen und auch nicht der e-mobilen Wirklichkeit. Für die sogenannten Streetscooter (Postautos) genügt beispielsweise eine 220-Volt-Steckdose für die Ladung über Nacht; es wäre eine ideale Umrüstung für die Bauhoffahrzeuge, die sich fußgängernah in Parks und an den Flusspromenaden bewegen. Der gesichtete elektrische City-Bus ist so vorbereitet, dass er keiner besonderen Ladesäule bedarf. Er kommt einfach an eine Starksteckstromdose.

Die Heimatzeitung schrieb nach der Antwort aus dem Rathaus: „Elektrobusse in der Warteschleife“, weil die Stadtwerke noch einige Mängel erkennen. Der Blick auf andere Kommunen zeigt, dass möglicherweise einer der größten Mängel darin besteht, dass der politische Wille fehlt.

Hubert Jakob Denk

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