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Meinung | Samstag, 23. Juni 18

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Blutrote Bänder symbolisieren das Unheil, die Ankunft des Geisterschiffs mit dem "Fliegenden Holländer". (Foto: Tobias Köhler)
Nachtkritik zur Freiluftoper

"Der fliegende Holländer": Grusel, Schauer und Gänsehaut

Es ist die wohl aufwändigste Dramaturgie gewesen, die sich je eine Wagner-Oper geleistet hat. Vor der Ouvertüre spannt sich ein Zwillingsregenbogen über die Burg mit der Freilichtbühne. Wie vom Takt des Orchesters getrieben ziehen danach zum Sonnenuntergang mächtige Wolken vorüber; der Himmel zeichnet wie ein Schelm sein stürmisches Abbild auf dem Bühnengemälde nach. Als schließlich der zum Geisterdasein verdammte Kapitän in einer irdischen Geliebten sein Glück findet, weint der Himmel vor Rührung.

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Schöne Gruselszene: Der "Fliegende Holländer" (Lars Møller) erscheint, umgeben von seinen Gespensterfrauen, mexikanische Totenmasken, weiße Hochzeitskleider.
Die Wagner-Oper „Der fliegende Holländer“ gab den Auftakt der Burgfestspiele auf Veste Oberhaus. Eine Freilichtaufführung in der bislang kühlsten Nacht dieses Sommers, die Temperatur sank auf 9 Grad. Wohl dem, der sich warm und wetterfest eingepackt hatte. Zuletzt war der Atem der Sänger sichtbar geworden. Bei einem kurzen Schauer klappten im Parkett die Regenschirme auf. Trotz alledem ein kurzweiliger Genuss: packende Solisten, grandiose Bühnenbilder, prächtige Kostüme und ein immer wieder faszinierender Mitspieler: der Himmel.

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Sie umklammern die Ruder auf stürmischer See: Kapitän Daland (Stephan Bootz) mit seiner Mannschaft. (Foto: Tobias Köhler)
Mehr als die Kühle der Nacht hat die Zuschauer der erste Akt frösteln lassen: Die Opfer des Geisterschiffskapitäns steigen aus dem Meer. Frauen in mexikanischen Totenmasken und weißen Hochzeitskleidern. Sie spannen blutrote Bänder, die Boten des Unheils.

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Die Mitwirkenden der Wagner-Oper genießen den Schlussapplaus. (Foto: Tobias Köhler)
Der Bariton Lars Møller in der Hauptrolle des „fliegende Holländers“: In schwarzer Gruselmaske und Gewand erinnert er an sein Filmpendant aus „Fluch der Karibik“. Die 54-jährige Sopransängerin Annette Seiltgen spielt seine junge Geliebte Senta. Mit starker Stimme und starkem Ausdruck verwandelt sie sich vom schwärmenden Mädchen zur leidenschaftlichen Geliebten, zur Erlöserin des Verdammten. Glatzkopf Stephan Bootz spielt abgebrüht den geldgierigen Kapitän, der seine Tochter Senta an den „Fliegenden Holländer“ verkauft.

Nach 135 Minuten klatschen sich die 400 Premierenzuschauer die Hände wieder warm, vor Begeisterung. Bravorufe für die Solisten hallen durch den Burghof.

hud/ Fotos: Tobias Köhler (Klicken sie sich durch die Bildergalerie der Burgfestspielpremiere)

"Der Fliegende Holländer" von Richard Wagner, uraugeführt 1843 am Hoftheater in Dresden.

Besetzung:
Stephan Bootz (Daland)
Annette Seiltgen (Senta)
Jeffrey Nardone (Erik)
Sabine Noack (Mary)
Victor Campos Leal (Der Steuermann)
Lars Møller (Der Holländer)

Niederbayerische Philharmonie
Opernchor des Landestheaters Niederbayern
Statisterie des Landestheaters Niederbayern

Musikalische Leitung Basil H. E. Coleman
Regie Johannes Reitmeier
Bühnen- und Kostümbild Michael D. Zimmermann
Chorleitung Eleni Papakyriakou

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