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Meinung | Sonntag, 22. März 15

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Jeans, Lederjacken und Anzüge. Die Inszenierung zeigt den Konflikt zweier verfeindeter Familien in der Neuzeit.
Bellini-Premiere

Hinreißender Romeo in Frauenkleidern

Die Bellinireihe am Fürstbischöflichen Opernhaus findet mit "I Capuleti e i Montecchi" eine grandiose Fortsetzung. Klassisches Drama, moderne Inszenierung, eine Hosenrolle in Frauenkleidern und die berührende Geschichte um eine verzweifelte Liebe.

Mancher mag bei Bellini zuerst an den Champagner-Cocktail mit den pürierten Pfirsichen denken. Der Bellini im Glas prickelt verführerisch am Gaumen, der Bellini auf der Bühne betört das Gehör. Bellini, Vorname Vicenzo, lebte von 1801 bis 1835 und war ein begnadeter italienischer Opernkomponist. Er gilt als Urvater der romantischen Oper in Italien, der Oper des schönsten Gesangs. Bei der Passauer Premiere flüstern sich Zuschauer im Parkett während der Partituren für den Nachbarn hörbar ihre Begeisterung zu: „Wahninn!“, „Toll!“, „Grandios!“

Große Stimmen, hervorragende Inszenierung
Die Rolle des Romeo ist als Hosenrolle konzipiert. Von einer Frau gespielt soll dies die Jugendlichkeit der Figur betonen. Franziska Rabl sollte Romeo bei der Premiere verkörpern, fiel aber wegen Erkrankung aus. Sabine Noack springt ein und erntet an diesem Abend tosenden Applaus. Anna Sohn verkörpert die kindliche Geliebte Giulietta. Die beiden sind die einzigen Frauen im Ensemble. Sie dominieren mit ihrer Stimmgewalt, werden von Beifall überschüttet.

Beim traurigen Höhepunkt, als sich die beiden Sterbenden in den Armen halten und ihr Schicksal beklagen, bleibt auch das Herz eines unerprobten Operngängers nicht unberührt. Für den Autor ist Oper Neuland. Vorsichtshalber fragt er nach der Vorstellung seine Begleitung, selbst eine Sopransängerin, nach ihrer Meinung. "Gesanglich war das echt klasse, die moderne Inszenierung hervorragend", bekommt er zu hören.

Romea und Giulietta?

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Romeo (Sabine Noack, rechts) fleht seine Geliebte Giulietta (Emily Fultz) an. (Foto: Peter Litvai)
Genau betrachtet hätte es auch eine Neuinterpretation mit einem lesbischen Liebespaar sein können. Denn die Kostümbildner stecken die Romeo-Darstellerin nicht in Männerkleidung, sondern großteils in enge Jeans und weit ausgeschnittene Oberteile. Das wirkt mehr feminin denn jugendlich. Diese Absicht würde zur modernen Übersetzung des britischen Regisseurs Ultz passen, der die klassische Liebesgeschichte ins 20. Jahrhundert verfrachtet. Die Männer tragen Anzug und Krawatte, Jeans und Lederjacke. In Mafiamanier bedrohen sich die Feinde mit Pistolen. Die Szenenwechsel untermalt Utz mit Projektionen: ein tanzendes Ballettpaar.

Patrick Rottler

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