Google-Anzeigen

Meinung | Dienstag, 23. Juli 19

bild_klein_0000015790.jpg
Hat mal wieder alle Hände voll zu tun: Dorfsheriff Eberhofer (Sebastian Bezzel). Foto: Constatin
Kino: Leberkäsjunkie

Im Hühnerstall, da liegt eine Leiche

Die "Constantin"-Filmgesellschaft" hat die neueste Verfilmung der beliebten "Eberhofer"-Krimis von Rita Falk im Passauer Cineplex-Kino vorgestellt. "Leberkäsjunkie" ist der sechste Teil der Reihe um den bräsigen Dorfpolizisten Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel). Regie führte wieder Ed Herzog, der schon die Vorgänger verfilmte.

Nach dem Motto “Never change a running system” präsentiert “Leberkäsjunkie” eine Menge Slapstick und Situationskomik vor dem Hintergrund eines mäßig interessanten Kriminalfalls auf dem niederbayerischen Dorf. Dieser kommt erst mit einiger Drastik daher, eine Frau wird als verkohlte Leiche in einem Bauernhaus entdeckt, das wird dann aber verblüffend schnell zur Nebensache. Es mag den Charme der Reihe ausmachen, dass die Suche nach dem Schuldigen bestenfalls gleichberechtigt ist mit den alltäglichen Sorgen und Problemen Eberhofers, die Regisseur Ed Herzog genussvoll in breitestem Niederbairisch ausbreitet.

Trotz des hässlichen Mordes ist die Niederkaltenkirchner Idylle nie wirklich gefährdet, selbst dann nicht, wenn Eberhofer, dieser “Leberkäsjunkie”, auf Diät gesetzt wird. Im Handlungsverlauf werden Themen aufgenommen und verwoben, wie es gerade passt, Hauptsache, der Dorfcop kommt gut ins Schwitzen: gierige Investoren, alleinerziehende Eltern, Rassismus - und das alles gleichzeitig und gleich wichtig. Es stellt sich mit der Zeit eine gewisse Beliebigkeit ein, denn dieses Nebeneinander von völlig unterschiedlichen Themen vermittelt den Eindruck, wir bekämen hier die Staffel eine Heimatserie zu sehen, die man auf knapp einhundert Minuten eingedampft hat.

Dass “Leberkäsjunkie” trotz allem unterhaltsam bleibt, ist hauptsächlich dem Ensemble zu verdanken. Hauptdarsteller Sebastian Bezzel spielt Eberhofer als meist sonambulen Trampel, der im richtigen Moment dann aber doch mal zulangen kann; sei es mit kalauernder Schlagfertigkeit oder entschlossener Handfestigkeit. Ein Reigen mal mehr, mal weniger bekannter Gesichter baiert sich dabei mit ihm durch die Geschichte: die Konstanzer "Tatort"-Kommissarin Eva Mattes ("Klara Blum" kaum wiederzuerkennen als wuchtige Esotante), der Oberpfälzer Komiker Harry G. in einer Gastrolle als Nymphomane oder der Passauer Kabarettisten Sigi Zimmerschmied als Oberwachtmeister.

Eberhofer und seine Dorfclique sind liebenswerte Querköpfe: Sie fressen, saufen, schreien und sind ein bisschen korrupt. Diese ironische Überzeichnung rettet die Krimikomödie davor, in Sentimentalitäten abzugleiten und den oft drögen Alltag auf dem Dorf als “heile Welt” zu idealisieren. Insofern hat Rita Falks Krimireihe ihren Erfolg verdient. Aber ganz von Kritik freisprechen kann man sie nicht: Neben der bereits erwähnten Beliebigkeit einzelner Handlungsteile, oft nicht  zu Ende geführt, ist es insbesondere die  zwiespältige Darstellung von Homosexualität, die stutzig macht. So blamiert sich Eberhofer zu Recht, als ihm sein scheinbar unbekannter Gegenüber plötzlich eröffnet, er habe ihm damals in der Schule “Schwuchtel” auf den Rucksack geschmiert; etwas weiter vorne sind es aber dann doch wieder die Schwulen, die für Ärger sorgen, weil sie viel zu emotional sind. Hier besteht Nachholbedarf in dieser sonst durchaus reflektierten Komödie.

 “Leberkäsjunkie” bleibt trotz dieser Mängel eine gelungene Dorfklamotte mit flottem Erzähltempo, dem richtigen Cast und viel bayerischem Humor. Unterhaltsame Sommerleinwandkost. Läuft ab 1. August.

Clemens Pittrof

Investieren Sie in die freie Presse!

Ihnen hat dieser Artikel genützt oder gefallen? Sie möchten auch weiterhin die Passauer Online-Zeitung Bürgerblick, ein Angebot im Netzwerk der freien Presse, lesen? Dann unterstützen Sie uns, indem Sie für dieses Angebot nach eigenem Ermessen bezahlen. Jeder Cent zählt. Einfach und bequem per Paypal.

15:23
Montag
16. September 2019
 
Bitte klicken Sie diese Förderer
und Freunde der freien Presse:

SOCIAL MEDIA

KULTURKALENDER
16.09. | Montag
Keine Einträge

Google-Anzeigen