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Meinung | Dienstag, 17. Oktober 17

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Unfug auf Rädern

Klimaschützer strampeln gegen Klimakiller

Von der Idee her ist es eine gute Sache. Kommunen treten in den Wettbewerb: Wer lockt die meisten Bürger aufs Fahrrad, damit sie möglichst viele Kilometer radeln, um das schädliche Treibhausgas Kohlendioxid einzusparen. Bundesweit machen bei der Aktion „Stadtradeln“ knapp 600 der 11.000 Kommunen mit, also gar nicht viele. Die meisten denken sich vielleicht: Effektive Verkehrspolitik ist wichtiger als Aktionismus.

Das „Stadtradeln“ wurde vom europäischen Netzwerk „Klimabündnis“ vor zehn Jahren ins Leben gerufen. Seit fünf Jahren ist die Stadt Passau dabei. 285 Frauen und Männer radelten heuer mit, immerhin fast 80 mehr als im Vorjahr. Es geht darum, in zwanzig Tagen möglichst viele Radkilometer zu sammeln und Autofahrten zu vermeiden. 41.000 Kilometer schafften sie diesmal, 1.000 weniger als im Vorjahr.  In der Dreiflüssestadt macht Radfahren keinen Spaß, das liegt am Verkehrskonzept: Otto- und Dieselmotoren, Kohlendioxidschleudern, haben in Passau grundsätzlich Vorrang und genießen den größten Straßenraum.

In der Pressemitteilung zur Bilanz rühmt sich Passau beim „Stadtradeln 2017“ knapp sechs Tonnen Kohlendioxid eingespart zu haben. Ohne Vergleich kann man mit dieser Zahl wenig anfangen. Wir ziehen einen, der sich anbietet. Sie werden frustriert sein. In Passau ist in diesem Sommer der „7. Benefiz-Motorradkorso“ beklatscht worden. 958 Motorradfahrer drehten auf abgesperrter Strecke, angeführt von einem Polizeimotorrad, eine Runde über 70 Kilometer mit maximal Tempo 60. Der Bikergemeinschaftsspaß kostete umgerechnet 11,50 Euro je Teilnehmer, denn 11.000 Euro an Startgeld und Spenden wurden für einen guten Zweck gespendet. So beruhigt man Kritiker. Denn mindestens sieben Tonnen Kohlendioxid haben die Motorradfahrer in die Luft geblasen.

Die bittere Erkenntnis: Was die Klimaschützer der Erde in drei Wochen mit Muskelkraft an Treibhausgas erspart haben, fügten ihr die Verbrennungsmotoren einer einzigen Motorradveranstaltung in weniger als zwei Stunden wieder zu. Es lebe der Aktionismus!

Ben Balzereit 

Beitrag erschien in Bürgerblick Nr. 108/ September 2017

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