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Meinung | Freitag, 05. Januar 18

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Toms Genussquartett

Neue Weine: natur pur oder alkoholfrei

Viele Weinexperten haben sich in den letzten Jahren über Naturweine, sogenannte Natural oder Orange Wines, ausgelassen. Sie kommen zum Ergebnis, der Großteil dieser Tropfen sei schlicht untrinkbar. Ein Geschmack „nach Verwesung“ notiert Manfred Klimek ("Brand eins"), von „leichter Kaninchenstallnote“ schreibt Eva Biringer ("Die Zeit") und Norbert Thomma ("Berliner Tagesspiegel") charakterisiert eines dieser Traubenerzeugnisse despektierlich als „Sud von Gewürzgurken“. Solche Aussagen sollen natürlich provozieren und polarisieren.

Zugegeben, viele Winzer nutzen diese Modewelle und behaupten, die Fehltöne solcher biologisch gekelterten Weine würden den wahren Willen der Natur spiegeln. Gott sei Dank muss man nicht alles trinken, was der Markt anbietet. Wer jedoch sucht, kann durchaus Perlen unter diesen oxidativ ausgebauten Weinen finden. Sie stammen von Winzern, die das Risiko nicht scheuen, experimentierfreudig sind und vor allen Dingen ihr Handwerk beherrschen.

Im niederösterreichischen Langenlois gibt es solche: Hier kümmern sich Alwin und Stefanie Jurtschitsch seit 2008 um nachhaltigen und biologischen Weinanbau. Ihr Ziel ist ein authentischer, traditioneller und terroirspezifischer Wein mit einer eigenen Stilistik. Ihren „Belle Naturelle“ beschreiben sie als „ungeschminkt, ungeschönt, unfiltriert“.
Bei der Herstellung werden ganze Trauben im Holzfass für zwei Wochen auf der Maische vergoren. Angeblich können Synästhetiker, Menschen, die Farben hören und Töne sehen können, bei diesem Wein das Summen der Bienen riechen. Damit sich das naturtrübe Produkt in seiner ganzen Pracht im Glas präsentieren kann, wird empfohlen vor dem Öffnen die Flasche einmal sanft zu kippen. Eine andere Pionierarbeit hat der Rheingauer Johannes Leitz geleistet. Er produziert inzwischen eine alkoholfreie Variante seines „Eins-Zwei-Dry“, den „Eins-Zwei-Zero“. Hierfür wird das fertige Produkt mittels einer Vakuumverdampfung schonend entalkoholisiert. Obwohl Alkohol ein Geschmacksträger ist, bleiben bei dieser alkoholbefreiten Variante der Geschmack und das Bouquet des Rieslings in seinen charakteristischen Grundzügen erhalten. Dieser alkoholfreie Wein überzeugt durch seine zahlreichen Fruchtaromen, seine dezente Mineralität und seine harmonische Säurestruktur.

Dieser Riesling schafft die Verbindung: Alkoholische Abstinenz paart sich mit Genuss.
Tom Knieper

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Eins-Zwei-Zero-Riesling
Testergebnis zum " Eins-Zwei-Zero-Riesling 2016":

Idealer Abendbegleiter
Stefanie Buchhold, Leiterin des Passauer Oberhausmuseums: "Das klare Goldgelb präsentiert sich in der Nase als grünes Gemüse gepaart mit jungem Rhabarber. Daneben finden sich mineralische Noten. Auf der Zunge überrascht dieser alkoholfreie Wein mit angenehmer Säure, dezenter Bitternote und Anklängen von grünen Äpfeln. Ein idealer Begleiter für warme Abende der Sommer-Herbst-Wende."
3,5 Punkte

Rhabarber, Zitrus und grüner Apfel
Stephan Öller, Inhaber des Passauer Lokals: "Die Optik ist strahlend, goldgelb und klar. Der Geruch wird durch Rhabarber- und florale Noten bestimmt, abgerundet durch eine dezente Honignote. Geschmacklich dominieren Zitrus und grüner Apfel, dazu erneut etwas Rhabarber. Der Wein bleibt lange am Gaumen. Gespritzt mit Wasser erinnert er an gespritzten Most."
5,0 Punkte

Elegant und sehr gefällig
Holm Putzke, Professor für Strafrecht an der Uni Passau: "Elegante Optik gepaart mit einer vielschichtigen, süßlichen Aromatik. Diese wird durch den Duft von Amarenakirschen und einem dezenten Anklang von Rum abgerundet. Geschmacklich sehr gefällig mit klarer Rotwein- und Rumnote. Ein gut trinkbares Produkt."
4,5 Punkte 

Alkoholfreies Genusserlebnis
Hubert Scheungraber, Inhaber der Passauer Bar Journey: "Ein goldgelber Tropfen, der die Nase mit frischen und floralen Aromen begrüßt. Insgesamt leicht balsamisch. Auf der Zunge: ein interessantes, harmonisches Säurespiel. Dazu kommen Noten von Honig, Süße, Apfel und Zitrus. Im Abgang langanhaltend. Eine Empfehlung für alle, die alkoholfrei bleiben wollen oder müssen."
3,0 Punkte 

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Belle Naturelle Grüner Veltinger
Testergebnis zum " Belle Naturelle Grüner Veltliner":

Perfekt für die Grillrunde
Stefanie Buchhold, Leiterin des Passauer Oberhausmuseums: "Der unfiltrierte Wein strahlt strohgelb mit grünen Reflexen. Sein Duft setzt sich aus einer Mischung von Spargel und Honig zusammen. Auf der Zunge dann eine angenehme Frische und Spritzigkeit. Der Wein ist leicht, angenehm und etwas salzig. Ein süffiger Wein für Grillabende oder als Begleiter zum Sonnenuntergang."
3,0 Punkte 

Wein mit Sherry-Anmutung
Stephan Öller, Inhaber des Passauer Lokals: "Leicht trüb und strohgelb. Die oxidative Note erinnert an einen jungen Fino Sherry. Angenehme Gerbstoffe paaren sich mit verhaltener Frucht und leichten Gewürznoten. Auf der Zunge eine präsente, lebendige Säure und eine eher verhaltene Frucht. Insgesamt eine gute Länge. Handwerklich sehr gut gemacht. Absolut überzeugend."
5,0 Punkte 

Trüb und stumpf
Holm Putzke, Professor für Strafrecht an der Uni Passau: "Das unklare, trübe Strohgelb erinnert an Brotsaft. Der Geruch ist überaus angenehm mit Anklängen von Holz und reifen Kirschen. Auch geschmacklich kommt das Holzfass durch, ergänzt um fruchtige Noten.  Insgesamt ist dieser Naturwein jedoch stumpf, unkonventionell und gewöhnungsbedürftig."
2,5 Punkte 

Duell von Süße und Säure
Hubert Scheungraber, Inhaber der Passauer Bar Journey: "Strohgelb mit auffälliger Trübung. Der Duft besteht aus einer ausgewogenen Mischung aus dezenten Gewürz- und Fruchtaromen. Auf der Zunge stellt sich eine gewisse Öligkeit ein. Am Gaumen duellieren sich Süße und Säure. Der Mundraum wird zu einer Art gustatorischem Kopfsteinpflaster. Insgesamt ein ansprechender Sommerwein.“
3,5 Punkte 

Unsere Tester vergeben maximal fünf Punkte. Ein Siegel für ein herausragendes Preis-Leistungsverhältnis wird bei Bedarf gesondert verliehen.

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5 Punkte: herausragend

Übermäßiger Alkoholkonsum ist gesundheitsschädlich. Bitte genießen Sie alkoholische Getränke verantwortungsvoll.

Beitrag erschien im Bürgerblick-Magazin Nr.108/ September 2017

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