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Meinung | Freitag, 29. Dezember 17

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Die Pracht eines Feuerwerks verdoppelt sich, wenn es sich auf einer Wasserfläche spiegelt: Hier das Feuerwerk auf dem Fünferlsteg, das 2002 Intendant von Freyberg bei den 50. Europäischen Wochen ("Thank you America!") abbrennen ließ. (Foto: Archiv mediend
Mehr Freude, mehr Sicherheit

Salomonische Lösung für Silvester in Passau

Die Brücke mit dem schönsten Blick auf Passau ist also zum Jahreswechsel tabu. Den Bürgern bestimmte Aufenthaltsorte zu verbieten, hat einen schlechten Beigeschmack. Es fühlt sich nach Bevormundung an, nach Willkür und Schikane.

Der Stadtrat hat es so beschlossen. König Salomon hätte wahrscheinlich anders entschieden. Er hätte beide Seiten zufriedengestellt, ja belohnt: die Rufer nach Verboten, Sicherheit und Ordnung; die Befürworter von Freiheit, einer Feier nach Lust und Laune.

Das Betretungsverbot ist ausgerufen worden, weil bei dieser volksspontanen Silvesterparty auf der Brücke angeblich "Leib und Leben, Besitz und Eigentum" in Gefahr sind. Wer das wie Polizei, Rettungskräfte und die meisten Stadträte so sieht, muss sich die Frage gefallen lassen: Ist die beleuchtete Marienbrücke mit ihrem absturzsicheren Geländer nicht viel sicherer als die Orte der Umgebung, auf welche die Passauer jetzt ausweichen werden?

Der Innkai ist spärlich beleuchtet und ungesichert, auf dem schmalen Fünferlsteg droht gefährliche Enge. Wir Passauer wissen doch: In unserer Stadt ertrinken so gut wie nie Menschen, weil sie von einer Brücke stürzen, wohl aber an den Uferpromenaden, wenn sie betrunken oder die Notdurft verrichtend das Gleichgewicht verlieren. Überspitzt betrachtet: Die Stadt Passau lässt es zu, dass ihre Bürger an viel gefährlichere Silvesterfeierplätze ausweichen müssen.

Feuerwerksraketen und Böller gehören zu Silvester wie der Christbaum an Heiligabend. Zwar werden Kritiker lauter, die anführen, dass sinnlos Tonnen von Feinstaub in die Luft geblasen werde und die Ausgaben von zig Millionen Euro besser angelegt werden könnten. Der Ansatz mag richtig sein. Aber der Kauf des Silvesterfeuerwerks ist erstens Privatsache und zweitens die Gesundheit immer dann Nebensache, wenn die Gefahr nicht unmittelbar wirkt. Denn Weitsicht zählt zu den weniger entwickelten Fähigkeiten der menschlichen Gattung.

Zurück zur Brückensperre. Die Stadt hätte eine weise Entscheidung fällen können, bei der die Freude an der Silvesterfeier in Passau größer, der private Gebrauch von Raketen und Böller vielleicht sogar geringer, und die Sicherheit auf der Brücke hundertprozentig gewahrt worden wäre. Den Einwand mancher Innstädter, dass ihr Stadtteil bei Sperrung dieser Brücke von der Außenwelt abgeschnitten sei, gilt es davor noch zu entkräften: Wenn diese Brücke bei den Silvesterfeiern der letzten Jahre, beim Hochwasser, beim Innstädter Faschingszug oder bei der Neonazidemo 2009 stundenlang gesperrt war, dann war die Versorgung mit Polizei und Notarzt stets gesichert, auch durch den Ersatzweg über das Kraftwerk Ingling. 

Wie hätte also König Salomon entschieden? Ganz einfach. Er hätte gesagt: Die Brücke bleibt für das feiernde Volk gesperrt, weil ich auf ihr ein eigenes Silvesterfeuerwerk zur Freude des Volkes zünden will. Jeder, der es sehen will, komme und staune. Die Zuschauerplätze wären zahlreich: die Ufer des Innflusses, der Fünferlsteg, die Fenster, Balkone und Terrassen der flussnahen Häuser, die Aussichtspunkte auf den südlichen Hügeln.

Nirgendwo kommt ein Feuerwerk besser zur Geltung als dort, wo sich seine Pracht durch Spiegelung auf einer Wasserfläche verdoppelt. Die Freude mehren und Sicherheit bringen, das wäre doch ein schöner Vorsatz für das Rathaus im neuen Jahr.

Hubert Jakob Denk

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