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Meinung | Mittwoch, 24. Januar 18

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Toms Genussquartett

Schnapsidee zweier niederbayerischen Studenten

Probieren geht über Studieren. Benjamin Schwiewagner, 27, ein gebürtiger Passauer, und Christoph Solka, 26, sein Kommilitone aus Rotthalmünster, waren vom Projekt „Unternehmerische Kompetenzen“ an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Landshut o­ffenbar sehr angetan. Motiviert setzten sie ihre Geschäftsidee um: Was Schottland und Irland haben, braucht Niederbayern auch: einen eigenen Whisky.

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Tom Knieper, Autor dieser Seite (Foto: Tobias Köhler)
Die „Schnapsidee“, wie sie es selber nennen, war ihnen im Spätherbst 2013 bei einem Glas Whisky im Landshuter Irish Pub „The Unicorn Inn“ gekommen.  Sie gründeten im April 2014 ihr Unternehmen „Landshut Malts & Spirits“, suchten sich eine etablierte Whisky-Destillerie und hatten eine genaue Vorstellung von der Arbeitsteilung: Profis brennen, sie lagern, füllen ab und vertreiben.  

Gut drei Jahre reiften ihre zwei Whiskys in 225-Liter-Fässern aus amerikanischer Weißeiche, die zuvor mit Oloroso-Sherry befüllt waren. Pünktlich zur Landshuter Hochzeit kamen zwei Sondereditionen auf den Markt. Die nicht-rauchige Version benannten die Gründer nach der Landshuter Stiftsbasilika „St.  Martin“, die rauchige nach der Landshuter „Burg Trausnitz“.

Ob Schnapsidee und Einhorn ihnen Glück gebracht haben? Eichenholz hat den Vorteil, dass es keine Harzkanäle enthält. Daher werden nur gewünschte Aromen an den Whisky abgegeben. Gerade ausgekohlte Fässer aus amerikanischer Weißeiche sind dafür bekannt, dass sie Aromen von Vanille, Kokosnuss und Honigsüße abgeben.  Durch die vormalige Belegung von spanischem Oloroso-Sherry werden diese Noten durch Rosinen-, Trockenfrucht-  und Nussaromen abgerundet. Zudem sorgt diese spezielle Kombination für eine angenehme Würze. So jedenfalls die Theorie.

Aus Sicht der Jungunternehmer zeigt sich das auch in der Praxis. Sie beschreiben ihren „St. Martin“ so: „Vollmilchschokolade und Wildpflaumen-Kompott dominieren zu Beginn in der Nase. Hinzu kommen Aromen von Vanille, Lindenhonig, Pfirsich- und Aprikosenmarmelade sowie Haferkeksen. Mit der Zeit entwickeln sich auch einige  orale Noten.“ Derart loben sie ihren Trausnitz: „Dunkler Waldhonig mit einem Hauch Ka­ffee, Tabak und Malz. Etwas Kirschenmarmelade mit Zimt, dazu Aromen von Walnüssen, Rosinen und dunkler Schokolade, begleitet von schwelenden Kaminfeuerrauch, der im Abgang lange verweilt.“

Ob das übertriebener Marketingsprech ist oder die reine Wahrheit? Unsere Genießerrunde hat die ersten beiden Sondereditionen auf den Prüfstand gestellt.

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Single Malt Whisky St. Martin, 0,5Liter, 43 Prozent, ca. 54 Euro, Zwei Punkte
Testergebnis zum Single Malt Whisky St. Martin

Gewachstes Bonbonpapier
Stefanie Buchhold, Leiterin des Passauer Oberhausmuseums: "Er liegt dunkelgold im Glas. In der Nase zeigt sich eine Aromenvielfalt aus Kakao, Nougat, Marzipan, Malz, frischen Grasnoten und Hobelspänen.  Auf der Zunge präsentiert er sich vielschichtig:  Kamille, Kräutertee, Aprikose, Marzipan und Gerbsto­ffe. Ein wenig hat man das Gefühl von wachsigem Bonbon-Papier auf der Zunge. 2,0 Punkte 

Zu wenig ausgewogen
Stephan Öller, Inhaber des Passauer Lokals: "Die optische Wirkung im Glas wird bestimmt wird durch ein klares, helles Bernstein. Aromen von Kakao, etwas Toffee, dezenter Süße, Malz, Mandel und saftigem Weizen umschmeicheln meine Nase.  Nach und nach entfalten sich Noten von Kamille, grünem Tee und Gerbstoffen. Für mich schmeckt er zu wenig ausgewogen. 2,0 Punkte
 

Er braucht seine Zeit
Holm Putzke, Professor für Strafrecht an der Uni Passau: "Satt und klar. Eine Mischung aus Esskastanien, Schokolade und Nougat bestimmt den Geruch. Auf der Zunge präsentiert sich der Whisky zunächst alkoholstichig, mit der Zeit wird er gefälliger. Am Gaumen Anmutungen von Kakaobohne und leichter Süße. 2,0 Punkte 

Getreidefeld in der Nase
Hubert Scheungraber, Inhaber der Passauer Bar Journey: "Der Whisky präsentiert sich bernsteinfarben. Geruchlich überrascht seine deutliche Spritigkeit. Erst dahinter folgen Aromen von Honig, Kakao, Mandel, Marzipan und grünem Getreide. Geschmacklich zeigt sich eine gewisse Vielschichtigkeit, die aber eher unangenehm ist. Im Abgang vergleichsweise flach. 2,0 Punkte 

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Peated Single Malt Whisky Trausnitz, 0,5 Liter, 43 Prozent, ca. 54 Euro
Testergebnnis zum Peated single Malt Whisky Trausnitz

Am Ende Süße und Rauch
Stefanie Buchhold, Leiterin des Passauer Oberhausmuseums: "Am Ende Süße und Rauch Die Optik wird bestimmt durch seine Bernsteinnote. Er riecht intensiv, leicht rauchig und mutet nach Vanille und Mandeln an. Im Geschmack dominieren anfangs Bitternoten, gefolgt von Anmutungen nach Tabak und Nikotin. Gegen Ende überwiegt eine angenehme Süße. Die Rauchnote hält sich lange im Mundraum. 2,5 Punkte

Tabak für Geschmacksknospen
Stephan Öller, Inhaber des Passauer Lokals "Weingut": "Klares, schönes Bernstein. Eine dezente Rauchigkeit paart sich mit Vanille und etwas Tabak. Auch auf der Zunge präsentiert sich die sehr intensive, dominante Tabaknote. Insgesamt zeigt der Whisky viel Länge und eine dezente Torfigkeit. Vom Gesamteindruck her nicht perfekt ausgewogen, aber gut trinkbar. 3,0 Punkte
 

Geruch von getrocknetem Torf
Holm Putzke, Professor für Strafrecht an der Uni Passau: "Ein schönes, sattes Bernstein. Der Geruch erinnert mich an ein ausgetrocknetes Torffeld nach einem kurzen Regenschauer. Auch geschmacklich dominiert der Torf. Insgesamt zunächst matt und müde.  Erst später folgen süße Noten. Er lässt mich ein Stück weit ratlos zurück.  1,5 Punkte 

Wechsel von süß und bitter
Hubert Scheungraber, Inhaber der Passauer Bar "Journey": "Klassisches Bernstein für die Augen. Sanfte Rauchnoten, Vanille und Mandel für die Nase. Auf der Zunge zeigt er sich komplex. Hier rivalisieren Frucht-  und Bitternoten. Zudem bekämpfen sich Fass und Torf. Der Abgang ist sehr lang. Am Gaumen bleibt eine angenehme, sanfte Rauchnote. 2,5 Punkte
 

Unsere Tester vergeben maximal fünf Punkte. Ein Siegel für ein herausragendes Preis-Leistungsverhältnis wird bei Bedarf gesondert verliehen.

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