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Meinung | Samstag, 16. März 19

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Wohnungssuche: Hochschulabsolvent Princeton mit Puppenspieler Julian Ricker, Mona Fischer als Hausmeister Gary Coleman. (Foto: Peter Litvai).
Musicalpremiere "Avenue Q"

Standing Ovations für berührendes Puppentheater

Das Premierenpublikum war im Altersdurchschnitt jünger als sonst und die Plätze gefüllt bis hinauf zum letzten Balkon. So manche Abonnenten hatten ihre Karten wohl den Töchtern und Söhnen überlassen. Sie dürften es bereut haben. Denn es waren nicht wenige ältere Zuschauer im Publikum, die es zum Schluss von den Stühlen riss, um im Stehen zu applaudieren. 

Das Musical „Avenue Q“, ein modernes Puppentheater aus New York, das den Darstellern abverlangt synchron zum singenden Schauspiel eine Handpuppe zu führen, hat mit seinem schonungslosen und berührenden Stoff den Nerv getroffen. Sind wir nicht alle ein bisschen rassistisch? Schauen wir im Internet hauptsächlich Pornos? Sind wir nicht alle Suchende nach Anerkennung, wandernd auf einem schmalen Grat zwischen Liebe und verlorener Zeit?

Die mit dem "Tony Award" ausgezeichneten Autoren Robert Lopez, Jahrgang 1975, und Jeff Marx, Jahrgang 1970, haben sich für ihr Musical von Fernsehserien wie Sesamstraße, Muppet Show und Southpark inspirieren lassen. Das Handpuppenspiel haben sie in die Zeit ihrer Jugend versetzt. Telefone mit Kabel und Hörer klingeln. Leere Pizzaschachteln stapeln sich vor dem Fenster. Dahinter wird wild gevögelt oder darüber sinniert, welche Bestimmung das Leben hat. 

Die Darsteller auf der Bühne beweisen, dass sie ihre Bestimmung gefunden haben. Großartige Sängerinnen, allen voran Catherine Chikosi;  leidenschaftliche Schauspieler und Puppenstimmengeber wie Reinhard Peer. Der Zuschauer ist hin- und hergerissen: Wem soll er mehr folgen, dem lebendigen Puppenspieler oder seiner ausdrucksstarken Stofffigur? Er erkennt, dass beide im Charakter verschmelzen - und entscheidet sich für die drolligen muppetähnlichen Gestalten. Princeton, der Hochschulabsolvent in seiner Sturm-und-Drang-Phase, der beim Eintritt in den Ernst des Lebens scheitert; "Kate Monster", seine Nachbarin, die die auch endlich einen abkriegen möchte;  "Rod", der verklemmte Schwule  im Nachbarhaus, der sich seine vier Wände mit einem Typen teilt, Nicky, in den er sich verguckt hat, leider ein Hetero-Messy; der Pornosüchtige "Trekki Monster" im ersten Stock, der sich bei seinem Lieblingszeitvertreib ungern stören lässt; der ehemalige Kinderstar Gary Coleman, der sich als Hausmeister über Wasser hält; das Flittchen Lucy, das auf Männer mit großen Autos steht; Christmas Eve, die japanische die Master-Therapeutin, die Brian, einen peinlichen Komiker zum Ehemann gewählt hat. Ab und zu mischt sich ein Bärchenpärchen ein, sie sind die Stimmen der Unvernuft.  

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Das Musical-Ensemble: neun Darsteller, sieben Puppen. (Foto: Peter Litvai)
Sie alle begegnen sich als Nachbarn im Glasscherbenviertel von New York, der „Avenue Q“. Mit Puppen, das ist der Reiz dieses Spiels, lassen sich Grenzen überschreiten ohne dass es abgeschmackt oder peinlich wird. Mit Seitenhieben auf die Erklär-Bär-Mentalität der Fernseh-Pädagogik werden schwierige Themen angeschnitten: Immigration und Rassismus, Homosexualität, Arbeits- und Obdachlosigkeit. Die Geschichte beginnt damit, dass Hochschulabsolvent Priceton in New York eine bezahlbare Wohnung sucht. 

Ensemble, Regisseur und Dirigent genießen zum Schluss die „Stand Ovations“. Als Zugabe wiederholen sie den Song von der tröstlichen, versöhnlichen Botschaft der „Avenue Q“:  Es ist alles nur für den Moment, nutze ihn, wer Mitmenschen beschenkt, schenkt sich selbst ein Glücksgefühl.

"Avenue Q" feierte 2003 am New Yorker Broadway seine umjubelte Uraufführung und war dort sechs Jahre lang zu sehen.

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Princeton hat in New York eine Bude im Erdgeschoss gefunden. (Foto: Peter Litvai)
Mittlerweile hat das Stück die deutschen Bühnen erobert. Aufführungen in Passau heute und morgen, am 3. und 4. April.

Regie: Stefan Tilch; Musikalische Leitung: Basil H. E. Coleman; Ausstattung: Beata Kornatowska; Puppenbau: Birger Laube; Puppen-Coaching: Denis M. Rudisch; Choreografie: Susanne Prasch. 

Besetzung: Julian Ricker (Princeton / Rod / Ensemble); David Lindermeier (Brian / Ensemble); Reinhard Peer (Nicky / Trekkie Monster / Boy-Bär / Ensemble); Stefan Sieh (Neuankömmling / Ensemble); Mona Fischer (Gary Coleman / Ensemble); Sarah Est (Christmas Eve / Ensemble); Catherine Chikosi (Kate Monster / Lucy / Ensemble); Elena Otten (Girl-Bär / Frau Semmelmöse / Ensemble); Susanne Prasch (Ensemble).

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