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Meinung | Samstag, 21. Dezember 19

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Schlussapplaus (v.l.): Choi, Williams, Brown, Kim, Tilch, Noack, Fultz und Pannermayr. (Foto: mediendenk)
Nachtkritik

Weihnachtsmüder Mozart

Vielleicht lag`s am dunklen Regenwetter, an den vielen Weihnachtsfeiern oder an "Don Giovanni" selbst. Wer zehn Frauen am Tag vernascht, der fühlt sich manchmal reif fürs Sofa. Der Pauker im Orchestergraben war offenbar auch angeschlagen, er verkniff sich in den langen Pausen das Gähnen und zum Schlussapplaus tauchte er überhaupt nicht mehr auf.

Der Pauker machte ansonsten - wie das ganze Ensemble - alles richtig und war wichtig. Mozarts Oper über Männersexgier, Frauenrache und Leidenschaft lebt vom musikalischen Kontrast: Pauken und Trompeten, Mandolinen und Cembalo.  

Regisseur Ultz steckt die Mozart-Oper über den Schürzenjäger und Schwerenöter in ein modernes Kleid. Don Giovannis Diener Leporello (Peter Tilch) trägt schwarze Security-Jacke und Käppi; der sich unschuldig fühlende Casanova (Kyung Chun Kim), "Ich kann nichts dafür, es sind die Hormone", hält sich im schick gemusterten Trainingsanzug mit einer fünf Kilo Hantel fit oder in Laune mit Champagner; wenn nicht gerade in ein fremdes Bett steigt.

Der gehörnte Bräutigam (Daniel Pannermayr), hat ein T-Shirt mit der Aufschrift "Letzter Dog in Freiheit" übergestreift. Er zieht mit dem Gewehr los, um seinen Nebenbuhler Don Giovanni zu erlegen, der ihm die Hochzeitsnacht mit seiner Verlobten (Emily Fultz) streitig machen will.  Der mit einem Baseballschläger bewaffnete Vater (Heeyun Choi), der seine Tochter (Kathryn J. Brown) vor der Vergewaltigung gerettet hat, stirbt nach einem lautlosen Pistolenschuss.

Schöne Musik, schöne Stimmen, schöne Momente. Die Musiker müssen selbst schmunzeln, als Mozarts Notenwerk die Streicher wie Mandolinenspieler klimpern lässt; ansonsten schauen sie eher genervt und gelangweilt. Das können zwar die wenigsten im Publikum sehen, aber es passt irgendwie zu diesem Abend, an dem der Funke nicht richtig überspringt.

Die Zuhörer, die nicht in den vordersten Reihen sitzen, bemängeln dass der für das Bühnenbild gebaute Kasten, ein weißes Zimmer, das sich in Schlafgemach oder Partyraum verwandelt, die Stimmen der Singenden stellenweise verschluckt habe. Manche meinten, der Dirigent habe das Orchester zu schnell angetrieben, deshalb hinkten die Solisten hinterher. Es könnte auch am Kommunikationsmangel durch den Kasten gelegen haben, meint der Profi-Kritiker der Heimatzeitung. Mal sehen, was der schreibt.

hud

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08. April 2020
 
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