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Meinung | Montag, 13. November 17

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Antigone (Ella Schulz) lässt sich von ihrer furchterfüllten Schwester Ismene (Mona Fischer, sitzend) nicht beirren: Sie will sich einem Befehl des Königs widersetzen. (Foto: Peter Litvai)
Tatort Theben

Wenn Machtgier den Zorn der Götter beschwört

Passau - „Mir sind da viele Parallelen eingefallen“, sagt ein Stadtpolitiker, als er nach dieser ergreifenden antiken Tragödie über Macht und Untergang den Weg zum Theaterausgang nimmt. Welche Figuren ihm wohl in den Sinn gekommen sind?

Trump, der sich zwar nicht wie König Kreon über die Götter, aber über die irdischen Richter stellen möchte? Die Seehofers oder Erdogans, die glauben, Macht bis ans Ende ihrer Tage gepachtet zu haben? Oder dachte er viel kleiner, an die Ränkespiele in seiner Fraktion oder im Rathaus? In Sophokles Dichtung greifen in der griechischen Stadt Theben wirksame Lösungen: Grausame Götter bestrafen menschliche Unvernunft.

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Ein kecker Wächter (David Moorbach) überbringt König Kreos (Joachim Vollrath) eine schlechte Botschaft (Foto: Peter Litvai)
Der Machtbesessene muss zerstört werden, damit er sich besinnt. Das ist die Botschaft der Schlussszene in der Tragödie „Antigone“, welche vor rund 2.500 Jahren der griechische Dichter Sophokles schrieb. Eine Todesserie wie im Sonntagstatort. Als die Scheinwerfer verlöschen, hat König Kreos (Joachim Vollrath) mit gramverzerrtem Gesicht sein Haupt auf die Brust des toten Sohnes Haimon gelegt; neben diesem ruht auf einer weiteren Totenbahre Eurydike, Kreos Frau. Das dritte Opfer ist Antigone, Haimons Braut und Heldin des Stücks, die sich in ihrem Gefängnis erhängt hat.

Madonnenhafte, verschleierte Frauengestalten, Bürger mit Pluderhosen und Palästinenserschal. Weiße Säcke stapeln sich meterhoch, schwarze Seile spannen sich an den Flanken der Bühne und betonen räumliche Tiefe. Der Königspalast ist ein Käfig, dessen Bewohner eine schwere Last tragen: Todesangst vor dem Tyrannen. Es endet mit der Selbstmordserie, ausgelöst vom Zorn der Götter.

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Verzweifelt über den Starrsinn des Königs: Bürger mimen Alexander Nadler (mit Gebetskette), David Moorbach (Turban) und Olaf Schürmann (mit Wanderstab). (Foto: Peter Litvai)
Joachim Vollrath schlüpft in die Rolle des Herrschers mal im Nadelstreifenanzug, mal in Militäruniform, schwingt ein goldenes Zepter, hält seine Staatsrede am Mikrofon vor laufender Kamera, duldet keinen Widerspruch. Sohn Haimon legt sich mit ihm an - und zerbricht. Ausdrucksstark gespielt vom Jüngstem im Ensemble, dem 25-jährigen Julian Niedermeier. Einzig Teiresias, ein blinder Seher (Ursula Erb), liest König Kreos aus dem Rollstuhl heraus die Leviten. Das Alter spricht mutig die Weisheit der Vernunft, weil es nichts mehr zu verlieren hat. Der junge Niedermeier und die Grande Dame des Landestheaters, Ursula Erb, ernten bei der Premiere für ihre leidenschaftlichen Auftritte die größte Gunst des Publikums.

In einer Doppelrolle wirkt mit die 29-jährige hessische Schauspielerin Mona Fischer. Furchterfüllt als Ismene, die ihrer Schwester Antigone attestiert: "Du bist verrückt, aber voller Liebe." Aufrecht als Königsgemahlin, die sich stumm ihrem Schicksal ergibt.

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Den blinden Seher Teiresias spielt Ursula Erb, ihren Rollstuhl schiebt als Betreuer Ella Schulz. (Foto: Peter Litvai)
Schauspielerin Ella Schulz verkörpert die Heldin Antigone, die wider dem Befehl des Königs ihrem gefallenen Bruder ein ordentliches Begräbnis geschenkt hat. Dieser gilt als Staatsfeind, weil er einen Krieg gegen seine Heimatstadt anzettelte. Seine Leiche sollte vor den Toren Thebens verfaulen. Der König befiehlt, die Gesetzesbrecherin Antigone lebendig einmauern zu lassen, ungerührt davon, dass sie die Braut seines Sohnes Haimon ist. Seiner Grausamkeit folgt die grausame Rache der Götter.

Ein Pflichtstoff, den manche aus dem Latein-Unterricht kennen, großartig inszeniert und verpackt. Es gibt noch Karten für fünf Vorstellungen von Dezember bis Mai 2018.
 

Regie
Oliver Heinz Karbus
Bühnenbild
Dipl.-Ing. Markus Falkensteiner
Kostümbild
Iris Jedamski
Musik
Peter Wesenauer

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08:53
Sonntag
25. Februar 2018
 
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KULTURKALENDER
25.02. | Sonntag
OPERNHAUS
Der Graf von Luxemburg
 

Operette von Franz Lehár (1870-1948) um eine folgenreiche Scheinehe.


16:00 Uhr | ab 8 Euro
ZEUGHAUS
Kindertheater
 

Eine Geschichte über die Bewohner eines Klaviers und ihre Mühen, den Winter zu überstehen.
Die Theatergruppe "Die Exen" integriert Licht- und Schatteneffekte in ihr Spiel.


17:00 Uhr
RATHAUSSAAL
Mozart Klavierkonzert
 

Das Kammerorchester des Passauer Konzertvereins und der Pianist Peter Walchshäusl spielen zwei Klavierkonzerte sowie die Ouvertüre des "Don Giovanni".


17:00 Uhr | 18 Euro
ST. PAUL
Be not afraid
 

Geistliches A-cappella-Konzert des Heinrich-Schütz-Ensembles Vornbach.


17:00 Uhr
CAFÉ MUSEUM
Dagadana
 
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Die Mitglieder dieser Band haben in Krakau zusammengefunden, sie kommen aus Polen und der Ukraine. Elemente der Kultur ihrer Heimatländer verbinden sie mit Elektronik und Jazz.


20:00 Uhr | 20 Euro, ermäßigt 10 Euro

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