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Meinung | Sonntag, 18. Februar 18

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Szene mit Jochen Decker (Estragon) und Olaf Schürmann (Wladimir). (Foto: Peter Litvai)
Premiere "Warten auf Godot"

Sinatra-Song als Trost

Die Regie nötigt den beiden Hauptdarstellern eine anspruchsvolle A-Capella-Gesangseinlage ab: „My Way“ von Frank Sinatra. „Das Ende ist nah, der letzte Vorhang fällt“ - der Text passt gut zum Theaterklassiker „Warten auf Godot“. Wie sich die Zeit vertreiben, wenn man nicht weiß, wann sie endet, geschweige denn, was uns an deren Ende erwartet, erwartet uns überhaupt etwas? Singen kann ein süßer Trost sein.

Das Bühnenstück, das angeblich keine Handlung hat, überschlägt sich in der Inszenierung des Landestheaters mit Handlungen. Die Schauspieler werfen sich auf den Boden, gehen bildlich die Wände hoch oder laufen im Kreis. Sie verschlucken sich an Karotten, pudern sich ihr Gesicht und legen für den letzten Auftritt Glamour auf. Sie prügeln und sie necken sich, sie schweigen und schreien sich an, sie gehen sich auf die Nerven oder suchen die Nähe des anderen.

Studioproduktionen ziehen ihr eigenes Publikum an. Hier sitzen keine Zuschauer mit Premierenabo, die sich - unabhängig von ihrem Geschmack - von der nächsten Premiere überraschen lassen. Hier sitzen die Fans von „Warten auf Godot“. So endet das Stück nach 100 Minuten – ohne Pause – mit einer Erlösung für die Schauspieler und für die Betrachter vor der Bühne. Langanhaltender Applaus und trampelnde Füßen belohnen eine tolle Leistung.

Wegen der großen Nachfrage Wiederholung am 16. März.

*****

Vor genau 65 Jahren hat ein Theaterstück seine Uraufführung erlebt, das den Menschen in einer Handlung zeigt, die ihn zum Stillstand verdonnert: dem Warten. Wir erfahren es mit Ungeduld an der Supermarktkasse, mit Gereiztheit im Stau und mit Vorfreude, zumindest als Kind, an Weihnachten. Pessimistisch gesehen ist das irdische Dasein ein Warten auf das sichere Ende, den Tod.

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Der irische Schriftsteller Samuel Beckett (1906-1989): "Warten auf Godot" brachte ihm den Literaturnobelpreis ein.
Dem Dichter Samuel Beckett (1906-1989) ist mit „Warten auf Godot“ ein revolutionäres Stück gelungen, für das er 1969 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet worden ist. Im Januar 1953 wurde es in Paris als Theaterstück uraufgeführt. Zwei Männer warten im Nirgendwo auf Godot, von dem sie nicht wissen, wer er ist und wann er kommt. Sie durchleben alle Gefühlszustände, von der Langeweile bis zur Verzweiflung, denn das Warten abbrechen können sie nicht. Godot ist ihre Rettung.

Das Schauspielensemble des niederbayerischen Landestheaters bringt Becketts Bestseller als erste Studio-Premiere des Jahres auf die Bühne des Passauer Opernhäuschens: Wegen der großen Nachfrage gibt es nach der ausverkauften Premiere am Samstag, 17. Februar, eine weitere Vorstellung am Freitag, 16. März, 19.30 Uhr.

Ist mit Godot Gott gemeint? Nein, soll Samuel Beckett auf diese Frage einmal geantwortet haben. Dann hätte er das Stück ja „Warten auf Gott“ genannt. Klar.

Das Stück fordert Regisseure heraus, Überraschungen einzubauen, den Zeitgeist einfließen zu lassen. Doch eine Überraschung wird ewig ausbleiben: diejenige, das am Ende des Stücks der fünfte Protagonist die Bühne betritt, der Weißbärtige, Godot.

Warten auf Godot
Schauspiel von Samuel Beckett

Regie & Bühne Uwe Bautz | Kostüme Hildegard Altmeyer

Wladimir Olaf Schürmann| Estragon Jochen Decker |

Pozzo Klemens Neuwirth | Lucky Stefan Sieh

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