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Meinung | Donnerstag, 17. Mai 18

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Der Maestro soll auf seine Gage verzichtet haben, um den "Europäischen Wochen" unter die Arme zu greifen: Enoch zu Guttenberg dirigiert die Bamberger Symphoniker am 7. Juli in Niederalteich. (Foto_ EW)
Europäische Wochen

Wie geht es weiter ohne Intendanten?

Das um ein Dutzend Veranstaltungen abgespeckte Programm der Sommerfestspiele „Europäische Wochen“, die erstmals ohne Führung eines Intendanten stattfinden, werden nach Pfingsten als neues Faltblatt veröffentlicht.

Der Vorstand des Trägervereins, der sich wegen eines Kostenstreits vom Opernsänger und Kulturmanager Thomas Eduard Bauer getrennt hatte, steht jetzt mit der Abwicklung allein in der Verantwortung.

Kommunale und private Sponsorengelder sind oft mit bestimmten Veranstaltungen verknüpft. In Burghausen ist nach der Absage von „Jedermann“ eine Programmlücke entstanden, für welche der dortige Bürgermeister Ersatz einfordert. Seine Jazzstadt gehört zu den großzügigen Gönnern der Kulturszene.

Der Passauer Oberbürgermeister hingegen, dessen Kommune sich im Vergleich zu anderen Festspielen (siehe aktueller Bürgerblick) eher bescheiden beteiligt, soll laut dem Bericht eines Sonntagsblattes seine Fördergelder "gesperrt" haben. Erst müsse die geplante Abwicklung der Veranstaltungen in Passau garantiert werden. Diese Sperre dürfte vom Tisch sein, nachdem mit heutiger Zusage von den im Veranstaltungskalender aufgeführten 19 Passau-Terminen 17 stattfinden. Eine Neubesetzung gibt es für das Schlusskonzert in der Altstadtkirche St. Michael: statt der „Regensburger Domspatzen“ tritt Trompeter Gábor Boldoczki mit der Prager Philharmonie auf.

Die Finanzkrise und die Absetzung des Intendanten hat den Trägerverin, dem viele namhafte Vertretern der Gesellschaft angehören, gespalten. Bauers Anhänger wünschten sich eine große Reform, andere stehen hinter dem Vorgehen des Vorstands, der in der Haftung steht. Jedoch merken viele an, dass die Schuld wohl auf beiden Seiten zu suchen sei: hier die mangelnde Kontrolle, dort der künstlerische Überschwang. Der Ruf nach einem Personalwechsel an der Spitze des Vereins wird laut, der Rücktritt des Vorstandes als Zeichen der Erneuerung erwartet. Die Neuwahlen stehen ihm Herbst an.

Warum hat die Stadt keinen Rettungsschirm über ihr ältestes und wichtigstes Klassikfestival aufgespannt? Mit außerplanmäßigen Mitteln für fragwürdige Überwachungskameras ist sie zum Beispiel schnell zu Hand. Im Hintergrund schwingen in dieser Krise wahrscheinlich persönliche und politische Befindlichkeiten mit. Die Vereinsvorsitzende, die für die CSU im Stadtrat sitzt, hat ehemals gegen den SPD-Obermeister kandidiert, der Festspielschatzmeister war fünf Jahre lang Prokurist einer städtischen Gesellschaft, die zum Sorgenkind wurde und abgewickelt worden ist.

Die Vereinsvorsitzende und der abgesetzte Intendant, beide haben zuletzt dem Image der Festspiele Schaden zugefügt. Er sprach öffentlich von einem verstaubten Laden, sie vom insolventen Trägerverein. Dies motiviert keine Sponsoren und verschreckt EW-Freunde. Wer kümmert sich jetzt darum, die Geldbeutel der Gönner zu öffnen? Langjährige EW-Mitglieder, darunter branchenkundige Köpfe, haben ihre Hilfe angeboten und äußern sich resigniert. Die Vereinsspitze, so hieß es, habe angeblich alles im Griff.

Viele organisatorische Fragen sind ungelöst. Es muss nach mehren Kündigungen Personal nachbesetzt werden. Wer ersetzt den Intendanten für die repräsentativen Auftritte? Wer hält die Festrede, wer die Begrüßungen vor den verschiedenen Konzerten? Die „Europäischen Wochen“ seien keine „Passauer Festspiele“, sie spielten sich in der Fläche ab, bedienten die gesamte Region, hat der Passauer Oberbürgermeister verlauten lassen. Dieses Magazin hatte angefragt, ob er sich als Nothelfer verpflichtet sieht. "Warum hat er sich nicht bei der Krisenversammlung gezeigt?", fragten Passauer Mitglieder.

Vielleicht wäre es eine kluge Geste, den Passauer Oberbürgermeister heuer als Festredner der „Europäischen Wochen“ anzufragen. Die Eröffnungsgäste kämen in den Genuss seiner feinen Rhetorik und er fühlte sich in die Festspiele integriert, deren Wiege unzweifelhaft in Passau steht. Hier schlägt das Herz der EW.

***

Hinweis in eigener Sache: Bürgerblick hat für ein Gewinnspiel "Kirchen suchen, Konzerte gewinnen" Karten auf den besten Plätzen für die Höhepunkte des Festivals erworben. In der ersten Spielrunde, die bereits Ende April ausgelost worden ist, ändert sich ein Veranstaltungsort: Aldersbach statt Passau für "Mozart: Sinfonien und Serenaden". In der laufenden Spielrunde des Maiheftes wird die "Zauberflöte" in Aldersbach durch das Ortenburger Schlosskonzert (Kammerorchester Bad Brückenau und Daniel Müller-Schott) ersetzt.

 hud

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20. Oktober 2018
 
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