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Nachrichten | Mittwoch, 25. Juli 18

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Spezialkräfte der Werksfeuerwehr Gendorf in Schutzanzügen arbeiten mit Passauer Feuerwehrleuten zusammen. Es gelang nach mehreren Stunden, das defekte Ventil am Kesseldruckwagen zu schließen. (Foto: Tobias Köhler)
Sechseinhalb Stunden Ausnahmezustand

Gasalarm: Zugverkehr ruht, B8 gesperrt

Ein explosives, giftiges Gas ist aus einem Kesselwagen am westlichen Güterbahnhof ausgetreten. Seit 5.30 Uhr war der Verkehr großräumig gesperrt. Um 12 Uhr die Entwarnung: Das Ventil ist geschlossen!

Der Zugverkehr stand still und die Bundesstraße 8 war gesperrt. Der morgendliche Berufsverkehr war zusammengebrochen. Das Gelände am Winterhafen Racklau und der dortige Wohnmobilparkplatz sind evakuiert worden. Mit den steigenden Temperaturen und in der prallen Sonne auf dem Bahngelände hatten sich die Strapazen für die Einsätzkräfte erhöht, die schweren Atemschutz und Chemieschutzanzüge tragen mussten. Zudem stieg in der Hitze die Explosionsgefahr. 

Passauer Feuerwehren waren mit 60 Kräften im Einsatz. Das Leck abzudichten, gelang zunächst nicht. Es handelt sich um ein defektes Schiebeventil in einem armdicken Rohr.

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Feuerwehrleute von Schalding rechts der Donau halten sich mit ihrem Löschwagen für den Ernstfall mit der Hochdruckwasserlanze bereit. (Foto: Tobias Köhler)
Für Berufspendler und Reisende hat die Bahn am Hauptbahnhof Ersatzverkehr mit Bussen und Taxis organisiert. Züge Richtung Westen fuhren erst ab Vilshofen.

Ein Bahnmitarbeiter hatte beim Kontrollgang am Morgen den Gasgeruch festgestellt.  

Das Leck sei minimal, aber der Austritt lasse sich nicht stoppen, erklärte am frühen Morgen ein Einsatzleiter der Feuerwehr. Spezialisten aus dem Chemiedreieck Burghausen wurden alarmiert. Sie arbeiteten mehrere Stunden daran, das Ventil zu reparieren. Sie wechselten sich mehrfach ab, arbeiten mit den Passauer Feuerwehrleuten zusammen.  Die letzte Möglichkeit wäre aufwändig gewesen: Die Ladung in einen Ersatzkesselwagen umpumpen.

Die Feuerwehrleute, die nicht unmittelbar mit der Reparatur beschäftigt waren, hielten sich hinter einem natürlichen Erdwall auf, damit sie im Fall einer Explosion geschützt wären. Die Kesselwagen gehören zum Unternehmen "GATX Rail", das in Europa eine Flotte von  mehr als 23.000 Kessel- und Güterwagen hält. Der Zug kam aus Österreich.

Explosives, giftiges Gas

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Die Übersichtskarte: Einsatzort, Sperrungen, Hafen, Campingplatz.
Es handelt sich laut Stoffnummer "1077" am Kesselwagenschild um Propen. Das verflüssigte Gas bildet mit Luft explosive Gemische. Es entwickelt giftige und reizende Dämpfe, die Gefahr steigt bei Erwärmung. Die steigende Lufttemperatur am heutigen Morgen, es wird der heißeste Tag des Jahres erwartet, verschärft möglicherweise die Lage.

Die Feuerwehr war in der Umgebung mit Gasmesstrupps unterwegs, welche die Ausbreitung kontrollieren. "Das Gas kann unsichtbar sein, in Kanalisation und Kellerräume eindringen", heißt es in den Gefahrenhinweisen. Es führe ohne Wahrnehmung zum Ersticken. Aus Sicherheitsgründen ist ein Gebiet im Radius von 300 Metern abgeriegelt worden. Die Stromleitungen der Bahnstrecke sind abgeschaltet worden.

Campingplatz evakuiert
Im Norden des Gefahrengebietes liegt die Donau mit Winterhafen und einem Parkgelände für Wohnmobile. Da das Gas schwerer wiegt als Luft, waren besonders diese tiefer liegenden Gebiete gefährdet. Die Touristen auf dem Caravanplatz wurden aufgefordert, das Gelände zu räumen. Laut dem Einsatzleiter der Bundespolizei betraf die Evakuierung 20 Fahrzeuge.

Kreuzfahrtschiff muss Hafen verlassen
Gesperrt ist auch der Winterhafen, der vom Betreiber "Bayernhafen" als Kreuzfahrtanlegestelle benutzt wird. Ein ukrainisches Fahrtgastschiff mit 150 Passagieren an Bord musste den Hafen verlassen. Der Schiffsverkehr auf der Donau sei nicht betroffen gewesen, erklärt ein Sprecher der Bundespolizei.

Spezialfeuerwehr aus dem Chemiedreieck Burghausen
Wie finden die Einsatzkräfte bei einem solchen Unfall die richtigen Experten? Die Chemieunternehmen in Deutschland und Österreich unterhalten ein gemeinsames Informations- und Hilfleistungssystem. Dessen Datenbank wirft bei Eingabe der Postleitzahl des Unglücksorts und Nummer des Gefahrenstoffes die nächstgelegenen zuständigen Spezialisten und Werksfeuerwehren aus. Für Passau war dies heute die Werksfeuerwehr Gendorf im Burghauser Chemiedreieck. Für die Anfahrt, etwa 90 Kilometer, benötigen die Experten etwa eineinhalb Stunden.

Verkehr bricht zusammen

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Polizeibeamte haben die Regensburger Straße, die Bundesstraße 8 Richtung Vilshofen, abgeriegelt.
Von Osten kommend war die Bundesstraße 8 ab der Schanzlbrücke gesperrt, von Westen kommend ab der Kreuzung an der Unterführung Stelzhamer Straße. Der Verkehr aus und in Richtung Vilshofen musste auf die nördliche Donauseite ausweichen. "Der Verkehr ist stadteinwärts überall zum Erliegen gekommen", hatte unser Fotograf gemeldet, der aufs Fahrrad umgestiegen ist.

In den letzten Wochen war es wegen lecker Kesselwagen mit Gefahrenstoffen immer wieder zu Feuerwehreinsätzen gekommen. Passau ist der Grenzbahnhof für alle Bahnfracht aus Osteuropa.

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