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Nachrichten | Dienstag, 10. Juli 18

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Toxikologin Jessica Welter-Lüdeke, 35, von der Münchner Gerichtsmedizin belegte als Gutachterin, dass die Angaben des Ehemanns, sich selbst vergiftet zu haben, nicht plausibel sind. Im Hintergrund der psychiatrische Gutachter, der am Freitag aussagt.
Versuchter Ehegattenmord

Jetzt bleibt auch das Opfer in U-Haft

Im Passauer Giftprozess um einen versuchten Ehegattenmord sitzen seit heute 16 Uhr beide Ehepartner im Untersuchungsgefängnis. Der Ermittlungsrichter hat Haftbefehl gegen Ehemann Ludwig W. (68) wegen Verdunklungsgefahr erlassen. Der Vorwurf: uneidliche Falschaussage.

Der pensionierte Lehrer, der offenbar seine Ehefrau Elisabeth W. (50, Laienpredigerin) in Schutz zu nehmen versucht, hatte im Zeugenstand seine erste Aussage widerrufen und das „Geständnis“ abgelegt: „Ich habe die Tabletten selbst eingenommen.“ Wegen uneidlicher Falschaussage ließ ihn danach der Staatsanwalt im Gerichtssaal vorläufig festnehmen. „Wer vor einem Schwurgericht lügt, dem droht eine Mindeststrafe von drei Monaten“, erklärt ein Sprecher.

Ein Justizbeamter sagte heute als Zeuge aus, was er am Landgerichtsportal gesehen und gehört hatte. Der Ehemann habe seine Stieftochter zu sich gerufen, ihr Autoschlüssel und Parkkarte übergeben. „Ich werde heute wahrscheinlich nicht mehr nach Hause kommen.“ Dies geschah wenige Minuten bevor er im Zeugenstand seine verhängnisvolle Aussage wiederholte. Er war sich offenbar bewusst, was ihn erwartet.

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Ehemann Ludwig W., 68, das mutmaßliche Opfer, musste den Weg in U-Haft antreten. (Foto: Bürgernblick)
Was für eine dramatische Entwicklung für alle Beteiligten: Die des versuchten Giftmordes Angeklagte sitzt seit zehn Monaten im Regensburger Frauengefängnis. Das Opfer, ihr Ehemann, verbrachte die Nacht in einer Polizeizelle und wurde gestern ins Passauer Stadtgefängnis überstellt.

Gestern Abend hat eine Toxikologin von der Münchner Gerichtsmedizin, die bei der Aussage des Ehemanns zugegen war, am Rechner simuliert, ob die vorgegebene Selbstvergiftung überhaupt möglich gewesen sein kann. Ludwig W. hatte behauptet, dass er im Keller ein halbvolles Gläschen des blutverdünnenden Medikamentes gefunden habe, in einer Schachtel aus dem Erbe seines verstorbenen Vaters. Etwa 60 Tabletten, die er in einem Zeitraum von vier bis sechs Wochen eingenommen habe.

Die Gutachterin präsentierte heute das Ergebnis: Er hätte mindestens 73, eher wahrscheinlich mehr als 120 Tabletten des Blutverdünners gebraucht, um den Vergiftungswert zu erreichen, der bei ihm nach der Einlieferung ins Krankenhaus festgestellt worden war. Seine Blutgerinnung war doppelt so niedrig als der maximal therapeutisch zumutbare. Eine harmlose Stoßverletzung hätte für ihn tödlich ausgehen können.

„Wenn der Ehemann lügt, dann bedeutet das keineswegs, dass meine Mandantin die Täterin ist“, sagt Verteidiger Sebastian Kahlert.

Am Freitag, den 13., geht der skurrile Mordversuchsprozess weiter.

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