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Nachrichten | Donnerstag, 22. August 19

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Im Neuburger Wald bei Passau sollen 18 Hektar Waldfläche einem wachsenden Speditionsbetrieb weichen. (Foto: mediendenk)
Klimaschutz

Neuburger Wald: Protestmarsch gegen geplante Rodung

Nach dem Hambacher Forst ist der Neuburger Wald in Gefahr. Morgen startet die junge Generation in Passau einen ersten Protestmarsch. Die Behörden hatten die Genehmigungen für die Demo bis heute Nachmittag hinausgezögert.

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Das Speditionsunternehmen hat sich wie ein Beil in den Neuburger Wald geschlagen. (Quelle: Google Maps)
Neue Wohnhäuser, neue Gewerbeflächen. Im Passauer Stadtgebiet schreitet seit Jahren die Naturzerstörung voran. Die große Grüne Lunge vor den Toren der Stadt, der Neuburger Wald, wird immer wichtiger. Erstmals nach fünfzehn Jahren droht sie wieder drastisch beschnitten zu werden. Gegen die geplante Rodung für ein Gewerbegebiet wollen morgen Nachmittag Naturschützer auf die Straße gehen; die Initiative zum Protest geht von der jungen Generation aus, die sich in der „Fridays-for-Future“-Bewegung dem konsequenten Klimaschutz verschrieben hat.

Morgen Protestmarsch ab 16 Uhr

Treffpunkt: Freitag, 23. August, 16 Uhr, Kleiner Exerzierplatz ("Klostergarten"), Marsch über Innpromenade in den Neuburger Wald; 17 Uhr Abschlusskundgebung am "Motorikspielplatz" in Ingling. Gastredner: Forstamtsleiter a.D. Elmar Thumbach.

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Das Speditionsunternehmen liegt mitten im Neuburger Wald: Diesellaster parken in Reihe am Rande der Natur. (Foto: mediendenk)
Es geht um eine Fläche von 180.000 Quadratmeter; wer Hamburg kennt, dies entspricht genau der Größe der Wasserfläche der Binnenalster; oder zwölfmal die Grundfläche des ECE-Einkaufszentrums der Neuen Mitte („Stadtgalerie“).

Ein alteingesessener Speditionsunternehmer will im Gemeindegebiet von Neuburg am Inn weiter expandieren, seine versiegelten Flächen um mehr als ein Viertel vergrößern: Kühl- und Lagerhallen, Parkplätze für seine Sattelzüge. 670.000 Quadratmeter umfasst derzeit sein Betrieb, der aus der Luft betrachtet wie ein großes Beil in den südwestlichen Neuburger Wald geschlagen ist.

Der Unternehmer hat die Lokalpolitiker von Neuburg am Inn auf seine Seite gezogen: Gewerbesteuer; 200 bis 400 neue Arbeitsplätze; das Versprechen, dass als Gegenleistung seine Brummis nicht mehr mitten durch die Ortschaft Neuburg am Inn, sondern über die Autobahnausfahrt Passau-Süd an- und abfahren.

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Im Neuburger Wald bei Passau sollen 18 Hektar Waldfläche einem wachsenden Speditionsbetrieb weichen. (Foto: mediendenk)
Der Planungsentwurf für die Erweiterung des Speditionsbetriebs ist vom Gemeinderat beschlossen worden. Bis Mitte Oktober liegen die Unterlagen im Rathaus aus. In der Lokalzeitung sei nicht thematisiert worden, dass selbst viele Neuburger Bürger das Projekt ablehnen. „Wir hoffen, dass viele von ihnen morgen zur Demo kommen“, sagt der 21-jährige Versammlungsleiter Matthias Weigl.

Was die lokalen Vertreter von Politik und Wirtschaft vielleicht unterschätzen: Die menschengemachte Erderwärmung hat dem Waldschutz immenses Gewicht verliehen. Agrarministerin Julia Klöckner hat wegen der Brisanz am 25. September  zum „Waldgipfel“ der Forst- und Umweltexperten gerufen. „Jeder Baum zählt!“ rufen Klimaschützer vom Spree- bis zum Odenwald.

„Sollten die Rodungen nicht aufzuhalten sein, werden wir uns schützend vor den Wald stellen“, kündigt Weigl an. Der Nachwuchspolitiker der Grünen betont, dass die Demo keine parteipolitische Initiative sei. Er unterstützte die Schüler-Organisatorin Julia Raab und deren Mitstreiterinnen bei den umfangreichen Genehmigungen. 

Bei mehreren Kommunen, Stadt Passau, Landkreis Passau, Neuburg am Inn und der Regierung von Niederbayern, hatten die Veranstalter des Protestmarsches eine Erlaubnis einholen müssen. Landshut ließ sich Zeit bis heute Nachmittag. Zur morgigen Auftaktveranstaltung, Schul- und Semesterferien und Kurzfristigkeit, geht man davon aus, dass die Teilnehmerzahl überschaubar sein wird.

Bekanntlich sind die jungen Menschen im Netz gut organisiert. Es ist denkbar, dass der Neuburger Wald in diesem Herbst zum „Hambacher Forst von Niederbayern“ wird. Dort die klimaschädliche Braunkohle, hier die klimaschädlichen Diesellaster und Kühlhäuser der Lebensmittelindustrie.

Der Neuburger Wald ist sogenannter Bannwald: "185.000 Hektar rechtskräftig erklärter Bannwald bieten vor allem in Ballungsräumen unschätzbare Vorteile für Klima, Erholung und Ökologie", erklärt im Netz das bayerische Forstministerium.

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