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Nachrichten | Dienstag, 07. April 20

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Der ärztliche Direktor des Klinikums Passau: Dr. Hans Emmert. Er koordiniert die Kliniken im Stadtgebiet. (Foto: mediendenk)
Seuchenlage im Passauer Land

1.200 Kontaktpersonen bisher getestet

Die Lage in der Stadt: In vier städtischen Altenheimen summiert sich die Zahl der Infizierten auf 23 Bewohner und 15 Mitarbeiter. Darunter am schwersten betroffen ist das „Rosenium“ in Grubweg mit 13 Bewohnern und 5 Mitarbeitern. Im Stadtgebiet hat sich die Zahl der Corona – infizierten um 4 auf 94 erhöht. 

Im Klinikum Passau sind 25 Covid-19-Patienten in stationärer Behandlung; 9 davon werden künstlich beatmet. 

Die Lage im Landkreis: Die Zahl der Corona-Fälle ist um 14 auf 288 gestiegen.

Was ist wichtiger: Kapital oder Menschenleben?
Ein Steuerberater hat mit einem empörten Schreiben sein Bürgerblick-Abo gekündigt und eine teilweise Rückerstattung gefordert. Er ärgert sich darüber, dass der Autor im Editorial des aktuellen Heftes seine 87-jährige Mutter wichtiger nehme als die Wirtschaft; ohne gesunde Wirtschaft gäbe es das Gesundheitssystem nicht, das seine Mutter so alt hat werden lassen, führt er unter anderem an. 

So blicken wir zunächst auf die Wirtschaft, ob jemand durchs Raster fällt:

Corona-Rettungsschirm: 6.000 Euro je Einwohner
Der Staat hat sich dem Grundgesetzes gemäß entschieden, dass in dieser Seuche Menschenleben und Menschenwürde über allem steht, kein Mensch dieser schlimmstenfalls tödlichen Lungenkrankheit  ohne medizinische Hilfe ausgeliefert werden darf. Der Wirtschaft wird mit Geld geholfen. Kreditgarantien und Finanzspritzen summieren sich geschätzt auf eine halbe Billion Euro; das entspricht ungerechnet 6.000 Euro pro Kopf, vom Baby bis zum Greis.

Steuerfreier Bonus für Mitarbeiter
Arbeitgeber können Beschäftigte, die sich in der Krise besonders auszeichnen oder engagieren, mit einem steuer- und sozialabgabefreien Bonus bis zu 1.500 Euro belohnen (gilt bis Ende des Jahres).

Soforthilfe selbst für Vermögende
Der Staat gewährt Unternehmen eine nach Betriebsgröße gestaffelte Soforthilfe, bis zu 9.000 Euro für Solo-Selbstständige, wenn sie in einen „Liquiditätsengpass“ geraten. Die ursprüngliche Textfassung, dass dieser Antrag nicht statthaft ist, wenn noch private oder betriebliche Mittel zur Verfügung stehen, wurde nachgebessert. Die Anträge sind nach Einschätzung der Steuerberater auch möglich, wenn die betrieblichen Einnahmen die betrieblichen Ausgaben in den drei folgenden Monaten voraussichtlich nicht decken.

Unternehmerkredite bis zu drei Monatsumsätzen
Schnellkredite der KfW-Bank bis zu maximal 800.000 Euro sind für Unternehmen  möglich

  • die im Durchschnitt der letzten drei Jahre Gewinne ausgewiesen haben
  • seit mindestens 1. Januar 2019 am Markt aktiv sind
  • In einer Höhe von maximal drei Monatsumsätzen des Jahres 2019
  • mindesten zehn Mitarbeiter beschäftigen

Der Kredit kann bei einem Zinssatz von 3 Prozent eine Laufzeit bis zu zehn Jahre haben. Der Staat haftet bei großen Betrieben bis zu 100, bei kleinen bis zu 90 Prozent der Kreditsumme.

Steuerfreier Zuverdienst für Kurzarbeiter
Wie auf Kurzarbeit gesetzt ist, kann sich steuerfrei in sogenannten systemrelevanten Branchen und Berufen etwas dazuverdienen, finanzielle Einbußen auszugleichen. Zu solchen Branchen gehören Landwirtschaft und Lebensmittelversorger, aber auch die Medien.

Wie sich die Wirte und Hoteliers retten
Im Hotel- und Gaststättengewerbe nutzen laut einer Umfrage des bayerischen Branchenverbandes die Möglichkeit

  • Steuerstundung: 85 Prozent
  • Rückzahlung von Steuervorauszahlungen: 40 Prozent
  • Stundung von Sozialabgaben: 52 Prozent
  • Kurzarbeitergeld: 67 Prozent

Wer fällt durchs Raster? Wir suchen Beispiele und werden die später in diesem Nachrichtenlauf anbringen.

Ausländer sind in Deutschland systemrelevant
Die geschlossenen Grenzen haben gezeigt: Deutschland ist angewiesen auf 80.000 Pflegekräfte aus dem Ausland, vor allem Osteuropa; hinzu kommen geschätzt 300.000 Hilfskräfte, die in keiner Statistik erfasst sind.

80.000 Erntehelfer werden in der Corona-Krise teilweise mit Sondermaschinen eingeflogen. Deutschlands landwirtschaftliche Großbetriebe brauchen sie für Spargel-, Gurken-, Erdbeeren- und Rhabarberernte. Unter der einheimischen Bevölkerung findet sich offenbar niemand, der diese Knochenjobs übernehmen möchte.

Handy mit UV-Licht desinfizieren
Das Fraunhofer-Institut arbeitet an einer Lösung, wie Handys und Flachrechner desinfiziert werden können. Desinfektionslösungen schaden den Bildschirmen. Ultraviolettes Licht töten Bakterien und Viren ab. Deshalb wurden kleine Lichtkammern entwickelt, in denen die Geräte für wenige Sekunden gelegt werden, ähnlich einem Mini-Backofen. Für die kommerzielle Produktion sucht das Institut Partner aus der Wirtschaft.

Acht Million Masken für Bayern
Am Flughafen München landete am Montag eine sowjetische Transportmaschine Iljuschin-76 mit einer Millionen Masken aus China. Weitere kamen heute mit der ;ufthansa; insgesamt angeblich acht Millionen Masken. Damit können 10.000 Ärzte etwa ein Jahr lang arbeiten.

Großbritannien: Johnson auf Intensivstation
Boris Johnson, der an Corona erkrankte britische Premierminister, liegt seit zwei Tagen im Krankenhaus, wurde verlegt auf die Intensivstation. Beatmet werden muss er nicht.

Argentinien: 30.000 Festnahmen zur Ausgangssperre
30.000 Festnahmen hat es seit der Ausgangssperre in Argentinien gegeben. Wir dagegen verstößt, muss 48 Stunden lang ins Gefängnis. Das südamerikanische Land hat es ja frühzeitig drastisch, als die Zahl die infizierten noch Landes weit unter 100 lag. Eingeschleppt hat den Virus, wie die Medien berichten, ein reicher argentinischer Geschäftsmann, der in der ersten Klasse von China zurückgeflogen ist und, wie sich später herausstellte, sieben Mitreisende angesteckt hat.

Wie geht Osterbeichte mit Abstand?
„Dass das wichtigste Fest der Christenheit nicht gefeiert werden kann, fordert uns auch im Bistum Passau heraus“, lässt Bischof Stefan Oster über seine Pressestelle mitteilen. Diese Karte – und Osterzeit sei in ihrer Weise einmalig. Auf seine Seite bietet das Bistum eine umfangreiche Betreuung der Gläubigen an, vom „Zuhause-Gebet“ bis zum „Kinderkanal“. Die Live-Übertragungen der Festgottesdienste beginnen am Gründonnerstag um 9.30 Uhr mit der Chrisam-Messe, der Weihe der heiligen Öle. Die Feiern ohne Messbesucher finden vor den Kameras in der Andreaskapelle statt.

Die Spende des Sakraments der Buße sei per Telefon oder Internet nicht möglich, teilt der der Bischof zur Osterbeichte mit. Im Beichtstuhl kann sie wegen des mangelnden Sicherheitsabstandes nicht stattfinden; wohl aber auf Wunsch mit Abstand in einem größeren Raum wie Sakristei oder Pfarrbüro „unter Beachtung der gebotenen Diskretion.“

1.200 Kontaktpersonen getestet
Wie auf Anfrage mitteilt wird, hat das Gesundheitsamt bis heute in Stadt und Landkreis rund 1.200 Corona-Tests anordnen lassen. Es handelt sich um die Kontaktpersonen von Erkrankten. Wie viele Tests die Seuchenärzte der Kassenärztlichen Vereinigung, Hausärzte oder Krankenhausärzte durchgeführt haben, ist der Behörde nicht bekannt. Hier werden lediglich die positiven Befunde gemeldet, worauf die Mitarbeiter beginnen, die gefährdeten Kontaktpersonen zu ermitteln.

***
Montag, 6. April, 17. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 39. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Bayern und der überwiegende Zusammenhalt seiner Bevölkerung setzt in der Corona-Pandemie ein hoffnungsvolles Zeichen: Die Kurve der Infektionszahlen steigt nicht in die Senkrechte, sondern im Gegenteil, die Steigung nimmt etwas ab. Ist das am 17. Tag der Lohn dafür, dass die meisten Menschen die einschneidenden Freiheitsbeschränkungen konsequent und geduldig auf sich nehmen? Mit jedem neuen Tag wissen wir mehr.

In der Grafik verschaffen wir Ihnen einen Überblick, wie die Corona-Stationen im Passauer Land ausgelastet sind.

Die Lage im Stadtgebiet: Eine 86-jährige Patientin ist im Klinikum Passau verstorben. Es ist der vierte Todesfall in der Stadt. Es handelt sich erneut um eine Altenheimbewohnerin. Wie berichtet, ist das Virus in mehreren Passauer Altenheimen eingeschleppt worden.

Die gute Nachricht: Es sind keine neuen Corona-Fälle registriert worden. Stand: 90. Dies lässt hoffen, dass die einschneidenden Maßnahmen in Passau Wirkung zeigen. 

Eine Reihe von Covid-19-Patienten hat das Klinikum wieder verlassen können. 

Fachärzte für Corona-Infizierte
Der Passauer Versorgungsarzt Dr. Achim Spechter hat zusammengestellt, welche Fachärzte im Stadtgebiet für Coronavirus-Infizierte zuständig sind:

  • Allgemeinmedizin: Dr. Alois Stadler, Fieberambulanz im Klinikum Passau
  • Gynäkologie: Dr. Katharina Huber, Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) am Schießstattweg
  • Hals-Nasen-Ohren: Dr. Michael Eckstein, ebenfalls MVZ am Schießstattweg
  • Zahnarzt: MVZ an der Neuburger Straße

Die Lage im Landkreis:
In einem Landkreiskrankenhaus gab es ebenfalls einen neuen Todesfall, ein 79-Jähriger. Die Zahl der Coronafälle erhöht sich um 6 auf 274.

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Am 28. Februar begann die neue Infektionsserie: Entwicklung der Coronavirus-Fälle in Bayern/ Niederbayern/ Stadt und Landkreis Passau; mit den jeweiligen Einwohnerzahlen; 444 Todesfälle. (Quelle: BB/RKI/ BGMI) Gesundheitsministerium)
61 Patienten stationär in Stadt und Land
In den drei Krankenhäusern Passau, Vilshofen und Rottalmünster werden mit heutigem Stand insgesamt 61 Corona-Patienten stationär behandelt, davon 16 mit künstlicher Beatmung. 

Was wir nach der Sendung von Anne Will vom Sonntagabend wissen und mitgenommen haben:

  • 800.000 Bürgerinnen und Bürger leben in Altenheimen
     
  • 37 Millionen Schutzmasken sind in Deutschland angekommen, aber 150 Millionen werden in der nächsten Zeit gebraucht; davon 47 Millionen Virenschutzmasken der Klasse FFP2.
     
  • Wir sollten stets daran denken, dass das Gesundheitssystem auch für alle anderen Patienten noch da sein muss; beispielsweise Schlaganfall- und Herzinfarktpatienten. (Martina Wenker, Bundesärztekammer)
     
  • 2.000 Pflegekräfte haben sich jetzt schon infiziert; besonders leidet das ambulante Pflegepersonal darunter, dass es oft schutzlos von Haus zu Haus unterwegs ist. Anmerkung des Autors: Hinzu kommt die erhöhte Gefahr für die zu Pflegenden. (Christel Bienstein, Pflegewissenschaftlerin)
     
  • Eine Pflegekraft betreut in Deutschland im Schnitt dreizehn Patienten, in Norwegen sind es drei.
     
  • Ministerpräsident Söder zahlt allen Pflegekräften einen Bonus von 500 Euro aus dem Staatshaushalt, freies Essen und Getränke dazu. Aber die Löhne im Gesundheitswesen, ja in allen „systemrelevanten“ Berufen, sollte noch nach Corona grundsätzlich überdacht und angepasst werden.
     
  • Der Virenschutz wird künftig eine größere Rolle in unserer Gesellschaft spielen. Es wird nach drei Monaten nicht vorbei sein, sondern eher nach zwei Jahren (Vizekanzler Olaf Scholz gibt wieder, worauf uns die Wissenschaftler vorbereiten)
     
  • Deutschland hat nunmehr knapp 100.000 registrierte Coronavirusträger – aber die große Welle wird erst erwartet. Aktuell statistisch gesehen: 1 Infizierter je 1.000 Einwohner. Anmerkung des Autors: Das wäre so, als würden im vollen Berliner Olympiastadion drei Schulklassen Infizierter sitzen.

Statistiken hinken der Wirklichkeit 14 Tage hinterher
Die Infektionszahlen der Registrierten, die täglich bekannt gegeben werden, bilden ab, wie die Situation vor etwa zwei Wochen war. Einfach erklärt: Wer sich ansteckt, bei dem bricht die Erkrankung nach frühestens vier und  allerspätestens vierzehn Tagen aus; bis das Testergebnis vorliegt vergehen  weitere vier Tage. So erklärt es Virologe Alexander Kekulé.

Deshalb wird erst in diesen Tagen sichtbar werden, ob die Ausgangsbeschränkung und Kontaktsperren sich auswirken. Falls dies nicht der Fall wäre, was keiner hoffen will, wären noch drastischer Maßnahmen möglich.  Das Leben ruht nicht in allen Bereichen. Auf Baustellen und im Handwerk herrscht Betrieb, dort begegnen sich Menschen noch nicht auf Distanz.

„Wir müssen die Risikogruppen radikal in Sicherheit bringen“, sagt Kekulé. Damit dieser Schutz funktioniere, müssten auch die Familien des Pflegepersonals sicher sein. Für alte Menschen, die alleine wohnen, sei letztendlich eine FFP2- Maske ratsam, damit sie beim Einkauf nicht gefährdet sind. Testen sei immens wichtig. Es gebe dem Krankenhauspersonal Sicherheit; aber auch derjenige, der seine Großmutter besuchen will, muss wissen: „Ich bin nicht infiziert.“

Virologen wünschen sich "Volksmaske"
Wir sollten alle die „Volksmaske“, die gebastelten oder genähte Mund- und Nasenbedeckung anlegen; ein Schal tut es auch. „Den Widerstand von Politik und Robert-Koch-Institut kann ich nicht nachvollziehen“, sagt Virologe Kekulé. Textiler Schutz zusätzlich zum unabdingbaren Abstand und zur Handhygiene sei besser als nichts.

Warum die Politik zögert? Die Antwort gibt Kekulé selbst: „Es könnte daran liegen, dass dann der Bürger zurecht fragen würde: "Warum kann ich diese Maske nicht in der Apotheke kaufen?“ Dieser Erklärungsnot wolle man vermutlich ausweichen. Die Masken helfen mehr als eine Ortungssoftware, ist sich Kekulé sicher. Er meint die Corona-Alarm-App. Auch die Amerikaner empfehlen jetzt die Maske.

Einreisekontrollen bleiben unabdingbar
Was die geschlossenen Grenzen anbelangt, können wir wohl nicht erwarten, dass die Reisefreiheit bald zurückkehrt. „Darüber können wir erst nachdenken, wenn die Infektionszahlen im Nachbarland auf demselben Niveau sind und sich entspannt haben. "Bis dahin gilt es zu verhindern, dass Neuinfizierte hereinkommen“, sagt Kekulé. Selbstverantwortliches Handeln sei gefragt. „Was kann mein Land für mich tun“, sei jetzt die falsche Frage, richtig die Überlegung: „Was kann ich für mein Land tun?“

Diskussionsteilnehmer Jens Südekum, Volkswirtschaftsprofesssor, meinte man sollte bald wieder die notleidenden Länder wie Italien und Spanien mit Tourismus unterstützen. Auf diesen Vorschlag ist niemand eingegangen, da vor allen Lockerungen das Ziel steht, die Infektionsketten zu brechen.

„Absolute Transparenz und höchste Wahrheit“ - das sei das Prinzip der Bundesregierung in der Krise, sagte Vizekanzler Scholz. Den kleinen und mittleren Betrieben müsse geholfen werden. Zur Wahrheit gehört: "Aber Bürger mit sehr hohen Einkommen zu entlasten, das ist nicht plausibel." Die Last der Krise werden die "Spitzenverdiener 2023 bis 2043" zu schultern haben. Scholz: „Wer 200.000 bis 300.000 Euro im Jahr verdient, für den wird es keine Steuerabsenkung geben.“

Wie lief das Wochenende aus polizeilicher Sicht?
22 Verstöße gegen Kontaktsperren und Ausgangsbeschränkungen haben die Passauer Beamten der Landespolizei am Wochenende festgestellt und geahndet. Sie sind unterstützt worden von Kräften der Bereitschaftspolizei. In 20 Fällen ist ein Bußgeld von 150 Euro verhängt worden. „Fast alle Kontrollierten haben sich sofort einsichtig gezeigt“, sagt ein Polizeisprecher.

Was ist erlaubt, was nicht? Die Frage kann sich jeder selbst beantworten. Die oberste Regel heißt „Zuhause bleiben“. Für alles andere braucht es einen triftigen Grund.

Spritztouren sind nicht erlaubt
"Selbstverständlich sollte alles vermieden werden, was zu Unfällen führen und die Kliniken belasten kann“, erklärt ein Beamter außerhalb eines Pressegesprächs. Die Ausfahrt mit dem Motorrad oder das Herumfahren mit dem Auto aus Langeweile sei deshalb ein Verstoß. Die Umsicht gilt auch Zuhause. "Ich würde meinem Kind jetzt nicht erlauben, auf einen Baum zu klettern." 

„Wildwest-Methoden“ auf dem Schutzmaskenmarkt
Ministerpräsident Markus Söder spricht von „Wildwest-Methoden“, wie auf dem Weltmarkt um Schutzmasken gekämpft wird. Es werde eher schlimmer als besser, da große Länder wie USA und Indien jetzt ebenso Bedarf anmelden. Die Rückkehr zu eigenen Produktionsstätten ist bereits angelaufen.

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Sonntag, 5. April, 16. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 38. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Der Reporter hat seit Tagen kein gutes Gefühl, wenn die Zeiger der Uhr sich auf fünf Uhr nachmittags zubewegen. Stets zu diesen Minuten versenden die Pressesprecher von Stadt Passau und Landkreis die neuesten Lageberichte zu Corona.

34 Corona-Patienten stationär im Klinikum
Die eingeschleppten Viren in Passauer Altenheimen haben zwei Bewohnerinnen frühzeitig aus dem Leben gerissen: eine 84-Jährige und eine 90-Jährige. Die Zahl der infizierten Stadtbewohner hat sich um zwölf auf neunzig erhöht. Im Klinikum Passau werden so viele Corona-Patienten wie noch nie behandelt: Sieben künstlich beatmet, einer auf der Intensiv- und sechsundzwanzig auf der Isolierstation.

Drei neue Todesfälle in Stadt und Land
Einen weiteren Todesfall meldet der Landkreis, ein 88-jähriger Corona-Erkrankter. Die aktuellen Fälle: 268, plus 9.

Sonntag mit größtenteils Stille
Dieser Palmsonntag ist der verkehrsruhigste Sonntag seit fast 50 Jahren gewesen. Damals, im Winter 1973, gab es wegen der Ölkrise an vier Sonntagen ein absolutes Fahrverbot. Im Garten lässt sich die eine Hummel brummen hören, die Nektar sammelt vom violett blühenden Lerchensporn. 

Während die Alt-, Inn- und Ilzstädter, die Angerer und viele andere eine fast paradiesische Ruhe genießen, sich Fenster wie sonst selten zur Straße öffnen, ärgern sich die Bewohner im Passauer Westen, die an der Autobahn leben. „Da ist nix mit Ruhe wegen wenig Verkehr“, schreibt ein Schaldinger. Lastwagen und Sattelschlepper donnern über die Autobahnbrücke – für sie ist das Sonntagsfahrverbot aufgehoben worden. Das Europa der geschlossenen Grenzen braucht ein Ventil für die Versorgung. Allerdings: Auf der Schiene wäre durch den verringerten Passagierverkehr mehr Raum für Güter.

Krisenverweigerer und Denunzianten
Die Passauer Polizei berichtet von „zahlreichen Verstößen“ gegen die Ausgangsbeschränkungen, kann sie allerdings heute nicht beziffern, weil einen Großteil der Kontrollen die Bereitschaftspolizei durchgeführt hat. 

Die Polizeibemten haben eine neue Aufgabe: Aus der Bevölkerung gehen immer wieder Hinweise ein über Nachbarn oder Passanten, welche angeblich die Kontaktsperren nicht einhalten. „Es gibt berechtigte Anzeigen, aber auch Denunziantentum“, erzählt ein Beamter. Beispielsweise die Anruferin, die meldet, dass ihre alte Nachbarin von ihrer Tochter besucht werde, die es doch zu schützen gelte. Doch diese hat sich nur, wer sollte es sonst tun, um das Wohl ihrer Mutter gekümmert.

Sieben Tage blauer Himmel?
Der Wetterbericht sagt für die ganze Woche blauen Himmel und frühsommerliche Temperaturen voraus. Keine Kratzer am Himmel. Eines der wenigen Flugzeuge, die dahinziehen, sind Flugzeuge mit Start- oder Zielflughafen London. „Iran Air“ (Ziel Teheran) um 19.15 Uhr, wenige Minuten davor die ungarische Billigfluggesellschaft „Wizz Air“aus Budapest.

Aufnahmestopp in der Kurzzeitpflege
Das bayerische Gesundheitsministerium verteidigt in einer sonntäglichen Pressemitteilung seine Anweisung, für Reha-Einrichtungen einen Aufnahmestopp zu verhängen. Es geht um Kurzzeitpflege, um 2.900 Plätze in 61 Häusern. Ausnahmen gelten, wenn gesichert ist, dass der neue Bewohner 14 Tage in Quarantäne bleibt.

Corona-Semester als virtuelles Studium
Wissenschaftsminister Bernd Sibler lässt diesen Sonntag mitteilen, dass das Sommersemester für die Studenten mit einer virtuellen Notlösung beginnt (siehe Bericht Rubrik „Universität“).

FFP3-Masken von Eterna?
Die Passauer Hemdenfabrik Eterna hat eine textile Mund- und Nasenschutz für 25 Euro wieder aus dem Online-Angebot genommen. Angeblich sind die Masken bereits wieder vergriffen. Merkwürdig daran ist, dass diese Masken als Schutzklasse „FFP3“ angepriesen worden sind. Dies wäre die höchste medizinische Virenschutzklasse.

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Samstag, 4. April, 15. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 37. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Corinavirus greift Gehirn an?
Am Nachmittag teilt Vizechefredakteurin Sabine Rückert von der „Die Zeit“ den Beitrag einer medizinischen Fachzeitschrift: Es gibt Hinweise, dass das Virus nicht nur im schlimmsten Fall zur Lungenentzündung führt, sondern über Nervenzellen ins Gehirn vordringt, Atemstillstand auslösen kann. Dies würde erklären, warum Erkrankte auch über Sinnesstörungen, Geschmacksverlust berichten. 

Wochenmarkt in Seuchenzeiten
Timon braucht Geduld am Wochenmarkt. Die Kunden stehen artig mit großem Abstand in der Schlange vor dem Verkaufswagen einer Rottaler Metzgerin. Zwei Schläge der Domuhr verkünden „halb zehn“. Timon ist in Gedanken, der Mann vor ihm wird nervös, denn er ist zu nahe aufgerückt. „Wie hätten Sie das Geräucherte gern geschnitten?“, fragt die Verkäuferin. Sie packt dem Studenten zum Schluss eine extradicke Scheibe Leberkäse und einen Viertelring Käsewurst als Gratiszugabe in die Tüte. Die Domuhr schlägt wieder zweimal. Eine Stunde hat dieser Einkauf gedauert.

Ein Ehepaar, beide hellgrüne OP-Masken, tritt ins Rechteck der Kiesfläche, das die Verkaufswagen bilden. „Kein Foto bitte!“, deuten sie dem Reporter mit den Händen an. Zwei Frauen, vermummt mit farbenfrohen, selbstgenähten Stoffmasken, warten am Käsestand. Ansonsten ist die Mund-Nasen-Bedeckung unter den Dutzenden Kunden am Wochenmarkt eher selten zu sehen. „Heute halten wir Abstand!“, begrüßt eine Wochenmarktfrau lachend einen Mann, den sie offenbar als Stammkunde kennt. Ein Typ Mitte 40 mit hoher Stirn und brauner Jacke geht mit einem gelben Meterstab durch die Reihen, klappt ihn auf und misst die Entfernungen zu seinen Mitmenschen. Seine Freunde amüsieren sich.

Das Speiseeisangebot, das kaum einer liest
Das Thermometer klettert auf 13 Grad. Das Pflaster der Steiningergasse wäre an solch sonnigen Samstagen normalerweise bedeckt von Menschentrauben. Am Rindermarkt würden Müßiggängerinnen in den Sesseln vor einer Straßenbar Prosecco-Aperol schlürfen, die ersten Touristen mit gezücktem Handy die Gassen erkunden. Nichts von alledem. Als die Sonnenstrahlen den Morgendunst vertrieben haben und die Steine warmküssen, bleiben die beliebten Treffpunkte menschenleer. Ein Konditor hat eine große Tafel vor die Tür gestellt, die den Betrachter auf Frühling einstimmen soll. Mit Kreideschrift zählt er seine Eissorten auf, die er in der Eiskühltheke gleich hinter der offenstehenden Eingangstür feilbietet. Die Eistafel starrt ins Leere.

Hochbetrieb auf Baustellen
Kontaktsperren gelten nicht für das Handwerk. Im Vergleich zur übrigen Wirtschaft herrscht Hochbetrieb. Baumaschinen werkelten am Freitag auf dem Peschlgelände. Im Schatten des Stephansdomes versammeln sich am Samstag ein Dutzend Männer in blaugrauen Latzhosen, Monteure einer Heizungsfirma. 1,5 Millionen Euro investiert das Bistum Passau heuer in die Innensanierung: Elek­tro­in­stal­la­ti­on und Beleuch­tung, Brandschutz nach dem Sacré-Coeur-Drama in Paris. Gottesdienste und Orgelkonzerte nicht zu stören, war eine Herausforderung für die Handwerker. Sie ist durch die Corona-Sperre der Kirchen hinfällig geworden.

Geschlossene Grenzen? Nicht für österreichischer Bauunternehmer. Sie karren auf Tiefladern schweres Gerät nach Passau. Damit Bauanträge durch die Corona-Sitzungspausen nicht liegen bleiben, werden im Notstand Texte neu verfasst, Bauvorhaben von Behörden auf schriftlichem Wege durchgewunken. In allen Behörden? „In Passau werden dringliche Sache im Ferienausschuss behandelt“, sagt Pressesprecherin Karin Schmeller auf Anfrage. "Ferienausschuss" ist die auf die Zahl des Ferienausschusses begrenzte Notstadtratsitzung in der Corona-Krise: zwölf Stadträte und der Oberbürgermeister.

In der Nagelschmiedgasse vertreibt eine Frau um die 70 das Nichtstun mit Sinnvollem, sie befreit mit einem Besen, der an einem zwei Meter langem Verlängerungsstiel steckt, die stockwerkhohen Schaufenster eines Geschäftshauses von Spinnweben. 

Viel Platz für Radler
Die Radfahrer, die über die Marienbrücke radeln, haben freie Fahrt und viel Platz. Die wenigen Autos und Lieferwagen weichen ihnen im weiten Bogen aus, kein Gegenverkehr.

Leere Straßen verführen
Der Fahrer eines schwarzen, laut dröhnenden Pick-up-Monsters und der eines roten, tiefergelegten BMW mit Doppelrohrauspuff, sehen in der Krise andere Vorteile. Die weithin autofreie Regensburger Straße wird ihre private Rennstrecke. Tempo 70? Bei diesem schwachen Verkehrsaufkommen hat die Verkehrspolizei sicher Besseres zu tun, als Radarkontrollen aufzustellen.

Wer schneidet wem die Haare?
In den Wohngemeinschaften und Familien stellen sich neue Herausforderungen: Wer schneidet wem die Haare? Männer greifen mutig zur Maschine. Sechs Millimeter. Pflegeleicht. Alleinstehende Rentnerinnen leiden darunter, dass der Friseurbesuch ausfällt. Den Blick in den Spiegel ertragen sie nicht, empfinden die Situation als würdelos. Tipp: Trockenshampoo. Ein Schweizer Produkt, ein Pulver, das nur natürliche Bestandteile enthält und entfettet, führt die Bewertungslisten an.

Reaktionen auf aktuelle BB-Ausgabe
Auf Twitter schreibt ein BB-Abonnent: „War heute schon im Briefkasten. Meinen Respekt, unter diesen Umständen so ein dickes Magazin zu produzieren.“

Ein Steuerberater schreibt als Reaktion auf die aktuelle BB-Ausgabe per SMS: „Ohne funktionierende Wirtschaft gibt es zumindest mittelfristig kein Gesundheitswesen, das Alte und Kranke versorgt und es den Menschen ermöglicht, 87 Jahre und älter zu werden“ Ein grundsätzliche Verteufelung der Wirtschaft sei zwar in einigen Kreisen gerade sehr angesagt, aber „besonders intelligent ist es nicht.“ Der BB-Herausgeber hat in seinem aktuellen Editorial die Lage seiner angeblich 87-jährigen Mutter geschildert. Reaktion von seiner Mutter bekam dieser inzwischen auch. „Mein lieber Sohn, Du hast mich jünger gemacht. Ich werde dieses Jahr 89.“ 

Großplakate gehen ins Leere
Ein Baustoffhandel kündigt auf Großplakaten die Eröffnung seines neuen Centers an. Die Werbung hat sich wohl nicht stornieren lassen, sie geht ins Leere.

Jubiläumsfeier abgesagt
Rechtzeitig storniert hat ein Buchhändler die Feier zum 200-jährigen Jubiläum seines Betriebs. Ein Ausflugsschiff war für den Festakt gebucht. Als er vorausschauend den Termin stornierte, habe der Reeder verständnislos reagiert, der Kunde sei übervorsichtig. Bald stellte sich heraus, die Jubiläumsfahrt wäre in die Zeit der Kontaktsperre gefallen.

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Freitag, 3. April, 14. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 36. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Die Zahl der registrierten Corona-Infizierten ist im Stadgebiet sprunghaft angestiegen: plus 23 auf 78. Mit 150 Infizierten je 100.000 Einwohne wurde der bayerische Durchschnitt erreicht. 

Die Corona-Lage im Klinikum:

  • sechs Patienten werden künstlich beamtet
  • zwei Patienten werden behandelt auf der Intensivstation
  • fünfzehn Patienten sind in stationär Behandlung auf der Islorstation

Die Corona-Lage in den Passauer Altenheimen:

  1. "Rosenium" in Grubweg: zehn Bewohner und fünf Mitarbeiter infiziert; ein Todesfall
  2. "Residenz" Neustift: zwei Bewohner und drei Mitarbeiter infiziert
  3. Malteserheim "St. Nikola": ein Bewohner und ein Mitarbeiter infiziert
  4. "Jesuitenschlössl" Innstadt: ein Bewohner infiziert.

Damit stehen 23 der 78 Passauer Corona-Fälle in Verbindung mit Altenheimen.


Lufthansa: Notlandung im Reichstag?
Kehrt die Lufthansa zurück in den Schoß des Staates? Das deutsche Flugunternehmen hat in der Corona-Krise 90 Prozent seiner Flüge eingestellt, schließt eine staatliche Beteiligung nicht mehr aus. Seit 23 Jahren ist die Lufthansa vollständig privatisiert, bis 1963 war sie vollumfänglich in Staatsbesitz.

Wie schaut es aus mit Abstandhalten in den Stadtbussen?
Eine Rathaussprecherin bestätigt, dass der Fahrplan seit Tagen auf Samstagsbetrieb umgestellt worden sei. Man werde den Takt weiter reduzieren, denn die Auslastung sei gering. Zu den Stoßzeiten morgens mittags und abends, wenn etwas mehr los ist, seien Gelenkbusse eingesetzt, genug Platz zum Abstandhalten.

Stichprobe, Blick auf einen Bus, der die Schanzlbrücke mit dem Ziel nördlicher Landkreis quert: fünf Passagiere, ein junger Mann in der letzten Reihe, eine Frau in der ersten und die anderen verteilen sich mit Abstand in der Mitte. Es scheint vorbildlich zu funktionieren. Häufig sind Stadtbusse zu sehen, die überhaupt keine Fahrgäste befördern.

Zusammengepfercht im Minibus
Blick über den Tellerrand: In Kapstadt, der Hauptstadt Südafrikas, scheinen ein halbes Dutzend Familien, welche mit ihren weißen Minibussen das Monopol über den Nahverkehr haben, sehr einflussreich zu sein. Trotz der strengen Ausgangssperren und Versammlungsverbote, obwohl die Fahrgäste hier dicht gedrängt auf Tuchfühlung unterwegs sind, läuft ihr Betrieb offensichtlich mit staatlicher Genehmigung uneingeschränkt weiter. Corona entlarvt, wo der Abstand zwischen Regierung und Wirtschaft nicht passt.

Immer mehr Restaurants versuchen mit Abholservice die Zwangspause zu überbrücken.
Die Innstädter Pizzeria „venti tre“ hat mannshohe Aufsteller an die Straßen gestellt, plakatiert mit Klebeband an Litfaßsäulen. Bei anderen Wirten, zum Beispiel dem Feinschmeckerlokal „Pasta e vino“, muss der Vorübergehende ganz genau auf den Aushang blicken, um vom Abholservice zu fahren. Die Lokale bieten Essen zum Abholen meist zu den üblichen Öffnungszeiten an. Hier wird nachgetragen. Hinweise an: bestelokale@buergerblick.de. Hinzugekommen, das "Duftleben" in der Theresienstraße.

Mit einem zweisprachigen Aushang, englisch und deutsch, erklärt die Stadt, warum der Zutritt zu Spielplatz und Park an der Innpromenade mit rot-weißem Absperrband verboten worden ist.

Mehr häusliche Gewalt?
Das entschleunigte Leben entspannt auch die Lage bei der Polizei. Weniger Einsätze. Aber wie sieht es mit der Zunahme derjenigen Delikte aus, die mit dem ungewohnten engen Zusammenleben tun haben, häusliche Gewalt? Streiten Ehepartnern sich öfter sich bis aufs Blut, handfester Krach zwischen Kindern und Eltern? „Bislang bemerken wir nichts“, sagt ein Polizeipressesprecher.

Dickes Lob an die Post
Die BB-Exemplare, die wir am Donnerstag 16 Uhr an der Zentralpost in der Grünaustraße eingeliefert haben, landeten bereits heute in den Passauer Briefkästen. „Bei uns ist es ebenso ruhiger geworden“, sagt ein Mitarbeiter vom Verteilungszentrum in Straubing. Vermutung des Autors: In der Krise halten sich die Menschen mit Einkäufen im Netz zurück, das Geschäftsleben ruht und mit ihm die Geschäftspost.

Nachdenken in der Corona-Krise: Wäre nicht eine Neustruktuierung der Post- und Paketdienste überfällig? Die freie Markt mit seinen verschiedenen Anbietern hat Preiskampf und unfaire Löhne geschaffen, erzeugt unnötigen Stadtverkehr. Warum wird wenigstens am Ende der Kette nicht ein Zusteller je Stadtteil benannt. Der kennt sein Viertel wie seine Westentasche. Jetzt sind es viele und immer wieder neue Zusteller, Unwissende. UPS, Hermes, Pressepost, Deutscher Paketdienst - wenigstens am Endepunkt könnte alles in eine Hand gegeben werden.      

Die Kooperation zwischen BB und „Bücher Pustet“ klappt hervorragend.
„Wir haben heute schon einen Schwung Bürgerblick zur Post gebracht“, sagt Geschäftsführer Michael Henkel. Wer ein Einzelexemplar der historischen Ausgabe in Krisenzeiten möchte, kann per E-Mail (passau@pustet.de) oder telefonisch bestellen. Zum Kioskpreis ohne Versandkosten. Das aktuelle Heft trägt die Nummer 134. Die Logistik des Buchhändlers ist für unser Magazin eine große Hilfe. Es brauchte erst die Krise, um das zu erkennen. Wer jetzt Bürgerblick abonniert, sichtet die Existenz  eines alternativen Blättchens, das seit 15 Jahren die Medienvielfalt bedient.

 

Corona-Schutz: Mehr Busse und Bahnwaggons, damit die Passagiere Abstand halten können!
Heute morgen die Warnung vom Robert-Koch-Institut: „Es ist sehr wichtig, dass in den öffentlichen Verkehrsmitteln Abstand gehalten werden kann“, sagt Präsident Lothar Wieler. Es sei dafür zu sorgen, dass es dort keine Menschenansammlung gibt. Deshalb empfiehlt er: die Taktung erhöhen, mehr Waggons in den Zügen, damit sich die Passagiere aus dem Weg gehen können.

In Deutschland hat die Zahl der Todesopfer die 1000er-Marke überschritten. Im bundesweiten Durchschnitt sind 96 Infizierte je 100.000 Einwohner registriert, Bayern liegt bei der Durchseuchung (Inzidenz) an der Spitze mit 155; der Jüngste Corona-Tote war 28 Jahre alt; 55 Tote waren jünger als 60; 89 Tote waren zwischen 60 und 69 Jahre alt.

RKI-Präsident: Dunkelziffer bei Corona-Toten
Die Zahl der tatsächlichen Todesfälle werde unterschätzt, sagte Wieler. "Es werden eher mehr an Covid-19 sterben als registriert sind". Man werde bei den Toten (Anm. d. Red.: zum Beispiel bei häuslich Verstorbenen) mit den Tests nicht immer nachkommen, teilweise bei den Obduktionen den Nachweis nicht mehr erbringen können. Wieler geht deshalb davon aus, dass es also mehr Tote gibt als offiziell gemeldet.

Anmerkung: Die Krankheit, die das Virus auslöst wird als "Covid-19" bezeichnet. 

Die Pressestellen der Kommunen betonen oft, dass der Corona-Tote "Vorerkrankungen" hatte, der Tod "im Zusammenhang" mit Corona erfolgt sei. Diese Mitteilungen werden von Krisenkritikern herangezogen, dass Corona in Wahrheit weniger gefährlich sei. Wieler widerspricht heute: Die Sterberate in Deutschland werde weiter steigen. Sie liegt derzeit gemessen an den registrierten Infizierten bei 1,2 Prozent. 

Landestheater verschiebt Wagner-Oper
Das Opernhaus ist seit 11. März geschlossen, seit dem 20. März können Theaterleute und Musiker wegen der Kontaktsperre nicht mehr proben. Deshalb werden Produktionen in das nächste Jahr verschoben:

  • Wagner-Oper „Walküre“
  • Vivaldi-Oper „Herkules am Thermodon“

Die Schauspielstücke „Westend“ und „Ungeduld des Herzens“ ganz ausfallen oder im nächsten Jahr nachgeholt werden, ist noch offen. Bei der Wagner-Reihe “Der Ring des Nibelungen“ verschieben sich entsprechend auch die Folgestücke: „Siegfried“ auf das Jahr 2022 und „Die Götterdämmerung“ auf das Jahr 2023.

Alles andere, wie zum Beispiel die Burgfestspiele, liegt noch in der Schwebe.

Geheimes Corona-Krisentreffen im Rathaus
Wie jetzt bekannt wurde, hat der Ferienausschuss des Passauer Stadtrates am 25. März in einer geheimen Sitzung getagt. um über Corona, die Lage und die Prognosen zu beraten. An dieser Sitzung durften nur die Fraktionsführer teilnehmen. Warum geheim, zumal hier keine Persönlichkeitsrechte oder geschützte Belange besprochen werden? Die Öffentlichkeit soll möglicherweise vor Wahrheiten geschützt werden, die zur Beunruhigung, zur Panik führen könnten? Beispielsweise darüber, wie lange es wirklich dauert, bis diese Seuche überstanden ist. Es wird befürchtet, dass es sich mehrere Monate hinziehen könnte, Optimisten schätzen bis Ende Mai. 

In China begann man nach etwa drei Monaten schrittweise zu einem geregelten Leben zurückzukehren.

Sport: Die Spitzenfußballer bangen um ihre Zukunft. Im Juni laufen viele Verträge aus.

Das Robert-Koch-Institut ist von seiner Haltung abgerückt, dass eine "Voksmaske" überhaupt nichts nütze. 

  • Viele sind infiziert ohne es zu wissen; eine Maske schützt das Gegenüber um umgekehrt, ist also besser als nichts.
  • Wenn im Freien Masken getragen werden, wird die Gefahr für die Menschen permanent sichtbar, dies unterstützt diszipliniertes Verhalten. Umgekehrt sollte man sich deshalb keinesfalls in Sicherheit wiegen.
  • Auch mit Maske gilt: Hygieneregeln und Abstand einhalten.

Die Sorge der Politiker, dass die Bevölkerung dem medizinischen Personal die Masken wegnimmt, ist unberechtigt. Man muss unterscheiden: Dort die lizenzierten Virenfiltermasken für Ärzte und Pfleger, da die oft selbstgenähten oder mittlerweile von vielen Schneidereien angebotenen Baumwolltücher. Dass Ärzte in der Not sich selbst Stoffmasken nähen, gehört allerdings auch zur Wahrheit des Mangels. 

  • Die Stoffmasken sollten gewechselt werden, wenn sie durchfeuchtet sind
  • Vor Wiederverwendung genügt es, sie mit Seife (wie die Hände) gut zu waschen. Viren sind keine Bakterien, deshalb ist auskochen nicht notwendig.

Corona-Schnelltest entwickelt
Den Forschern ist zusammen mit Wissenschaftlern aus Leipzig ein Durchbruch gelungen. Ein Schnelltest, ein Tropfen Blut auf einem Teststreifen lässt erkennen: Habe ich eine Coronavirus-Infektion bereits hinter mir, bin ich immun? Erkrankte, mit und ohne Symptome, bilden im Blut sogenannte Antikörper, die nachweisbar sind. Wenn der Test massentauglich werden sollte, wäre das ein hilfreicher Schritt. Der Selbsttest zeigt, wer Corona überstanden hat und sich in das normale Leben wieder eingliedern kann. Vor allem an der Front des medizinischen Personals wäre dieser Test eine große Hilfe. Vorsicht: Derzeit sollen Geschäftemacher nicht ausgereifte Schnelltests anbieten!

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Donnnerstag, 2. April, 13. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 35. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Lage in Stadt und Land
Die Zahl der Infektionsfälle hat sich in der Stadt um 3 auf 57, im Landkreis um 19 Fälle auf 194. Stadt und Land haben damit eine registrierte Durchseuchung von mindestens 1 Person je 100.000 Einwohner.
Eine 95-jährige Frau wird im Stadtgebiet als das zweite Todesiopfer registriert. 

Klinikum werden 20 Corona-Patienten behandelt, davon werden 5 künstlich beatmet.

Soldaten testen Corona-App
Die Bundeswehr testet die Corona-App, die zum Einsatz kommen soll. Sie zeichnet auf, wer wann wo mit dem Kontakt hatte. Die persönlichen Daten bleiben anonym. Stellt sich heraus, dass man in der Umgebung eines Infizierten war und Ansteckungsgefahr droht, erfolgt eine Warnung per SMS. Die Teilnahme ist freiwillig. Kannst du den Merkel sagt, sie würde diese App auch benutzen. 

Bürgerblick erscheint mit Corona-Chronik
Das Lokalmagazin Bürgerblick ist trotz der Krise - Einbruch der Werbewirtschaft - auf den Markt gekommen. Die "Notausgabe" ist umfangreicher als normal, 74 statt 60 Seiten. Kostenlose Anzeigenblätter wie "Wochenblatt" und "Am Sonntag" sind vorübergehend eingestellt worden, das Gastromagazin "Pasta!" hat auch ausgesetzt.

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Mittwoch, 1. April, 12. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 34. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Laut Bayerischem Gesundheitsministerium liegt die Testkapazität bei 13.000 am Tag. Mehr als 110.000 Testergebnisse liegen mittlerweile vor, davon fielen statistisch gesehen 8,7 Prozent positiv aus.

Der Landkreis Passau meldet um 17 Uhr, dass sich die Todesfälle statistisch heute um zwei weitere auf fünf erhöht haben.
Im Klinikum Passau starb ein 65-jähriger Corona-Patient, der künstlich beamtet worden ist. Ein weiterer Landkreisbürger, 70, positiv auf Corona getestet, erlag in einer "auswärtigen Klinik", wie es heißt, einem Herzinfarkt. Rückfragen sind nicht möglich, da der Pressesprecher die Mitteilung abgesetzt und sich dann verabschiedet hat. Insgesamt sind im Landkreis 32 neue Fälle registriert worden, damit aktuell 175. Somit sind 91 von 100.000 Einwohnern infiziert.

Die Lage in Passau: 55 Corona-Infizierte (plus 3).  Im Klinikum Passau werden 22 Patienten, auch von außerhalb, behandelt; davon fünf künstlich beatmet und einer auf der Intensivstation. Die Situation in den Altenheimen wurde aktualsiert (siehe weiter unten).

Verpflegungszuschuss für Pflegekräfte
Das Virus schenkt ein klein bisschen Lohngerechtigkeit. Wie Gesundheitsministerin Melanie Huml mittags der Presse mitteilt, erhalten ab sofort alle bayerischen Pflegekräfte einen täglichen Zuschuss von 6,50 Euroa für Verpflegung. Das Geld wird dem "Sonderfond Conrona-Pandemie" entnommen. Diese Zuwendung gilt für alle Einrichtungen, vom Altenheim bis zum Klinikum; sie schließt alle Mitwirkenden ein, von der medizinischen Assistentin über den Verwaltungsangestellten bis zur Reinigungsfrau.

Drei Corona-Tote im Landkreis
Das Landratsamt Passau teilt mittags mit, dass im Krankenhaus Vilshofen ein 79-jähriger Corona-Patient verstorben ist; der dritte registrierte Tote im Landkreis in der Corona-Krise. Wie das Gesundheitsamt auf Anfrage mitteilt, werden posthum auf Corona positiv getestete Verstorbene nicht in die Statistik aufgenommen, wenn die Todesursache eindeutig anders gelagert ist; wie etwa Tod durch Unfallverletzungen oder Blinddarmdurchbruch.    

Dienstag, 31. März, 11. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 33. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Zur Ruhe kommen. Nachdenken. Über sich selbst. Näher seiner Familie sein. Das Wesentliche entdecken. Das sind Stimmen, die der Reporter von Menschen aus der Quarantäne wahrnimmt. Manche empfinden es, als wären sie aus ihrem Hamsterrad gestoßen worden. Erst empört darüber, dann die Augen öffnend und sich gewahr werdend, dass es da noch was anderes gibt. Leben. Das alte, rastlose war wie eine Flucht. Ob es anhält? "Wir werden daraus lernen und uns neu ausrichten", sehen viele optimistisch in die Zukunft. Ob es gelingt? 

Auch das wird wahrgenommen: Das erste Mal hören Politiker wachsam auf die Wissenschaft - und sind taub auf dem Ohr der Wirtschaftsflüsterer. Das Virus verwirklicht für einen Moment, was die junge Klimaschutzbewegung sich in ihren kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können: Flugzeuge bleiben am Boden, die Kreuzfahrt liegt still und der SUV bleibt in der Garage.

Dieses Video, aus dem Italienischen übersetzt, mag vielleicht ein bisschen kitschig sein, aber es trifft bei vielen Leuten den Nerv. "Ein Brief von Covid-19", wie es der unbekannte Autor nennt.
Die Nachrichtenlage finden Sie weiter unten.

Bitte nehmen Sie die Quarantäne Zuhause und Abstandhalten im Freien sehr ernst oder sprechen Sie ihre Mitmenschen darauf an, wenn diese glauben, es nicht ernst nehmen zu müssen. Bayern befindet sich erst am Anfang dieses Seuchengeschehens. Jeder einzelne kann seinen Beitrag leisten, wenn er sich und andere schützt. Viele tragen keine Symptome und wissen überhaupt nicht, dass sie ansteckend sind. Man muss von einer hohen Dunkelziffer ausgehen.

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Corona-Infektionen in mittlerweile drei Passauer Altenheimen haben den Oberbürgermeister zu neuen "Allgemeinverfügungen" veranlasst, um diese besonders gefährdeten Stadtbewohner zu schützen.

  • Die Bewohner dürfen das Gelände nur aus "triftigem Grund" zwischen 7 und 9 Uhr und von 13 bis 15 Uhr verlassen.
  • Ausgang und Rückkehr sind von der Heimleitung schriftlich zu dokumentieren
  • Neue Bewohner dürfen nur aufgenommen werden, wenn eine zweiwöchige Quarantäne gewährleistet werden kann
  • Altenheimmitarbeiter sollen die Kontakte zu Kollegen und Bewohnern auf ein Mindestmaß beschränken; falls dies organisatorisch nicht möglich ist, besteht Maskenpflicht
  • Altenheimbetreiber müssen bis spätestens 5. April einen Notfallplan vorlegen, wie sie in einem Coronafall verfahren.
  • Für jedes Altenheim muss ein Seuchenbeauftragter benannt werden

Mit diesen Fällen haben die Mitarbeiter vom Gesundheitsamt und Ärzte in Passau zu kämpfen:

  • 1. Altenheim Rosenium Grubweg1: zehn infizierte Bewohner, davon einer verstorben; ein Mitarbeiter
  • 2. Altenheim Seniorenresidenz Neustift: ein infizierter Mitarbeiter
  • 3. Altenheim St. Nikola: einr infizierte Mitarbeiterin und eine infizierte Bewohnerin (neu)
  • 4. Altenheim Jesuitenschlössl: ein infizierter Bewohner (neu)

Insgesamt haben sich die Coronafälle heute um 7 auf insgesamt 52 Fälle erhöht. Damit liegt die "Durchseuchung" in der Stadt exakt bei einer Person je 1.000 Einwohner.

Die 87-jährige Mutter des Reporters hat angerufen. "Kannst Du mir bitte eine Maske besorgen?" Sie hat die Nachrichten aus Österreich gesehen. Es werde bei uns doch auch bald Pflicht werden und sie möchte auf ihren täglichen kleinen Spaziergang nicht verzichten. Sie wird morgen eine FFP3-Maske mit dem gefüllten Einkaufskorb bekommen. Der Reporter hat in seiner Campingausrüstung welche gefunden, aus der Vogelgrippezeit.

Im Landkreis Passau hat sich heute die Zahl der registrierten Infektion um 23 auf 154 erhöht.


Die Süddeutsche Zeitung meldet, dass Bayern nach der Lockerung der Ausgangsbeschränkungen die Maskenpflicht einführen will. Eine Notproduktion von 1 Million Masken je Tag soll mit einheimischen Firmen aufgebaut werden. Auch in Bayern hergestellte Beatmungsmaschinen sind in Planung.

Die medizinische Lage in Passau: Im Klinikum Passau werden derzeit sieben Coronavirus-Patienten, der jüngste 50 Jahre alt, künstlich beatmet. Weitere siebzehn Corona-Erkrankte liegen auf der Isolierstation stationär. 

Es handelt sich bei den beatmeten Corona-Patienten an den Beamtungsgeräten nicht, wie man vermuten möchte, um infizierte Bewohner aus einem Altenheim in Grubweg, sondern um andere Patienten ab 50 Jahre; manche kommen auch von außerhalb des Stadtgebiets.

Im Grubweger Altenheim war die Seuche eingeschleppt worden, zehn Rentnerinnen und Rentner haben sich angesteckt, ein Mann starb.

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Versorgungsarzt für Passau in der Corona-Krise: Dr. Armin Spechter, gewählt auf Platz 3 der Grünen im Stadtrat. (PR-Foto: praxis-spechter.de)
"Es gibt keine Alternative zur Quarantäne", spricht sich der für die Corona-Seuche bestellte Passauer Versorgungsarzt Armin Spechter für die Ausgangsbeschränkungen aus. Der Blick in die Intensivstation am Klinikum Passau zeige, wie wichtig diese Maßnahme sei.

Wie viele Masken und Schutzbekleidungen hat Spechter in der Gemeinschaftspraxis? Er schätzt 20 Stück. Seine Tochter arbeite im selben Beruf, sei unterwegs, um bei Coronavirus-Verdächtigen Abstriche zu nehmen, erzählt er. In seiner Hausarztpraxis hat er spezielle Sprechstunden für Infektionserkrankugen eingeführt, damit Kontakte mit den anderen Patienten ausgeschlossen sind.

Welche positiven Aussichten gibt es? Vielleicht könnte man im Mai beginnen, eine neue Testreihe einzuführen: Wie weit ist die Durchseuchung vorangeschnitten, welche Bürger haben Immunität entwickelt und können wieder in den normalen Alltag zurückkehren? Diesen Aspekt zu untersuchen, sei vor allem für das ärztliche Personal wichtig. Noch seien die Labore nicht in die Lage, die gebildeten Antikörper nachzuweisen. Zeit und Geduld haben, so lernt der Mensch in Seuchenzeiten, sind neue Werte.

Im Katastrophenfall ist der Versorgungsarzt dafür zuständig, die ambulante Betreung der Stadtbevölkerung zu sichernt:  rund 30 Hausärzte, 20 Fachärzte, 30 Zahnärzte und eine handvoll Psychologen.

Minister Präsident Söder sagt, dass Maskenpflicht in Bayern erst mal kein Thema sein. Wichtiger sei es, das medizinische Personal zu versorgen. 

Was soll man in einem Land auch anderes sagen, wenn Schutzmasken Mangelware sind?

Die Ansteckungswelle in Bayern, so Söder gestern, scheint etwas gebremst zu laufen. Die Zahl der registrierten Infizierten verdoppelte sich zuletzt alle 2,6 Tage, jetzt dauert es 5. Die ersten Auswirkungen der Ausgangsbeschränkungen?

Paketboten mit Masken
11.20 Uhr: An der Haustpür klingelt ein Paketbote, der für den Nachbarn etwas abgeben will: Er hält drei Meter Abstand, trägt OP-Maske; ein osteuropäischer Mann um die 50.

Fußball mit Pappkameraden als Zuschauer
Der Fußball und seine Partner suchen sich in der Corona-Publikumspause neue Geschäftsmodelle: Jeder kann sich als Pappkamerad im Stadion aufstellen lassen. Foto einschicken, kostet 19 Euro. So wird es diskutiert bei „Borussia Mönchengladbach“. Abgeschaut in USA, den Basketballern in Lincoln.

In Rimini hat ein 101-jähriger die Coronaerkrankung überlebt. Das berichtet der Bürgermeister der Presse. Unbeschadet erlebt hat der Glückliche bereits die Spanische Grippe und den Weltkrieg. 

Quarantäne im Feuerwehrhaus
Die Feuerwehrleute in Bergen auf der Insel Rügen habe sich nach einem negativen Coronatest zu einem freiwilligen Schritt entschlossen, um vermeiden, sich anzustecken und jederzeit einsatzbereit zu sein: Sie quartierten sich geschlossen im Gerätehaus ein, zwei Wochen ohne Freunde und Familie. Bekannt wurde dies, weil Quarantäne-Kanzlerin Merkel sich mit einem persönlichen Anruf bei den Feuerwehrleuten ihres Wahlkreises nach dem Befinden erkundigen wollte.

Grünen-Stadtrat als Krisenarzt bestellt
Zum „Versorgungsarzt“ in der Corona-Seuche
hat Oberbürgermeister Jürgen Dupper den für die Grünen in den Passauer Stadtrat gewählten 52-jährigen Arzt Dr. Achim Spechter (7.092 Stimmen) bestellt. Der Internist betreibt seit 14 Jahren eine Hausarztpraxis, ist niedergelassen in der Neuen Mitte.

***

Montag, 30. März, 10. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 32. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Österreich ab Mittwoch Maskenpflicht
Kanzler Kurz lässt ab Mittwoch in allen Supermärkten Masken ausgeben. "Ab diesem Zeitpunkt ist es Pflicht, diese beim Einkauf zu tragen", schreibt er. Einfache Masken sind kein Ersatz für Abstandhalten, kein garantierter Virenschutz, aber schützen andere und sich selbst. Es gibt vermutlich viele Virenträger ohne Symptome, die bereits beim Sprechen infektiöse Speichelspritzer verteilen. Wer Maske trägt, kann sich selbst mit verseuchten Händen nicht infizieren, weil er sich nicht an Nase und Mund fassen kann. Zur Maske gehöre sinnvollerweise eine Brille, sagen Ärzte, weil der Erreger vor allem auch durch die Bindehaut übertragen wird.

Selbst die günstigen OP-Masken für wenige Cent sind in Deutschland nicht erhältlich. Viele Näherinnen und Schneider wie in Passauerin Elke Burmeister produzieren jetzt Volksmasken in Eigenregie. "Die Maske könnte ein Modetrend werden, wenn sie hilft, umso besser?", sagt sie. Gut funktionieren Masken aus Baumwollstoff, die mit "selbst gebastelten Filtern vom Stausauger oder von Slipeinlagen" aufgerüstet werden können, wie Burmeister weiß.

Dieser Redaktion liegen abenteuerliche Informationen vor: Eine Privatkinik hatte den Ärzten vor wenigen Tagen noch untersagt, keine Schutzmasken zu tragen. Es würde "die Patienten verschrecken." Mittlerweile nähen sich Ärzte in selbst Baumwollmasken, die wiederverwendbar und auszukochen sind. Es sei bessser als nichts. Der Mangel an Masken und Schutzbekleidung ist die deutsche Krise in der Corona-Krise. Woher nimmt Österreich die Masken als Massenware für die Bevölkerung?

Seuchengesetze für Hausmüll in Kraft
In Haushalten, in denen Coronavirusträger oder Virusverdächtiger wohnen, ist jeglicher Abfall, der normalerweise getrennt wird, in "möglichst reißfesten Abfallsäcken" wie Restmüll zu sammeln: Altpapier, Biomüll, Verpackungen. Die Säcke müssen gut verknoten oder zugebunden über die Restmülltonne entsorgt werden. Jeglicher anderer Recyclingabfall (Glas, Elektro, Batterien) oder Pfandflaschen wird aufbewahrt und dann entsorgt, wenn die Isolation- oder Quarantänezeit der Bewohner zu Ende ist. Für alle anderen Bürger gilt das Gebot der Abfalltrennung. "Alle diese Maßnahmen sind richtig, aber viel zu spät", sagt ein Arzt. Die Maßnahmen gelten nach den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts.

Um 17.30 Uhr gibt das Landratsamt bekannt, dass die Zahl der Infizierten sich um 3 auf 120 Fälle erhöht hat. Die Infektionsrate liegt bei 63 Einwohner je 100.000 Einwohner- 

In Ungarn hat Präsident Urban die Corona-Krise missbraucht, um mit Notstandsgesetzen die Macht entgültig an sich zu reißen. Er prangert letzten freien Medien an, in der Krise von der Bevölkerung Geld zu schnorren. Journalisten, die "Falschnachrichten" verbreiteten, drohe Gefängnis. Die Schere im Kopf werde wirken, sagt ein Kommentator des Bayerischen Rundfunks.

Versorgungsarzt für Stadtgebiet eingesetzt
Neue Anweisung aus dem Ministerium: Die Kommunen müssen einen "Versorgungsarzt" benennen, der in der Bekämpfung der Seuche dafür sorgt, dass ausreichend Ärzte, Schutzausrüstung und Medikamente vorhanden sind. 

"Ich bin überrascht wie viele Leute auf der Straße unterwegs sind", sagt ein Mediziner. In der Passauer Innenstadt und im Bahnhofsviertel sei kaum etwas von den Ausgangbeschränkungen zu bemerken. Die Supermarktangestellten seien nervös bemüht Abstand zu halten; die Einkaufenden eher unbekümmert. Warum Paare gemeinsam einkaufen gehen, verstehe er nicht. Jugendliche, die zu viert und fünf unterwegs sind, seien keine Seltenheit. An den Kassen sind Bodenmarkierungen angebracht, damit Mindestabstand gehalten wird. "Während die Frauen sich penibel daran halten, oft mehr als zwei Meter, nehmen die Männer es eher lässig."

Ministerpräsident Markus Söder hat die aktuellen Ausgangsbeschränkungen bis 19. April verlängert.

Die Zahl der Corona-Infizierten Bewohner im Altenheim in Passau-Grubweg hat sich um drei auf zehn erhöht. Insgesamt gibt es sechs neue Fälle. Im Klinikum Passau werden jetzt achtzehn Corona-Patienten behandelt, davon fünf an Beatmungsmaschinen und sieben auf der Intensivstation.

Allein die deutschen Arztpraxen benötigten in den kommenden Monaten mehr als 100 Millionen Schutzmasken, meldet die Süddeutsche Zeitung. 

%PIC16500%Heute 18 Uhr: Debatte um Gesetze gegen Hasskriminalität im Internet
Wie groß ist in der Corona-Krise das Interesse an Live-Übertragungen von ehemals öffentlichen Veranstaltungen im Netz? Der Deutsche Journalistenverband und der Deutsche Anwaltverein werden heute eine Podiumsdiskussion mit Justizministerin Lamprecht zum neuen Gesetzpaket „Gegen Hasskriminalität“ übertragen. Das Gesetzpaket ist umstritten, weil es in die Freiheitsrechte im Internet eingreifen könnte. „Richtiger Schritt oder falsche Richtung?“. Lamprecht wird den Gesetzentwurf vorstellen und danach wird sie mit Juristen und Journalisten darüber diskutieren. www-alex-berlin.de/tv/livestream. Heute 18 bis 19.30 Uhr. www.alex-berlin.de/tv/livestream

Altenheime müssen Seuchenbeauftragte benennen
Nachdem sich die Fälle mit infizierten Altenheimbewohner häufen, diese Menschen besonders gefährdet sind an COVID-19 grausam zu sterben, die ersten Todesserien sich in den Statistiken niederschlagen, hat Gesundheitsministerin Melanie Huml neue Anweisungen erlassen. Die Pflegeheime müssen einen Seuchenbeauftragten benennen, der die Ausbreitung protokolliert, dafür sorgt, dass Betroffene sofort isoliert und in Corona-Kliniken verlegt werden. Die Mitarbeiter von Pflegediensten und Angehörige, die Pflege leisten, können sich bei den rund einer zehn bayerischen Fachstellen telefonisch oder per E-Mail beraten lassen. 

Ausgangsbeschränkungen: 16 Anzeigen in Passau
Kein Nachtleben, keine Partys, keine alkoholisierten Gruppen, die sich prügeln könnten. „Es sind ruhige Zeiten für uns“, sagt ein Passauer Polizeibeamter. Umso mehr können sich die Kräfte darauf konzentrieren, die Ausgangsbeschränkungen zu kontrollieren. Die Beamten der Polizeistation Passau werden von Bereitschaftspolizisten unterstützt. Am Wochenende stellten die Beamten 16 Anzeigen aus. Die Verstöße: Menschen sind in kleinen Gruppen unterwegs oder zu zweit mit Mitgliedern aus fremden Haushalten; oder sie halten den Mindestabstand nicht ein. Die Bußgelder beginnen bei 150 Euro.

Bei der Verkehrspolizei wird die Ruhe in den täglichen Presse aus Sendung erkennbar. Immer häufiger heißt es „Fehlanzeige“, keine Vorkommnisse.

Frischluftsuchende im Wald
Der Spaziergang an frischer Luft ist der neue Volkssport geworden. „Auf meinen Strecken im Neuburger Wald, wo ich früher maximal fünf Leute getroffen habe, begegneten mir jetzt fünfzig“, sagt ein 30-jähriger Mountainbiker aus Hacklberg.

Kurzarbeit im Getränkehandel
Beim einem der größten Getränkehändler der Region sind die Umsätze angeblich um 30 Prozent zurückgegangen. Die Kunden der Gastronomie sind weggebrochen. Kurzarbeit. „Wenn das nicht bald aufhört, wird es schlimm“, sagt ein Mitarbeiter.

Gedruckter April-Bürgerblick erscheint
Nach einem Kraftakt aller Mitwirkenden geht das April-Magazin Bürgerblick Passau in Druck. Herausgeber und Grafiker hat sich in Heimarbeit abgewechselt, eine Handvoll Medienstudenten die Redaktion unterstützt. 

Ab dem Tag, an dem erste COVID-19 Patient im Klinikum Passau eingeliefert worden ist, 3. März, hat der Journalist Hubert Jakob Denk von früh bis spät die Ereignisse und Nachrichten vor der Haustür und in der Welt aufgezeichnet. Sie sind auf diesem Nachrichtenlauf zu finden. Es waren nach 21 Tagen 100 DIN-A-Seiten. Mehr zum Magazin in Kürze.

Die Corona-Krise mit all ihren Folgen lehrt uns, wie wichtig unabhängiger, freiheitlicher Journalismus ist. Diese wichtige Säule der Demokratie darf nicht umfallen, wenn die Wirtschaft einbricht. Die Journalisten brauchen zahlende Leser und Unterstützer. Hinter Bürgerblick steht kein Verleger, sondern ein freier Journalist. Verlage haben teilweise auf Kurzarbeit umgestellt; Gratisblätter, die vollumfänglich von der Werbewirtschaft abhängig sind, wurden vorübergehend eingestellt.

Neben zahlenden Abonnenten und Kioskkäufern haben diese Ausgabe unterstützt die Sparkasse Passau und die AOK mit je 1.000 Euro, mit dreistelligen Beträgen die monatlichen Unterstützer Druckerei "Passavia", die Bio-Bäckerei Wagner und Elektriker Michael Kapfer. Die Telepark Passau hat technische Unterstützung geleistet, am Heimarbeitsplatz das Internet innerhalb kurzer Zeit auf die schnellste Leitung geschaltet. Eine Magazinproduktion über 75 Seiten mit den Mitwirkenden ausschließlich über das digitale Netzwerk zu koordinieren und zu erstellen, ist Neuland und bedarf starker Nerven.

Sonntag, 29. März, 9. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 31. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Die Zahl der Coronavirus-Infizierten hat sich im Altenheim in Grubweg um eine weitere Bewohnerin auf sieben erhöht. Damit sind es in Passau, Stand Sonntagabend, 39 Fälle. Im Klinikum werden vierzehn Patienten behandelt, davon vier auf die Intensivstation und zwei unter künstliche Beatmung.

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Samstag, 28. März, 8. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 30. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Die Stadt Passau meldet um 18.10 Uhr den ersten Corona-Todesfall. Ein 87-jähriger Mann, der sich in einem Altenheim in Passau-Grubweg infiziert hatte. Bereits am Donnerstag war im Kreiskrankenhaus Rottalmünster eine 70-jährige Rentnerin verstorben, die an Corona litt.

Die Zahl der Infizierten im Stadtgebiet hat sich heute um 10 auf 37 erhöht. Sechs der Neuinfizierten sind Bewohner des Altenheims "Rosarium" in Passau-Grubweg, darunter der gemeldete Todesfall.

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Freitag, 27. März, 7. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 29. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Die letzte Pressemitteilungen vor dem Wochenende waren keine erfreulichen. Das Coronavirus hat in Passau zwei Altenheime erreicht. Zwei der neun Coronapatienten im Klinikum werden künstlich beatmet.

Eine Altenheimbewohner aus Grubweg und ein Altenheimmitarbeiter sind positiv getestet worden. Der 87-jährige Rentner kommt auf die Intensivstation des Klinikums.

Im Kreiskrankenhaus Rottalmünster ist am Donnerstag eine 70-jährige schwerkranke Patientin verstorben. Bei dieser Rentnerin hatte sich erst im Nachhinein beim Test herausgestellt, dass sie vom Coronavirus infiziert war.

Der führende Krisenmanager in Passau ist Oberbürgermeister Jürgen Dupper. Er ist mit seinen Funktionen für das städtische Krankenhauswesen und die Organisation des landkreisübergreifenden Sanitätsdienstes zuständig. Krankenhäuser, Privatkliniken, Rehakliniken, Kinderklinik und Bezirksklinik müssen gemäß einer Allgemeinverfügung der Ministerien vom 24. März jetzt Hand in Hand arbeiten, um die Kapazitäten in der Pandemie zu stärken. Als ärztlicher Koordinator ist für das Stadtgebiet Klinikumsdirektor Dr. Hans Emmert bestellt worden. Das Treffen aller Verantwortlichen fand am gestrigen Freitag statt.

Die Situation am Klinikum:

  • An den 27 vorhandenen Beatmungsmaschinen sind derzeit 2 Corona-Patienten und 8 andere Notfallpatienten angeschlossen; somit sind 17 Beatmungsgeräte auf Reserve.
  • Zu den beiden Corona-Patienten unter künstlicher Beamtung kommen sieben weitere, die stationär behandelt werden.
  • Von den 34 Plätzen der Intensivstation sind 2 von den genannten Corona-Patienten belegt, 11 von anderen Notfallpatienten; somit sind 13 auf Reserve

Kurzfristig, so heißt es in dem veröffentlichten Papier, könnten neun weitere Plätze auf der Intensivstation mit Beatmungsgeräten geschaffen werden – wenn diese geliefert werden.

Eine Meldung am Rande: Die Stadt Passau hat alle Parkgebührenautomaten stillgelegt. Denn viele Automobile sind in der Heimarbeit Stehmobile geworden und brauchen Platz.

Grenztankstelle ist Geistertankstelle
Hinweis an alle Tanktouristen: Die Fahrt nach Achleiten erübrigt sich. Die Grenztankstelle ist zur Geistertankstelle geworden, geschlossen. Gestern sah der Reporter, das immer noch einige wenige Autofahrer sie anfahren, dann umkehren und sich der Einreisekontrolle unterziehen müssen.

Kommunen im Stress der Neuregelungen
Ministerien geben seit dem ausgerufenen Katastrophenfall den Kommunen tagtäglich neue Anweisungen, was neu zu regeln ist. Mehrmals am Tag bis zu 20 Seiten dicke Schriften. Man komme kaum hinterher es zu lesen, sagt ein Beamter. Die Rathäuser arbeiten seit Tagen im Krisenmodus.

27 Infizierte im Stadtgebiet
%PIC16597%Die Zahl der infizierten im Stadtgebiet ist auf 27 gestiegen. Hinzu gekommen sind gestern eine Frau, 42, und zwei Männer, 62 und 50. Tags davor gab es zwei positiv Getestete, eine Frau 55 und ein Mann 59.

Das städtische Ordnungsamt hat für 100 Kontaktpersonen Quarantäne angeordnet.

Ins Bewusstsein sollte sich jeder rücken: Wenn Quarantäne (Virusverdächtige) oder Isolation (Virusträger mit und ohne Symptome) Menschen trifft, die wichtige Strukturen unserer Gesellschaft aufrechterhalten, kann es zu folgenschweren Engpässen kommen. In der Medizin gelten im Notstand besondere Regeln: Wer sich infiziert, arbeitet weiter, wenn er sich in der Lage fühlt.

Neues Wort im "Krieg gegen Corona": Triage
Die Mitwirkenden in den Krankenhäusern sind nicht zu beneiden. Sie müssen mit dem Mangel an Schutzmasken und Schutzkleidung zurechtkommen, im Kopf durchspielen, dass die „Triage“ eintritt. Was dieses Wort bedeutet? Es beschreibt die schrecklichste Lage der Humanmedizin, wenn den zu Rettenden zu wenig Retter oder Rettungsmaterial gegenüberstehen. Die Ärzte müssen entscheiden, welchen Verletzten oder Erkrankte sie bevorzugt an die Reihe nehmen. Patienten nach Ersteinschätzung sortierten. Eine Situation wie auf einem militärischen Schlachfeld. Keiner will das.

Diese Krise wird zur Katastrophe, wenn die Triage eintritt. Es geht nicht um das politische und gesellschaftliche Kräftezerren "Gesundheit oder Wirtschaft", sondern um eine Kernfrage für unsere Zivilisation: Wollen wir die Menschenwürde auf dem Altar des Wohlstands opfern?

Anmerkung des Autors: Wer diese Tragik versteht, wird  jede erdenkliche Vorsichtsmaßnahme zu treffen, damit er nicht selbst zum Verbreiter der Krankheit wird. Aus Eigenverantwortung, vorausblickend, über das Mass jeder gesetzlichen Anordnung hinaus.

Die Zahl der Coronavirusträger hat in Bayern die 10.000er Marke, in Niederbayern fast 1.000er Marke erreicht.
Der Landkreis Rottal-Inn hat mit einer Durchseuchung von 141 Menschen je 100.000 Einwohner einen Spitzenwert; Bayern liegt bei 78, Niederbayern bei 81, Passau Landkreis 38 und Stadt 46.

Deutschland hat auf die Bevölkerung gesehen die höchste Ausstattung an Beatmungsgeräten, der Notstand liegt woanders: zu wenig Schutzbekleidung, zu wenig Atemschutzmasken. 

Die Produzenten sind in Asien und USA. Ohne Schutz sind Ärzte und Pflegepersonal nicht in der Lage die Patienten so zu behandeln, wie es sein sollte. Weltweit hat der Kampf um das Schutzmaterial begonnen.

Im Passauer Klinikum sind 1.000 Masken (FFP2) gestern eingetroffen. Mindestens drei Masken pro Tag brauchen Ärzte im Einsatz.

In den USA werden Sanitätsschiffe des Militärs als Notkrankenhäuser vorbereitet. Das Land, viermal so viele Menschen wie Deutschland, steht am Anfang der Krise.

Ein Papst Franziskus ohne Publikum hat angesicht der weltweiten Seuche den Sondersegen "Urbi et Orbi", der Stadt Rom und dem Erdkreis, erteilt.
Ein historischer Moment, wie so viele in dieser Zeit. Dieser päpstliche Segen wird das erste Mal außerhalb der hohen Kirchenfeste, Ostern und Weihnachten gegeben. Seine Mahnung im Gebet: „Wir haben uns von Kriegen und weltweiter Ungerechtigkeit nicht aufrütteln lassen, wir haben nicht auf den Schrei der Armen und unseres schwer kranken Planeten gehört.“

Die konsequenten Kontaktsperren und unser eingeschränktes Leben sind höchst dringlich: In drei Krankenhäusern von Stadt und Land werden derzeit zwei Dutzend Corona-Patienten stationär behandelt; sechs davon liegen auf der Intensivstation.

Gut möglich, dass darunter Fälle aus dem Nachbarlandkreis Rottal-Inn sind, wo Infektionsrate dramatisch ansteigt. Ob das Verhalten der Bevölkerung die Epidemie beschleunigt oder abschwächt, das wird sich nächste Woche zeigen.

Einen sichtbaren Erfolg des angeordneten öffentlichen Stillstands können die Mitarbeiter im Gesundheitsamt in Fürstenzell erkennen: Der Kontaktkreis der Infizierten wird zunehmend kleiner, die Chance, die Ausbreitung unter Kontrolle zu halten, steigt. So wie es die Mediziner vom Robert-Koch-Institut dringend fordern: die Infektionsketten brechen! Das Gesundheitsamt ist mit Mitarbeitern des Landratsamte von einst vier auf zwölf verstärkt worden.

Die Zahl der Todesfälle hat sich in vier Tagen in Bayern verdoppelt auf 52.

Die Lage an den Krankenhäuser im Detail:

  • im Klinikum Passau zehn Patienten, davon zwei auf intensiv;
  • im Krankenhaus Vilshofen zwölf Patienten, davon zwei auf intensiv;
  • im Krankenhaus Rotthalmünster zwei Patienten auf intensiv.
  • im Krankenhaus Wegscheid gibt es keine Intensivbetten. 

Die Kapazität:

  • 85 Isolierbetten in den drei Landkreiskrankenhäusern, davor 39 in Vilshofen.
  • 45 Isolierbetten für Corona-Patienten im Klinikum Passau, davon 34 intensiv; bis zu 27 Patienten können gleichzeitig beatmet werden; 

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Am 23. März hat das Bayerische Gesundsheitsministerim mitgeteilt, dass im Zentrallager des Freistaates 800.000 Schutzmasken eingetroffen seien. Die Seuchenausrüstung werde über die 111 Ortsverbände des Technischen Hilfswerkes an Krankenhäuser und Artpraxen verteilt. Nachtrag: Heute sind 1.000 Masken am Klinikum Passau eingetroffen. Wenn zehn Ärzte sie im Einsatz tragen, mindestens drei pro Tag benötigen, reichen sie für einen Monat.


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26. März, 6. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 28. Tag der Infektionskette.

Corona-Pressekonferenz des Gesundheitsministeriums: Die „Politik ist im Krisenmodus“, die Bevölkerung müsse die „tiefsten Einschnitte in der Geschichte der Bundesrepublik“ ertragen und das Gesundheitssystem bereite sich auf die größte Herausforderung seit 75 Jahren vor.

„Noch ist das die Ruhe vor dem Sturm“, sagt heute Gesundheitsminister Jens Spahn. Die Intensivkapazitäten zu verdoppeln, sei die Anstrengung der Kliniken und Krankenhäusern.

Es seien 300.000 bis 500.000 Test in der letzten Woche durchgeführt worden, „wohl die meisten im Vergleich aller Länder“.

Nach Ostern werde man feststellen: Wo stehen wir mit den Maßnahmen?

Professor Wieler vom Robert-Koch-Institut betont, dass auch Jüngere und Gesunde daran sterben können. Das sehe man in den Nachbarländern. Je mehr erkranken, desto wahrscheinlicher, dass wir solche Fälle erleben.

Die Inzidenz der Seuche ist auf 44 (Infizierte je 100.000 Einwohner) gestiegen deutschlandweit. Vergleich: Hamburg 69, Bayern 61. Wie die Dynamik sich entwickle, könne man nicht abschätzen.

Brisantes Telefonat: Bayerische Händler für Arbeitsschutzbekleidung behaupten, sie könnten Schutzmasken massenhaft aus China einkaufen. Allein die Angst vor Haftung würde sie daran hindern.

"Es gibt keine Lieferprobleme für diese Chinaware", erklärt der Anrufer. Allerdings: Die Händler würden die Finger davon lassen, weil für diese Importe vorgeschriebene Zertifizierungen fehlten; sie sähen sich in der Haftung, wenn solche Masken beispielsweise später im Handwerk benutzt werden und sich als unwirksam zeigen. Die chinesische Norm nennt sich „KN95“, die europäische „FFP1“, FFP2“.

Umgekehrt lässt die Bayerische Staatsregierung bekanntlich bei Textilfabrikanten Stoffmasken (12 Euro das Stück) nähen - Masken ausdrücklich ohne medizinische Zertifizierung. Sie sind frei bestellbar (Lieferzeit nach Ostern).

Anmerkung des Autors: Für die Bevölkerung wäre jedwede Schutzmaske sinnvoll. Sie schützt besser als nichts. Der Virus schlummert bekanntlich in vielen Infizierten ohne Symptome und kann selbst bei feuchter Aussprache übertragen werden. Die "offenen Wunden" des Menschen sind Bindehaut, Schleimhäute in Mund und Nase. 

Frage an die Verantwortlichen: Gelten für den Staat andere Regeln als für die Händler? Warum bestellt die Staatsregierung nicht selbst in China? 

Am 5. Tag der "Ausgangsbeschränkungen" verstärkt sich in der Politik das Kräftezerren: Gesundheit oder Wirtschaft? Humane Medizin oder soziale Härten? 
Ostern müsse Schluss sein, das halte die Wirtschaft sonst nicht mehr durch, sagen die einen; darunter Vizepräsident Hubert Aiwanger. Innenminister Horst Seehofer dagegen plädiert für Disziplin, keinesfalls eine Lockerung der Maßnahmen aus ökonomischen Gründen. Wissenschaftler rufen dazu auf, alles zu tun, die Infektionsketten unter Kontrolle zu halten, zu brechen, die Seuche einzudämmen.

Geschlossene Restaurants und Kantinen: Die Lebensmittellieferanten erleben Rekordumsätze, weil die Menschen öfters Zuhause kochen und essen. Angesichts der Krise werden größere Anschaffungen auf das Notwendige begrenzt, dies führt zu Einbrüchen im Handel, wie man sie noch nie erlebt habe, sagen Marktforscher; auch der Online-Handel läuft gebremst.

Kurzarbeit oder Überstunden abbummeln? „Ich lasse meine Leute Überstunden abbauen, manche gehen in Minusstunden“, sagt ein großer Passauer Autohändler. Kurzarbeit komme für ihn nicht infrage. Er habe die Märzlöhne schon voll überwiesen, die Mitarbeiter brauchten das Geld. "Ich hoffe, dass alle um ns herum nicht krank werden."

Anders die Lage bei dem verschachtelten und weit verzweigten Medienunternehmen „Passsauer Neue Presse“. Hier ist in vielen Gesellschaften und Abteilungen Kurzarbeit eingeführt worden, der Betrieb der beiden Tochtergesellschaften „Am Sonntag“ und „Wochenblatt“ ruht.
 

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25. März, 5. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 27. Tag der Infektionskette.

Im Nachbarlandkreis Rottal-Inn entwickelt sich die Ausbreitung deutlich. 119 Corona-Fälle je 100.000 Einwohner. 

Zum Vergleich: Die durchschnittliche Infektionsrate in Bayern liegt aktuell bei 67, in der Stadt Passau (22 Fälle) bei 42, im Landkreis Passau (54 Fälle) bei 28.

Im Klinikum Passau werden aktuell acht Patienten behandelt. Im Krankenhaus Vilshofen zuletzt sechs, davon zwei auf der Intensivstation.

Der Himmel wird so frei seit vermutlich 70 Jahren nicht mehr. Paris schließt seine Großflughäfen, Russland alle Flüge ins Ausland.

Was in der Welt gerade passiert, fasst die New York Times zusammen

  • Jeder, der New York verlassen hat, soll sich selbst in Quarantäne begeben, fordert Trumps Corona-Koordinator
  • Trump äußert sich empört darüber, das Land schließen zu müssen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen
  • Indiens Premierminister verhängt für 1,3 Milliarden Menschen eine Ausgangssperre
  • In Südkalifornien stirbt ein Minderjähriger an Corona
  • Prominentes Opfer wird der US-Dramatiker Terrence McNally, Jahrgang 1938 ("Opus Christi", "Kuss der Spinnenfrau")

24. März, 4. Tag der "Ausgangsbeschränkungen", 26. Tag der Infektionskette.

Geschlossene Grenzen führen zeitweise zu chaotischen Zuständen in Passau: Heimkehrer gen Osteuropa sitzen fest.

Sanitätsdienste und Feuerwehr sind durch eine neue Fluchtbewegung gefordert. "Es entwickelt sich eine Lage wie 2015, nur in umgekehrter Richtung", berichtet ein Feuerwehrfunktionär. Der Passauer Winterhafen Racklau, im Sommer ein Caravanparkplatz, wird offenbar als provisorischer Übernachtungsplatz eingerichtet. 

Was ist los? Hundert Osteuropäer, darunter Sinti und Roma, offensichtlich auch Erntehelfer, sind wegen der Corona-Krise auf der fluchtartigen Reise in ihre rumänische Heimat. Teilweise in überbesetzten Fahrzeugen, teilweise mit der Bahn. Familien, Kinder, Frauen und Männer. An der bayerische-österreichisch Grenze wird ihnen von den österreichischen Beamten die Einreise verwehrt. Aus verschiedenen Gründen: mangelhafte Papiere, mangelhafte Fahrzeuge, überfüllte Fahrzeuge. 

Die Bundespolizei versucht das Problem in den Griff zu bekommen, hilft angeblich bei der Bürokratie. Die Grenze ist trotzdem zum Nadelöhr geworden, denn Österreich und Ungarn öffnen für diese Rückreisenden einen "Grenzkorridor" nur zu bestimmten Zeiten. "Sie dürfen beispielsweis eum 17 Uhr passieren und müssen sich dann spätestens und 21 Uhr an der österreichischen--ungarischen Grenze melden", erklärt ein Eingebundener.

Da die Menschen notgedrungen in ihren Autos übernachten müssen, die Autobahnparkplätze nicht alle aufnehmen können, wird heute Abend der Hafen Racklau als provisorischer Übernachtungsplatz vorbereitet. "Wir stellen Dixi-Klos auf", sagt ein Helfer.

Ähnlich angespannt war die Lage nach 17 Uhr am Hauptbahnhof durch festsitzende Bahnreisende. Augenschein um 19.30 Uhr: Ein Dutzend Bundespolizisten ist im Einsatz, aber die Ansammlung Wartender ist offenbar aufgelöst. Die Anzeigetafel in der Bahnhofshalle mahnt: "Fahren Sie nur, wenn es unumgänglich ist. Geben Sie Acht auf sich und andere. Fahrplanänderungen: Informieren Sie sich vor Fahrtantritt im Internet."

Der Landkreis Passau erlebt heute mit acht neuen Fällen den "bisher stärksten Anstieg" seit Beginn der Pandemie, schreibt Pressesprecher Christoph Kölbl. Stand nunmehr: 47. Die Infektionsrate liegt mit 24 je 100.000 Einwohner relativ niedrig.

Die Ausbreitung ist regional sehr unterschiedlich. Aus Hessen wissen wir, dass es einzelne Gemeinde heftig treffen kann. Der Passauer Landrat hat verfügt, dass die betroffenen Gemeinde der Öffentlichkeit nicht bekannt gegeben werden. Es handelt sich um fünf verschiedenen Infektionsketten, also Örtlichkeiten, und zehn Einzelfälle. Bisher sei es noch jedes Mal gelungen, alle Kontaktpersonen zu ermitteln und in Quarantäne zu schicken, heißt es. Man habe die Lage also unter Kontrolle.

Ob und wie viele Unterstützer das Gesundheitsamt zur Recherche braucht, werde abgeklärt. Es gibt viele Angebote von Freiwilligen, das Bundesministerium hat eine Ausschreibung veranlasst (zu finden weiter unten).

Im Krankenhaus Vilshofen werden derzeit sechs Corona-Patienten behandelt, davon zwei auf der Intensivstation. Weitere sieben Infizierte sind am Klinikum Passau in Behandlung.

In Passau hat sich die Zahl der registrierten Corona-Virusträger um um drei weitere erhöht: zwei Frauen, 33 und 55 Jahre alt, und ein 31-jähriger Mann. Damit sind es 17 Fälle und die Infektionsrate ist auf 33 je 100.000 Einwohner gestiegen. Deutscher Durchschnitt: 38. Italien: 107.

Der Passauer Bischof lädt die Gläubigen morgen ein, mit ihm den Rosenkranz zu beten, wenn um 15 Uhr die Seuchenglocken läuten.

Die Weltbürger sind durch Grenzen und Reisesperren getrennt wie in ihrer Geschichte - aber im Schicksal wie Brüder vereint. 
"Unser Premierminister hat gerade den nationalen Ausnahmeszustand ausgerufen", schreiben Freunde aus Indien, die vor zwei Jahren beim Auslandsstudium in Passau waren. Das öffentliche Leben ruht dort seit heute Mittag wie in Bayern, mit strenger Ausgangssperre.

Muss eine landesweite Massenbewegung von Studentinnen und Studenten, die in Kürze an ihre Studienorte zurückkehren, unterbunden werden? Viele kehren in Bayern zum 1. April in neue oder alte Unterkünfte zurück, neue Kontaktgruppen bilden sich in Wohngemeinschaften.

Gesundheitsministerin Huml und Bildungsminister Silber stehen vor einer entscheiden Frage, die sie angesichts der Kontaktsperren und Ausgangsbeschränkungen in der Corona-Krise baldmöglichst zu klären haben: Ist es realistisch, dass die Universitäten am 19. April wieder öffnen? Wollen wir in den nächsten Tagen eine neue Reisebewegung im Land lostreten? 

Die Zeit drängt. 400.000 Studenten, von denen viele nicht am Heimatort studieren, würden sich nach und innerhalb Bayerns bald in Bewegung setzen, um ihre Studienorte aufzusuchen. Jeder dritte wohnt in einer Wohngemeinschaft, es bilden sich nach der Rückkehr in den Studienorten neue Kontaktgruppen.

Mietbeginn ist meist 1. April
Ihre neue Bleibe oder einen Wechsel in Wohnungen, Studentenwohnheime und Wohngemeinschaften haben die meisten ab 1. April gebucht. Wie viele der zigtausenden Austausch- und Auslandsstudenten werden zusätzlich anreisen?

Umziehen, gemeinsam Möbel schleppen, Wohngemeinschaften oder Hausstand gründen und auflösen. Allein in Passau gibt es 12.000 Eingeschriebene. Im Vorfeld des Semesterbeginns würde wohl in wenigen Tagen dieses rege Treiben einsetzen, falls es nicht schon begonnen hat. Das ist angesichts der Corona-Ausbreitung von Virologen sicher nicht erwünscht.

Residenzpflicht für Frischluftsuchende
Im Gegenteil: Bürgermeister von Touristenorten, die beliebte Ausflugsziele sind, fordern eine "Residenzpflicht", wie wir sie von Asylbewerbern kennen. Sie sehen ein erhöhtes Corona-Risiko durch Frischluftsuchende, die über Landkreisgrenzen hinweg mit dem Auto anfahren. Manche Ausflugsgebiete haben zur Warnung Wanderwege und Parks gesperrt.

Stress für Risikogruppen
Wenn Studenten in Hunderten Häusern ein- und ausziehen, zurückkommen, ist das für die betagteren Bewohner zusätzlicher Stress. „Ich vermeide jede Begegnung mit den jungen Leuten im Hausflur, das wird jetzt schwierig werden“, sagt eine 82-jährige Altstadtbewohnerin. In Ihrem Haus wohnen fast ausschließlich Studenten, erzählt sie.

Die Beobachter vom Robert-Koch-Institut, welche die anonymen Handydaten der Bevölkerung aufzeichnen und auswerten lassen, dürften angesichts der studentischen Reiseaktivitäten, der neuen Massenbewegung im Land in große Sorge geraten. Der Reisende und seine Begegnungen, und nur dieser Umstand, haben bekanntlich das Virus weltweit verbreitet.

Unipräsidenten warten auf Anweisung
In einer Videokonferenz haben sich die Unidirektoren vor Kurzem beraten. Man warte auf Anweisung vom Ministerium, sagt eine Uni-Pressesprecher auf Anfrage.

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23. März, 3. Tag der "Ausgangsbeschränkungen", 25. Tag der neuen Infektionskette.

In Klinikum Passau werden derzeit sieben Corona-Patienten behandelt.
Keiner von ihnen muss künstlich beatmet werden. 26 Beatmungsgeräte stehen bereit. Einer der Ersterkrankten hatte entlassen werden können.

Wie Pressesprecherin Elke Zanner auf Anfrage berichtet, haben Kräfte des Katastrophenschutz mittlerweile ausreichend zusätzliche Schutzanzüge und Desinfektionsmittel geliefert. Dringend Nachschub benötige man bei den Schutzmasken. Weitere Beamtungsgeräte seien angefordert, weil man "mit dem Höhepunkt der Coronawelle erst rechne", lässt Werksleiter Stefan Nowack mitteilen. Im Ernstfall würden Ärzte anderer Abteilungen in die Coronabehandlung eingebunden, Mitarbeiter aus dem Ruhestand zurückgeholt. Was die Nachfrage anbelangt, ausländische Ärzte zu akquirieren, die Passau an ihrer Zulassung arbeiten, meint Nowack: "Mit diesem Thema haben wir uns noch nicht beschäftigt." Wichtig sei es auf Kräfte zurückzugreifen, die sich in den Abläufen auskennen. Um neue anzulernen fehle die Zeit.

Im Stadtgebiet ist die Zahl der Coronavirus-Infizierten auf 16 geklettert; Altersdurchschnitt 52, zehn Männer, sechs Frauen. Die jüngste Betroffene ist eine 22-jährige Frau, der älteste Patient ist 84. Aus wie vielen verschiedenen Kontaktkreisen die Virusträger stammen, wird nachberichtet. 

Rettungsdienst: Notärzte und Rettungssanitäter sind ab sofort angewiesen, bei allen Einsätzen Schutzkleidung zu tragen.

Stadtverkehr: Autofahrer mit Anwohnerparkausweisen dürfen auf gebührenpflichtigen Parkplätzen kostenlos parken. Da die meisten Fahrzeuge nicht in Betrieb sind, mangelt es an Platz.

Einkaufen: Wer lokalen Handel und Gastronomie unterstützen mag, die Citymarketinggemeinschaft veröffentlicht auf ihrer Seite neue Angebote zu Versand und Lieferung.

Tourismus: In der Corona-Krise ist die Flusskreuzfahrt genau so gestoppt wie die Seekreuzfahrt: Alle Passauer Anlegestellen sind bis auf Weiteres für Kreuzfahrtschiffe gesperrt.

Müllentsorgung: Wer seine Abfälle zum Recyclinghof bringt, muss sich auf eingeschränkte Öffnungszeiten und Wartezeiten einstellen. Die Zufahrt wird wegen der Kontaktsperre reguliert. Hier alle Infos

Ausländische Ärzte, Medizinstudenten, Asylbewerber. Wie können diese Personengruppen in der Corona-Krise hilfreich werden?

Die Bezirksregierung in Oberbayern ist bayernweit dafür zuständig, dass ausländische Ärzte, die auf ihre Zulassung hinarbeiten, im Notfall kurzfristig einspringen können.

Beispiel Passau: Ein 42-jähriger Internist aus Südamerika, an Beatmungsgeräten ausgebildet, sitzt Zuhause, weil seine Volkshochschulkurse ruhen. Seine Unterlagen sind beim Notar, aber der einzige staatliche Dolmetscher will 1700 Euro für die Übersetzung. Der Bezirk Oberbayern hat für solche Ärzte bereits bürokratische Hürden erlassen, damit sie befristet bis Ende des Jahres die Kliniken unterstützen können.

Wie kann man Ärzte wie den genannten Internisten rascher ins System bringen, sie bei finanziellen und bürokratischen Hürden unterstützen?

Das Robert-Koch-Institut ruft Medizinstudenten auf, sich zu bewerben, um mit einem freiwilligen Urlaubssemster - gegen faire Bezahung - die Gesundheitsämter zu unterstützen; sie sollen bei der Recherche der Kontaktpersonen zu Infizierten mithelfen, um die Ausbreitung unter Kontrolle zu halten. Wie kommen konkret die Gesundheitsämter an diese Freiwilligen? Wer koordiniert das? Wo schlagen die Bewerbungen auf? Zuständig ist an erster Stelle das Bayerische Gesundheitsministerium.

In den Unterkünften sitzen Asylbewerber - in der Seuche gefährlich - auf engsten Raum, haben keine Arbeitserlaubnis. Wird darüber nachgedacht, diese als Freiwillige in der Landwirtschaft einzubinden, die jetzt mangels Erntehelfer aus den osteuropäischen Ländern Notstand hat? Zuständig für solche Sonderregelungen wäre wohl in erster Linie das Bayerische Landwirtschaftsministerium. 

Kurzarbeiter dürfen sich in der Landwirtschaft Geld dazu verdienen, ohne Abzüge befürchten zu müssen. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) bei Kurzarbeit 60 Prozent des Lohns, für Beschäftigte mit Kindern 67 Prozent. Die Sozialabgaben, die auf den ausgefallenen Lohn fällig wären, übernimmt die Arbeitslosenversicherung.

Das Bayerische Gesundsheitsministerim teilt mit, dass im Zentrallager des Freistaates 800.000 Schutzmasken und 235.000 Flschen Handdesinfektionsmittel eingetroffen seien. Die Seuchenausrüstung werde über die 111 Ortsverbände des Technischen Hilfswerkes an Krankenhäuser und Artpraxen verteilt.

700.000 Masken hatte der Freistaat gekauft, 100.000 das stillgelegte BMW-Werk beigesteuert. Bayerische Textilfirmen prodzuzieren neuerdings statt Mode oder Autositzbezüge Schutzmasken.

In Mitterteich stellen die Glaswerke Schott Glasröhrchen her, die weltweit für Spritzen und Ampullen benötigt werden. Die Produktion unter den Auflagen der Kontaktsperre aufrecht zuerhalten, ist ein Herausforderung für jeden Betriebet: Das Schott-Werksgelände sei in 23 verschiedene Zonen aufgeteilt worden, in denen sich eine begrenzte Zahl von Beschäftigten abgetrennt voneinander bewegen können, teilt das Ministerium mit. 

Telefonat mit dem Klinikum Passau: Bei den 14 Beschäftigten, die positiv getestet wegen des eingeschleppten Corona-Virus in Isolation sind, soll es sich nicht ausschließlich um Ärzte handeln. Eine genaue Zahl über betroffene Mediziner und Pflegepersonal wurde nicht genannt.

Bei Quarantäne soll es für Kontaktpersonen, die im Gesundheitswesen arbeiten, Lockerungen geben. Dies hat das RKI heute bekannt gegeben. Wer ohne Symptome ist, dürfte unter entsprechenden Schutzmaßnahmen weiterarbeiten. 

Aus der Morgenkonferenz des Robert-Koch-Instituts zur aktuellen Lage:
Dynamische Entwicklung, Gesundheitsämter mit Medizinstudenten verstärken, alle Anstrengungen unternehmen, die Ausbreitung unter Kontrolle zu behalten.

Wie stark ein Land, eine Region und dessen Gesundheitswesen von der Corona-Pandemie belastet ist, sagt die sogenannte Inzidenz, dieser Wert:
Wie viele Fälle je 100.000 je Einwohner? Denn der Vergleich der absouten Zahlen hat keine Aussagekraft.

Dramatisch ist nach wie vor die Lage in Italien, am Beginn der Epidemie stehen die USA. 

  • 89 Fälle je 100.000 Einwohner in Italien.
    53.587 Fälle, mehr als 4.827 Tote.
  • 27 Fälle je 100.000 Einwohner in Deutschland.
    22.276 Fälle, plus 4.000; 86 Tote und 2.809 Genesene.
     
  • 8 Fälle je 100.000 Einwohner die USA.
    26.000 Fälle, plus 7.000.

Der Autor errechnet: Würde die Lage Italiens in Deutschland eintreten, hätten wir knapp 74.000 Infizierte, davon 20 Prozent Schwererkrankte, die klinischer Behandlung bedürfen, also knapp 15.000 Patienten. Gespiegelt auf die USA: 300.000 Corona-Infizierte, 60.000 Klinikpatienten. 

In Deutschland führt Hamburg mit 55 Fällen je 100.000 Einwohner die Infektionsrate an, Sachsen-Anhalt liegt bei 10 am unteren Ende. (Die Inzidenz unserer Region wird  in Kürze nachgetragen)

„Wir sehen weltweit unterschiedliche Dynamiken, aber Fallzahlen und Verstorben nehmen zu“, sagt RKI-Professor Wieler. Er nennt die deutsche Strategie einen "Dreiklang":

  • Konsequente Eindämmung
  • Schutz der Risikogruppen
  • Ausbau der Kapazität in der ärztlichen Versorgung, vor allem mit Beatmungsgeräten und Intensivbetten

Größte Anstrenung: Kontrolle über Ausbreitung behalten
„Es ist und es bleibt wichtig, Infizierte und Kranke so früh wie möglich erkennen“, sagt Wieler. Virusträger isolieren, Kontakte identifizieren und in Quarantäne schicken. Bei dieser zunehmend schwierigen Aufgabe, Verdoppelung der Fälle derzeit alle drei Tage, sollen Medizinstudenten die Gesundheitsämter unterstützen. Es gelte die „Infektionsketten zu brechen.“

Studenten sollen Gesundheitsämter unterstützen
Medizinstudierende, die ein Urlaubssemester einlegen wollen, können sich für eine sechsmonatigen Corona-Einsatz bewerben, die Gesundheitsämter bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Es geht vor allem darum, die Kontrolle über die Ausbreitung zu behalten, Kontaktpersonen von Infizierten zu ermitteln, diese anzurufen, die Statistiken weiterzuschreiben. Ausschreibung.

Kluft zwischen "Wissen und Handeln"
In Zusammenarbeit mit der Universität Erfurt werden Befragungen durchgeführt, die belegen: Der Anteil der Bevölkerung, die das Risiko wahrgenommen haben, ist deutlich gestiegen. „Aber zwischen Wissen und Handeln liegt noch immer eine Kluft.“ 

Aus eigener Erfahrung weiß man: Verhalten ändert sich, wenn es zur Gewohnheit wird. Abstand halten, Hände waschen.

Der Autor ergänzt: Die Vorstellung im Kopf behalten, jeder Mitmensch wäre schwer grippekrank. Könnten und würden wir beim Verlassen der Häuser alle Schutzmasken tragen, wie in vielen anderen Ländern, wären jeder Einzelne besser sensibilisiert und alarmiert. Jeder Schutz ist besser als keiner. 

Gute Nachricht: starke Testkapazität
Deutschland mangelt es an Schutzbekleidung, aber liegt bei den Laborkapazitäten für Tests „im Vergleich zu vielen anderen Ländern weit vorne“, sagt Wieler. 

Frühestens ab Mittwoch wird sich zeigen, ob die Maßnahmen greifen, ob sich die Deutschen konsequent und solidarisch verhalten, ob es wirkt.

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22. März, 2. Tag der "Ausgangsbeschränkungen", 24. Tag der neuen Infektionskette.

Die Nachrichtenlage überschlägt sich: Deutschland wird ab sofort von einer Kanzlerin aus dem "Home Office" regiert. Der ersten Quelle, es war Regierungssprecher Seibert, wollte man kaum glauben: Der Arzt, der Merkel gegen Pneumokokken geimpft hat, ist auf Corona "positiv" getestet worden; die Kanzler muss jetzt - wie alle Kontaktpersonen Infizierter - in 14-tägige häusliche Quarantäne.

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Kanzlerin Merkel schafft klare Regeln für alle: strenges Kontaktverbot statt strikte Ausgangsperre; gilt für mindestens 14 Tage.

  • Maximal zu zweit nach draußen: Wer allein ist, darf mit einer Person zusammen oder - Ausnahme - mit den Mitgliedern seines Hausstands sich bewegen. 
  • Mindestens 1,50 Meter Abstand: zum Beispiel beim Einkauf, in der Warteschlange, im Bus.
  • Individueller Sport erlaubt; keinem wird verboten, an die "frische Luft" zu gehen.
  • „Gruppen feiernder Menschen sind drinnen und draußen inakzeptabel“
  • In der Gastronomie sind nur Liefer- und Abholdienste erlaubt, für Verzehr Zuhause
  • Sämtliche Dienstleistungen für Körperpflege geschlossen, auch Tattoo-Studios.
  • Alle Betriebe mit Publikumsverkehr müssen Schutzmaßnahmen für Besucher treffen

Merkels Appell: „Bitte ziehen sie alle mit!“ Sie lobte, dass „Abermillionen aus Gemeinsinn und Fürsorge“ sich an die Beschränkungen bereits halten. Das Allerwichtigste sei die „Abstandsregeln“ einzuhalten, wiederholt sie. Das Risiko reduziere sich nahezu auf null ab 1,50 Meter.

23.190 Infizierte und 93 Tote ist aktuell der Corona-Stand in Deutschland.

„Mein Leben besteht im Wesentlichen aus Telefonaten und Videokonferenzen“, sagt Merkel auf die Frage eines Bildreporters zu ihrem persönlichen Verhalten. Sie fahre nirgendwo mehr hin.

„Tun Sie, was richtig ist für unser Land, zeigen Sie Vernunft und Herz“, sagt Merkel. Wir schuldeten den Gesundheitsdiensten dafür zu sorgen, dass sich das Virus nicht zu rasch ausbreite.

Um 22 Uhr befasst sich heute "Anne Will" in ihrer Talkshow mit dem "Ausnahmezustand." Gäste: Ministerpräsident Markus Söder, Virologin Melanie Brinkmann, Bundeskanzleramtschef Helge Braun, Notaufnahme-Chefärztin Bernadett Erdmann, Kripo-Bundesvorsitzender Sebastian Fiedler.

Das Landratsamt Passau meldet um 16 Uhr, dass die Zahl der Infizierten im Landkreis auf 36 gestiegen ist. Die Statistik des Gesundheitsministeriums in München hängt am Wochenende hinterher, nennt den Stand vom Freitag: 25.

Die "Ausgangsbeschränkungen", der Autor nennt sie "bedingte Ausgangsperre", werden wohl in Kürze bundesweit angepasst. Maximal zwei Menschen dürfen sich draußen versammeln; gemeint ist wohl aus demselben Haushalt, da beim Treffen verschiedenen Haushaltsmitglieder die Ansteckungsgefahr wieder gegeben wäre. Die Mediziner gehen davon aus, dass viele Menschen bereits infiziert und ansteckend sind, aber es mangels Symptome nicht wissen.

Großbritannien kratzt Kurve: Corona-Schutz
Brexit-Brite Boris Johnson gehörte wie Trump zu den Corona-Krisenverweigerern. Er wollte das Land der Seuche ausliefern, abwarten, bis die Immunität der Massen eingetreten, die Gefahr vorüber ist. Heute lenkt er um: Pubs, Restaurants sofort schließen! Er hat offenbar eingesehen, dass sein Gesundheitssystem die Krise nicht stemmt. 

Erdbeben in Seuchenzeiten
In Kroatien ist Zagreb von zwei Erdstößen erschüttert worden. 17 Verletzte. Wegen der Coronakrise wird den Helfer "Mindestabstand" empfohlen. Wie soll das gehen?

Viren-"Spritzschutz" für alle Kassiererin
Recherche dieses Journalisten, Gespräch mit Ärzten: Die "Bediensteten an der Front", die abends wieder zuhause bei ihren Liebsten sind, brauchen dringend Schutz: Andere Länder haben längst Masken und Schutzkabinen aus Plastikfolie für Supermarktkassiererinnen. Das Virus wird durch Niesen, Husten und selbst feuchte Aussprache übertragen. Die Bindehaut ist bei Tröpcheninfektionen eine Schwachstelle des Menschen, deshalb ist Augenschutz besonders wichtig. Handschuhe helfen allenfalls, ihren Träger stets daran zu erinnern, dass er sich nicht ins Gesicht, an Mund oder Nase fassen, die Augen reiben soll. Einweghandschuhe nach dem Gebrauch korrekt abstreifen und entsorgen, Stoffhandschuhe desinfizieren und waschen. 

Postler und Kuriere schutzlos
Eine Postbotin erzählt, dass man nur eine "fünfminütige Einweisung" erhalten habe. Es gebe Desinfektionsspray am Arbeitsplatz, aber das dürfe für unterwegs nicht mitgenommen werden, zähle als Diebstahl. Dass der Empfänger nicht mehr jeden Empfang bestätigen muss, Unterschrift leisten, ist bereits angeordnet worden. "Handschuhe müsste ich mir selbst besorgen", sagt sie. 

Deutschland hat keine Schutzmasken für die Bevölkerung. Es ist zur Herausforderung geworden, wenigstens Ärzte und Pflegekräfte "an der Front" zu versorgen. Mitarbeiter häuslicher Pflegedienste, welche die schwächsten Mitglieder in dieser Pandemie betreuen, müssen notgedrungen auf diesen Schutz verzichten; passiv wie aktiv. 

Wie der Journalist es macht
An dieser Stelle möchte ihnen der Journalist kurz erzählen, welche Prozedur zum Eigenschutz in seiner Hausgemeinschaft und im Büro (es wird getrennt benutzt) seit mehreren Tagen eingeführt worden ist: Wer vom Einsatz zurückkommt, legt Handy, Schlüssel, Brieftasche auf einem Tablett ab; dort werden sie desinfiziert. Derweil das Spray einwirkt (30 Sekunden), übt sich der Besitzer in der Handhygiene 2020, danach nimmt er seine Utensilien wieder auf. Mit gewaschenen Händen das ungereinigte Handy wieder anzufassen, das war jedem schnell klar, wäre wirkungslos. Das Ziel ist erreicht, die Prozedur ist selbst im Stress zur Gewohnheit geworden. 

Maske und Brille verringt Infektionsrisiko
In TV-Sendungen wird von Verantwortichen oft betont, dass Schutzmasken über - das medizinische Personal hinaus - nur für Infizierte sinnvoll sei. Frage: Würde das nicht zur Stigmatisierung führen? Maskenträger sind Coronavirusträger? Der Notstand ist beschämend. Es fehlte an der Vorsorge, an Vorräten.

Ein Mediziner, der diesen Autor berät, erklärt: "Selbstverständlich würde eine Schutzmaske jedem nützen: Man kann sich nicht mehr selbst an Nase und Mund fassen, das schützt unterwegs besser als Desinfektionsspray oder Handschuh - verringert die Infektionsgefahr". Er empfiehlt wegen der gefährdeten Bindehaut unbedingt zusätzlich eine Brille.

Maske und Brille schützen selbstverständlich bei der Begegnung in öffentlichen Räumen, wie im Supermarkt. (siehe dazu weiter oben "Viren-"Spritzschutz" für alle Kassierinnen)

Gesundheit, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Bildung und Soziales - alle Lebensbereiche sind berührt; 83 Milllionen Bürger sind betroffen. Die Unbekümmerten und die Besorgten, die Wissenden und die Uninformierten. Für die Medien wird es zur Mammutaufgabe, das einzufangen, Fragen abzutragen, Orientierung zu geben. 

Jörg Schönenborn hat im ARD-Presseclub mit Gästen zu Corona diskutiert. Er muss erfahren, das dieses Thema jeden Rahmen sprengt. Zeitlich und inhaltlich. 

Standpunkte aus der Sendung:

  • Acht Millionen Menschen gehen nicht in die Schule. Wiir brauchen kostenlose neue Software, dass Lehrer ihre Schüler über Bildschirm unterrichten können. 
  • Im Gegensatz zur Spanischen Grippe vor 100 Jahren oder der Pest vor 700 Jahren im Mittelalter kann der Mensch heute auf fortschrittliche Strukturen zählen: Intensivmedizin und digitale Kommunikation.
  • Obdachlose haben ein riesiges Problem; Versorgung, Unterkünfte und Spenden fallen weg. Sie dürfen nicht vergessen werden.
  • Das Fernsehen ist gefordert, denjenigen Menschen Stütze zu sein, die nicht das Glück haben in einem Haus mit Garten zu wohnen, die sich in ihre kleinen Wohnungen zurückziehen müssen.
  • Schutzmasken für alle? In Asien sei die Atemmaske gegen schlechte Luft „kulturell“ bedingt. Für Klinikpersonal und Infizierte sei sie sinnvoll, für die anderen nicht. Handschuhe zu tragen sei nicht verkehrt, es erinnere den Handschuhträger: Fass Dich nicht ins Gesicht!
  • Die Grenzen des globalen Handels lassen sich erkennen, der Mangel fehlender Autonomie: Ein Europa oder Deutschland, dass keine Wirkstoffe herstellen kann, um eigene Medikamente zu produzieren, darf es künftig nicht mehr geben.
  • Es wächst neue Solidarität: China hilft den Italienern. Aber auch umgekehrt: Export von Schutzbekleidung wird verboten.
  • Stadt und Land: In dünn besiedelten Gebieten lässt sich leichter die Kontrolle über das Virus gewinnen; dort sind eventuell Massentests angebracht.

Die Diskutierenden waren: 

  • Cerstin Gammelin, Süddeutsche Zeitung
  • Cornelia Schmergal, Der Spiegel
  • Christiane Woopen, CERES, Uni-Köln / Europ. Ethikrat
  • Ranga Yogeshwar, freier Wissenschaftsjournalist

Vom Autoindustrieland zum Vorreiter autarker Öko-Strukturen?
Nachtrag des Autors zur Sendung: Autarke Versorgung für wichtige Lebensbereiche ist nicht nur in der Krise hilfreich, auch ökonomisch (Arbeitsplätze) und ökologisch (kurze Wege) sinnvoll. These: Corona wird ein tiefgreifendes Umdenken bringen, mit positiven Auswirkungen, die sich heute noch keiner vorstellen kann. Neue Produktionsstätten werden wachsen und neue Arbeitsplätze geschaffen. Deutschland erkennt, dass man vom Auto allein nicht leben kann. 

Am Ende klappt´s nicht, weil ein Stück aus China fehlt
Ein Bayerwald-Unternehmer im produzierenden Gewerbe im Telefonat vorgesterm sinngemäß: Am Ende erkennt man, dass man irgendein Produkt nicht auf den Markt bringen kann, weil der Schraubverschluss aus China fehlt. 

So blau war der Himmel lange nicht mehr
"Schon gemerkt, der Himmel ist blau wie nie. Kein Flugzeug, kein Kondensstreifen." Der Anruf eines BB-Fotografen. Stimmt. Der Luftkorridor über Passau ist an diesem Sonntag fast leer. Am Abend ziehen zwei Urlaubsflieger vorüber, Heimkehrer in ein Deutschland im Ausnahmezustand: aus Thailand mit Ziel Fankfurt, aus Ägypten mit Ziel Düsseldorf.

Argentinien greift rigoros durch
Neue Nachricht aus Südamerika, wo der ehemalige Passauer BR-Korrespondent Ivo Maruczyk sitzt: 3.000 Menschen sind in Argentinien verhaftet worden, weil sie gegen die Ausgangssperre verstoßen haben. Unternehmen, deren Mitarbeiter „an der Front arbeiten“ – Stichwort Supermarktkassiererin – sind verpflichtet, diese mit Schutzbekleidung auszustatten. Es gibt daran offensichtlich keinen Mangel. Fotos zeigen Menschen auf der Straße, die alle die teuren FFP3-Masken tragen; und es gibt solche Lösungen: An den Kassen sitzen Mitarbeiterinnen hinter einer Schutzfolie.

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21. März, 1. Tag der "Ausgangsbeschränkungen", 23. Tag der neuen Infektionskette.

Es sind stets Reisende, die den Virus einschleppen und verbreiten. In Passau soll es den neuen Corona-Fall eines Krankengymnasten geben, der beim Skiurlaub in Österreich war. Er behandelte danach Patienten, wurde krank und ließ sich testen. Wie viele Kontaktpersonen, darunter vermutlich behandelte Kunden, in Quarantäne müssen, wird der Reporter am Montag vom Gesundheitsamt erfahren.

Corona-Kranker soll hohe Strafe zahlen 
Ein Mann um die 30 aus Argentinien soll umgerechnet 100.000 Euro Strafe zahlen, weil er für die Heimreise von Uruguay als Corona-Kranker an Bord eines Schiffes gegangen war. 400 Passagiere sind seit heute in Quarantäne. Der Fieberkranke war nach Ankunft getestet worden – positiv. Argentinien steht am Anfang dieser Seuchenausbreitung.

"Ich glaube, für jeden vernünftigen Menschen ist klar, dass wir in dieser Situation keine vollen Biergärten oder Wirtsstuben akzeptieren", lässt sich Innenminister Joachim Herrmann am Abend in einer Pressemitteilung zitieren. Seine Polizeikräfte würden das Gastronomie- und Gruppenverbot im Freien "konsequent und mit starken Kräften kontrollieren". Seine Bilanz vom ersten Tag: Die meisten Menschen halten sich daran, die Polizei hatte in ein paar Fällen "kleinere Gruppen" auflösen müssen. Das nasskalte Wetter kam der Anordnung zur "vorläufigen Ausgangsbeschränkung" zugute.

Corona stützt ungeliebte Regimes
In Südamerika bedeutet die Corona-Krise erste Rückschläge für die Demokratie. Bolivien verschiebt die für 3. Mai geplanten Wahlen auf irgendwann. Die umstrittene Übergangsregierung bleibt also wesentlich länger im Amt als gedacht. Chile verschiebt das Referendum über eine neue Verfassung auf Oktober. "Beide Schritte sind verständlich und gerechtfertigt - trotzdem bleibt unterm Strich: Corona ermöglicht in beiden Ländern, dass ein Ancien Régime, dem längst die Tür gewiesen wurde, sich noch eine ganze Zeit an der Macht bleiben kann", schreibt BR-Korrespondent Ivo Maruczyk.

Rathaus im Notbetrieb
In Passau ist der politische Betrieb eingeschränkt worden. Es wird keine Stadtratssitzungen aller 44 Mitglieder geben. Die Stadträte treffen sich wie in Ferienzeiten in Ausschussgröße, 13 Mitglieder. Wenige Tage nach der Kommunalwahl hatte die Nachricht das Rathaus erschreckt, dass sich ein CSU-Mann, dem Chancen als Vizebürgermeister zugeschrieben werden, mit Corona Infiziert hat.

PNP-Verlegerin nimmt Anzeigenblätter vom Markt
Die kostenlosen Wurfblätter stapeln sich vor Haustüren und in Fluren. Damit ist es erstmal vorbei. Die "Am Sonntag" und das "Wochenblatt" werden mindestens sechs Wochen lang nicht erscheinen. Anzeigenblätter finanzieren sich, wie der Name schon sagt, ausschließlich von Anzeigen. Handel und Gewerbe stehen größtenteils still, die Einnahmen sind versiegt. Womit Druck und Vertrieb bezahlen? Dies hat PNP-Verlegerin Tucci Diekmann dazu veranlasst, diese Gratisprodukte zu stoppen. 

Wie geht´s weiter mit Bürgerblick?
Das Lokalmagazin des freien Journalisten Hubert Jakob Denk ist ebenso von der Corona-Krise betroffen. "Als Kaufzeitung kann ich wenigstens auf zahlende Leser und Abonnenten vertrauen, die bei gut verkauften Heften etwa ein Drittel der gesamten Kosten einbringen", sagt der Autor in eigener Sache. Die Ausgaben summieren sich zu einer kleinen fünfstelligen Summe: Druck, Vertrieb, Büromiete und Nebenkosten, freie Autoren und freie Fotografen, Lohn für den einzigen Angestellten und den Herausgeber. 

Die Bürgerblick-Druckerei "Passavia", unser Partner in der Sperrwies, hält den Betrieb aufrecht und hat signalisiert, dass sie den Druck einer Notausgabe unterstützt. Wir arbeiten daran unter erschwerten Bedingungen, denn alle Mitwirkenden sind Zuhause. Der Herausgeber selbst bedient seit Beginn der Infektionskette, seit 2. März, tagtäglich fast nonstop diesen Nachrichtenlauf; mit Zuarbeit unterstützt von Mitgliedern der Lehrredaktion.

"Krisenzeiten sind für Journalisten Schwerstarbeit, denn sie haben als Dienstleister für Gesellschaft und Demokratie die Aufgabe der Informations- und Dokumentationspflicht."

Die Inhalte von Anzeigenblättern, das zeigt die Entscheidung der Verlegerin, scheinen in diesen brisanten Zeiten keine Relevanz zu haben. Genaugenommen handelt es sich um keine Presseprodukte, der Autor hat dies schon oft angeführt, denn sie erfüllen die ethischen Normen nicht. Sie sehen sich dem Presserat nicht verpflichtet, können deshalb bei Fehltritten nicht gerügt werden.

Der Eindruck des Autors: Ehrlicher Journalismus erlebt in der Corona-Krise eine Renaissance. Dies bestätigen aufmunternde Anrufe. Es gibt so viele Dinge, die sich in diesen Zeiten neu ordnen, den Blick in die Zukunft verändern, bisherige Ziele infrage stellen. 

Erster Coronafall in ZF
Die Zahnradfabrik in Passau, 4.000 Mitarbeiter, fährt ihre Produktion bis kommenden Freitag komplett herunter. „Das dauert ein paar Tage, denn Licht ausschalten und Tür zu, so einfach geht das bei uns nicht“, sagt Pressesprecher Gernot Hein. Die Eisenhärterei muss abgekühlt werden. Unabhängig vom angeordneten Produktionsstopp zum Schutz der Mitarbeiter: Der erste ZF-Beschäftigte ist an Corona erkrankt. Er hatte am Montag den Arbeitsplatz verlassen, weil er sich unwohl fühlte. Dann erfuhr er, dass sein Sohn positiv getestet worden ist. Der hat das Virus vom Skiausflug in Ischgl, Tirol, eingeschleppt, den Vater angesteckt. Gestern Abend wurde das Testergebnis bekannt. Der ZF-Mann muss in häusliche Isolation, zehn seiner Arbeitskollegen, die mit ihm Kontakt hatten, in häusliche Quarantäne.

Bayerischer Mundschutz
Die Atemmaske, die Mund- und Nase schützt, ist in Bayern ein heikles Thema. Es gibt für die Allgemeinheit keine zu kaufen, nicht einmal die einfache OP-Maske, ein 10-Cent-Produkt. Söder hat in der Not unter anderem den schwäbischen Modehersteller Trigema für eine bayerische Eigenproduktion gewonnen. Textiler Mundschutz, keine medizinische Zertifizierung, bei 90 Grad waschbar, Stück für 12 Euro. Lieferbar laut Internetseite nicht vor Ostern.

BMW hat nach seiner Werksschließung der Staatsregierung 100.000 Stück Schutzmasken geschenkt. Würde Söder allen 30.000 bayerischen Klinikärzten je drei Stück geben, ihr Mindestbedarf für einen Tag, am Beginn des zweiten Tages wären sie aufgebraucht.

Desinfektionsmittel vom Schnapsbrenner
Ein Schnapsbrenner in Waldkirchen kann sich vor Anfragen aus dem Gesundheitswesen nicht retten: 10.000 Liter Ethanol, die letzte Lieferung, lagern in seinem Tank. Es ist der Grundstoff, aus dem Obstbrände, aber auch und Desinfektionsmittel hergestellt werden können. Bei Ethanol ist es wie bei der Schutzkleidung: vergriffen! Der Schnapsbrenner will dorthin verkaufen, wo es am nötigsten gebraucht wird, ausschließlich an Kliniken. Er wundert sich, dass der jetzt so wichtige Stoff nach wie vor ins Benzin gemischt wird: E10 - zehn Prozent Ethanol.

Geschlossene Grenzen 1: Heimkehrer sitzen fest
Reisen durch ein Europa der geschlossenen Grenzen ist zum Nervenkrieg geworden. Für Lkw-Fahrer, die Waren transportieren und im Stau der Kontrollen stehen, für Privatreisende, die auf der Heimreise mehrere Länder durchfahren müssen. An der Grenze Passau-Achleiten sitzen heute stundenlang mehre Autofahrer fest, darunter eine Familie mit Kindern. Österreich hat bis 18. Juni seine Grenzen für Einreisende offiziell geschlossen und lässt nur Berechtigte durch. Um 16 Uhr durften die Reisenden gen Osten weiterfahren: Österreich hatte nach Absprache mit den deutschen Behörden einen „Grenzkorridor nach Ungarn“ freigegeben.

Geschlossene Grenzen 2: Lieferengpässe für Gemüse aus Italien
Milch und Käse, Kartoffeln und Karotten. Wir produzieren für den Export, also mehr als wir selbst verzehren können. Die Lager und Tanks sind voll. Anders sieht es bei Früchten aus, die bei uns noch keine Saison haben und aus Italien importiert werden: Tomaten, Fenchel, Brokkoli, Zucchini. „Hier könnte es Engpässe geben, denn die Lkw-Fahrer kommen nur langsam voran“, erzählt die Inhaberin eines niederbayerischen Öko-Lieferdienstes. Die Gründe summieren sich: die Situation in Italien, die Grenzkontrollen, neue Vorschriften. Wegen der Ansteckungsgefahr dürfen sich Lkw-Fahrer nicht mehr die Kabine teilen und abwechseln. Sie sind alleine unterwegs und müssen Ruhezeiten einhalten.

Lebensmittel-Lieferdienste am Limit
„Wir hätten 200 neue Kunden aufnehmen können“, sagt die Unternehmerin. Aber sie musste den Aufnahmestopp verhängen, denn die Lagerräume reichten nicht aus. Zudem hätte sie nicht das Personal, neue Routen zu besetzen. Derzeit sind sechs Lieferwagen unterwegs – und ausgelastet. Die Kunden wurden angeschrieben, dass sie keine übermäßigen Vorräte "hamstern" sollen, es sei genug da. Techniker mussten eingreifen, weil der Ansturm im Netz so groß war, dass das Programm für den Beststellservice zusammenbrach. Um die Fahrer in Corona-Zeiten zu schützen, sind neue Vorschriften ausgegeben worden: Die Kunden sollen keinen direkten Kontakt mit den Fahrern aufnehmen, die Körbe bereitstellen und abliefern sollte ohne Begegnung geschehen.

***

20. März

Am Klinikum Passau werden derzeit fünf Corona-Patienten behandelt. Die Zahl der positiv getesten Ärzte hat sich von sieben auf vierzehn erhöht. Sie alle befinden sich mit "keinen bis geringen" Beschwerden in häuslicher Isolation.
Ein Orthopäde hatte - wie berichtet - den Virus im Klinikum eingeschleppt.

Die neu eröffnete Ambulanz für Fieberkranke, Eingang auf der Rückseite der Klinik, werde gut angenommen, heißt es in einer Pressemitteilung am späten Nachmittag. Sie entlastet Hausärzte und ist Anlaufstelle für Erkrankte, die an Grippe, andere Infektionskrankenheiten oder Corona leiden. Geöffnet ist von 9 bis 17 Uhr, auch am Wochenende. Keine Voranmeldung, Versichertenkarte mitnehmen. In dieser AmbulanzH werden auch Abstriche fürs Testlabor genommen. Die Besetzung: zwei Ärzte, zwei Schwestern, drei Fachangestellte. Sie arbeiten den Vorschriften gemäß mit Schutzbekleidung.

Im Moment stehen im Klinikum Passau gut 50 Betten zur Verfügung, auf denen kritische Erkrankte intensivemedizinische behandelt üder überwacht werden können; 26 Beamtungsgeräte stehen bereit. Man bemühe sich gerade beim Gesundheitsministerium um weitere.

Mittags: Söder ruft bedingte Ausgangesperre aus

"Wir müssen die Welle der sprunghaften Infektion brechen. Wir dürfen die Entwicklung nicht verschleppen", sagt Ministerpräsdient Söder heute um 12.30 Uhr. Jeder Tag zähle.

Er verhängt eine bedingte Ausgangssperre, nennt sie "Ausgangsbeschränkungen."

"Das alle fällt nicht leicht, denn wir sind ein freiheitsliebendes Land", sagt er. Er hätte nie gedacht, dass er als Ministerpräsident solche Entscheidungen treffen muss. "Aber ich kann und will mich nicht wegducken."

"Das ist ein Charaktertest für Bayern". Je entschlossener und konsquenter jetzt, umso besser die Chance, Zustände wie in China und Italien zu vermeiden. "Es gibt auch Bayern nach Corona. Gotte schütze unsere Heimat und bleiben Sie gesund!", schließt er seine Rede.

Söder sagt: "Nachbarländer haben gezeigt, wie man umgehen kann." Ein deutscher Sonderweg sei auf Dauer nicht sinnvoll. "Bayern ist Grenzregion, deshalb haben wir besondere Herausforderungen". Man werde sich "1 zu 1 an Österreich anpassen". Er hatte mit Kanzler Kurz telefoniert.

Diese Allgemeinverfügung über Ausgangssperren in der Seuche ist einstimmig angeordnet worden. Sie gilt ab heute Mitternacht auf die Dauer von zwei Wochen.

"Wir sperren Bayern nicht zu oder ein, aber wir fahren das öffentliche Leben nahezu vollständig herunter", sagt Söder. Ab Samstag gilt:

  • Zuhause bleiben!
  • Keine Partys daheim
  • Keine Nachbarskinder einladen
  • Nicht zu "Ferienpartys" laden

zählt Söder Beispiele auf. "Halten Sie Abstand von anderen und begeben Sie sich selbst in Quarantäne, wenn Sie Symptome haben."

Aiwanger über Wirtschaftshilfe
Soforthilfe an betroffenen Unternehmer, die nicht mehr liquide sind - beginnt bei 5.000 Euro für Kleinunternehmer - seien ohne Rückzahlung garantiert, sagt Vizepräsident Hubert Aiwanger. Spätestens am Dienstag werde das Geld auf den Konten landen. Hausbanken geben zudem "faire Kredite", für welche der Staat bürgt.

In Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung, wo in der Krise dringend Kräfte gebraucht werden, dürfen Kurzarbeiter eingesetzt werden. "Einkaufen alleine, nicht mit der Familie!", betont Aiwanger.

Bayern produziert selbst Schutzmasken
Viele Lieferketten seien unterbrochen. Es gibt zu wenig Schutzmasken. Statt Autositzbezüge produzieren jetzt manche Betrieb Atemschutzmasken; ebenso Schneidereibetriebe, berichtet Aiwanger; sodaß bereits ab dem Wochenende mehrer zehntausend Masken in Bayern hergestellt werden können. Man denke selbst an die Bettwäsche, die für Ausweichkrankenhäuser, "Not-Hotels", eventuell benötigt wird.

Zur bedingten Ausgangssperre:

  • Jeder soll und kann zur Arbeit gehen, aber: Mindestabstand und wo es geht, Heimarbeit.
  • Arztbesuche erlaubt, aber nur in Notfällen, deshalb schließen Physiotherapeuten, Logopäden, Ergopäden.
  • Keine Betretungsrechte für Altenheime und Kliniken; Ausnahmen: Sterbefall, Eltern Kinder besuchen, frischgebackener Vater zu Mutter und Kind.
  • Lebensmittelversorgung bleibt erhalten, aber "Keine Hamsterkäufe".
  • Keine Bargeldabhebungen notwendig

Man werde unterbinden, dass in der Krise ausländische Unternehmen bayerische Betriebe "aufkaufen", erklären Söder ud Aiwanger. Auf die Eigenversorgung zu schauen, auf Autonomie sei jetzt wichtig.

Geschlossen haben ab morgen über die bisherigen Stillegungen hinaus:

  • Gastronomie
  • Friseure
  • Bau- und Gartenmärkte; letzere seien Orte des "Freizeittreffens" geworden, beklagt Söder.

Antworte zur bedingten Ausgangssperre auf Nachfrage der Journalisten

An die "frische Luft" zu gehen, mit dem Hund Gassi, mit den Kindern hinaus, draußen Sport zu treiben sei erlaubt - aber entweder  alleine oder mit der Familie (die sich eine Wohnung teilt), keinesfalls in Gruppen; keine geselligen Zusammenkünfte; keine Menschenansammlungen.

Auf die Polizei kommt eine große Belastung zu, dies alles zu kontrollieren. Innenminister Joachim Herrmann erklärt auf Anfrage, dass je nach Tatbestand Bußgelder bis zu 25.000 Euro verhängt werden; die Polizeibeamte werden Gruppen kontrollieren. "Gerade an diesem schönen Wochenende sei es notwendig, weitere Infektionen zu minmieren", sagt Söder.

Nochmals auf Nachfrage: "Joggen oder Spaziergänge  im Wald ja, aber es dürfen sich keine Gruppen bilden", sagt Herrmann.

Der Vormittag:
 

Zweieinhalb Stunden zuvor hatte Lother Wieler, der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), über die aktuelle Lage informiert. Er hielt es offenbar für notwendig, der Öffentlichkeit zu erklären, welche Kompetenz hinter seiner Einrichtung steht: ein Team von 100 Wissenschaftlern, ein internationaler Verbund mit anderen Instituten. Der Hinweis geht wohl an Zweifler und falsche Experten, die das Netz verseuchen. Wieler betont die Unabhängigkeit des Instituts, es müsse niemandem dienen, um Geld zu verdienen. Es erfüllt die Kernaufgabe des Landes: Krankheiten verhüten, bekämpfen und überwachen

Er wiederholte es, auch dem Letzten klarzumachen, dass der Grippevergleich nicht zieht.

Es hatte anfangs falsche Signale für die Öffentlichkeit gegeben. Ende Januar zog Gesundheitsminister Jens Spahn bei der TV-Talksshow „Maybret Illner“ den Grippe-Vergleich und verbreitete Zuversicht. An seiner Seite die Virologin Melanie Brinkmann erklärte, dass das Coronavirus "nicht so ansteckend sei wie die Grippe". Später wird sie umlenken, den Kampf gegen Corona verteidigen, es als richtig bezeichnen, dass Fußballspiele ohne Zuschauer stattfinden.

Wieler nennt vier Punkt,um diesen gefährlichen Grippevergleich aus dem Weg zu räumen

1.      Für Grippe gibt es kostenfreien Impfstoff, für Corona nichts.

2.      Für Grippe gibt es Medikamente, die helfen und lindern, für Corona nichts

3.      Bei der Grippe-Übertragung spielen vor allem Kindern eine Rolle, bei Corona alle Altersgruppen

4.      Corona ist deutlich ansteckender, breitet sich schneller aus, verursacht mehr Schwerkranke und Tote. „Es ist eine andere Dimension.“

Selbstverständlich würde sich Wieler wünschen, dass die Menschen sich auch vor Grippe wirklich schützen. Aber impfen lassen würden sich derzeit nur 30 Prozent.

Er schildert die Dramatik:

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08. April 2020
 
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