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Nachrichten | Montag, 08. Juli 19

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"Auf dem Weg zum Weltkulturerbe" ist der Untertitel einer neuen Sonderschau im Passauer Römermuseum. Der Weg ist ein langer und war nie ernsthaft beschrittten worden. Jetzt geht es um einen Nebenschauplatz.
Notnagel "Römischer Limes"

Passau wollte nie ernsthaft Weltkulturerbe werden

Die Einladungen für die neue Sonderschau Ende Juli im Passauer Römermuseum sind längst gedruckt. "Kastelle, Wachtürme und Zivilsiedlungen am Donaulimes auf dem Weg zum Weltkulturerbe", verkünden sie vorsichtig. Es war klug formuliert, denn der Weg zum "Weltkulturerbe" ist steinig und heuer wieder nicht geglückt. Genau betrachtet hat sich Passau für dieses Prädikat nie ernsthaft interessiert. Der "römische Limes" ist der letzte Notnagel, in der Welterbeliste wenigstens Erwähnung zu finden.

Die Nachricht kam am Samstag: Das UNESCO-Welterbekomitee hat den Antrag nicht angenommen, die Spuren des römischen Grenzwalls entlang der Donau grenzüberschreitend in die Weltkulturerbeliste aufzunehmen. Budapest hat´s wohl vermasselt. Die Hälfte der rund 100 Teilstätten liegt in Ungarn und dort hat die Regierung rausgekegelt, was sie oder mögliche Investoren nicht unter Schutz gestellt haben wollen. Passau und alle anderen Donaulimesorte von Kelheim bis zum Schwarzen Meer hängen also bei diesem Weltkulturerbeantrag am Rockzipfel Orbans.

Der Hadrianswall in Nordengland, der Antoniuswall in Schottland und 550 Kilometer des römischen Limes in Deutschland sind bereits Welterbestätten. „Dass dies auch der Donaulimes werden soll, hat die UNESCO in einer Absichtserklärung bestätigt: Das ist wie ein aufgelegter Elfer!“, sagte Oberösterreichs Landtagspräsident Friedrich Bernhofer. Das war 2014. Wer konnte ahnen, dass dieser Antrag so umfangreich wird und sich hinzieht, ein 2.200 Seiten umfassendes Dossier.

Der römische Limes ist in der Dreiflüssestadt überliefert in drei Resten: die Kastelle am heutigen Kloster Niedernburg in der Altstadt und am Römermuseum in der westlichen Innstadt; ein Wachturm namens „Burgus“, der nicht öffentlich zugänglich in der Kläranlage von Haibach liegt. Es sind „alte Steine“, die selbst dem sonst wenig denkmalsensiblen Passauer Oberbürgermeister als Weltkulturerbeobjekte gefallen. Ihr Schutz wäre kein Hemmschuh für die Stadtentwicklung.

"Trotz der vorläufigen Zurückweisung durch das Komitee werden wir derartigen Themen gegenüber auch künftig sehr aufgeschlossen sein und die Initiatoren auch weiterhin unterstützen“, schreibt Oberbürgermeister Jürgen Dupper heute in einer Pressemitteilung unter der Überschrift "Weltkulturerbeantrag für den Donaulimes zurückgestellt". Das mit dem „sehr aufgeschlossen“ ist ein wenig geheuchelt, denn eine echte Anstrengung, Weltkulturerbestadt zu werden, unternahm das Passauer Rathaus beizeiten nie.

Warum es die wirklich schützenswerte Dreiflüssestadt mit ihrer märchenhaften Altstadt in einmalig landschaftlicher Lage an drei Flüssen bis heute nicht in die Welterbeliste geschafft hat? Man hat es verschlafen, ja bewusst hinausgezögert und so bekam verdient das rührige Regensburg mit seiner Altstadt 2006 den Zuschlag. Als Passau sich auf Initiative einiger Stadträten 2010 einreihen wollte, war es zu spät. Das Komitee haut nicht zweimal in dieselbe Kerbe, vor allem nicht in unmittelbarer Nachbarschaft.

Aus dem Rathaus war stets zu vernehmen, dass Passau auch ohne dieses Prädikat schön und einmalig sei. Der Tourismus boomt und liefert jährlich neue Rekordzahlen. So gesehen ist Werbung mit einem Welterbeprädikat nicht vonnöten. Der Oberbürgermeister hat einmal sogar offen ausgesprochen, warum man auf den Weltkulturerbetitel nicht unbedingt erpicht sei. Die schützende Hand der UNESCO schränke in der Handlungsfreiheit ein. Es waren die selben Argumente, die ein Hausbesitzer anführte, der nicht will, dass sein Besitz unter Denkmalschutz gestellt wird.

Der Passauer Stolz hat Bevormundung und Obrigkeit stets skeptisch gesehen. Für die drei alten Steinreste kann man sich jetzt getrost ereifern, denn hier würde sich der Einfluss der UNESCO auf kleinste Flächen beschränken. Möglicherweise müsste man das Gelände der Kläranlage öffentlich zugänglich halten, damit die Besucher die Reste des beantragten Weltkulturerbewachturms „Burgus“ näher betrachten können. Vielleicht ließen sich für den Erlebnisgewinn der Interessierten am Eingang kostenlos Wäscheklammern bereit stellen. Für die Nase. Denn die Luft dort soll nicht zum Besten sein.

hud

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