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Nachrichten | Mittwoch, 05. Dezember 18

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Moderator Martin Puntigam gratuliert dem Preisträger Sulaiman Masomi; im Hintergrund dessen Mitstreiter. (Foto: Tobias Köhler)
Kabarettisten-Nachwuchpreis

Sulaiman Masomi: Afghanischer Migrant gewinnt Scharfrichterbeil

Stell dir vor, ein Flüchtling lernt Deutsch, beherrscht es besser wie du und erklärt dir Stilmittel und Grammatik der deutschen Sprache; mehr noch, er spielt damit. Auf der Bühne des Scharfrichterhauses hat Sulaiman Masomi dieses Kunststück am Mittwochabend vorgeführt und das große Beil gewonnen. Er ist der erste Migrant, der sich den Passauer Preis für Nachwuchskabarettisten holt, ein gebürtiger Afghane.

In der Jury sitzen wahrscheinlich Sadisten, mutmaßt Masomi bei seiner Dankesrede. Wie es ihm mit der Waffe auf der Heimreise wohl ergehen wird?

Seit mehr als zehn Jahren belebt Masomi die deutschen Bühnen, jongliert mit den Ängsten, Vorurteilen und Klischees, die sich um Migration und Muslime ranken.

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Daumen hoch für Sulaiman Masomi. (Foto: Tobias Köhler)
„Morgen – Land“ heißt sein neues Programm. Er lebt und arbeitet, wie es sich für eine Alliteration gehört, in Kabul Krefeld und Köln. Er hat einen Magister in Literatur- und Medienwissenschaft und in kulturwissenschaftlicher Anthropologie.

Masomi war mit fünf Mitstreitern zu einem der bundesweit wichtigsten Wettbewerbe um den Kabarettistennachwuchs angetreten. In der Jury sitzen die Kulturschaffenden Till Hofmann und Gerhard Bruckner, Kabarettist Manfred Kempinger, zwei Vertreter aus dem Scharfrichterhaus, der Moderator, Journalisten von der Münchner Abendzeitung, der Süddeutschen, des Bayerischen Rundfunks, der Passauer Neuen Presse und des Münchner Feuilletons. Die Jury war sich bei der Kür des Sieger einig mit dem Publikum.

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Preisträger Sulaiman Masomi wird von seinem Landsmann und Mitstreiter Hamid Nokpai umarmt, der den dritten Platz belegte. (Foto: Tobias Köhler)
Das mittlere Beil gewann der Oberösterreicher Berni Wagner, Jahrgang 1991 mit "Babylon!"; das kleine Beil Masomis Landsmann Hamid Nokpai alias "Hani Who", Jahrgang 1995, der seit 2010 in Deutschland lebt, sein Programm "Ich bin, wer ich bin"; leer gingen aus die fränkische Kabarettistin Inka Meyer, Jahrgang 1979, der gebürtige Münsteraner und Wahl-Leipziger Michael Feindler, Jahrgang 1989, mit "Artgerechte Spaltung" und der Oberösterreicher Manuel Berrer, Jahrgang 1988, mit "Ausgepoppt - ein schräger Heimatabend".

Geschichtlicher Hintergrund: Das Scharfrichterhaus ist in der Gründungszeit als Keimzelle linker Subkultur von der "Passauer Neuen Presse" boykottiert worden. Da setzten sich die Münchner Medien ein und hoben mit den Scharfrichterleuten diesen Kabarettistenpreis aus der Taufe.

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Eine Frau und fünf Männer treten an ums Scharfrichterbeil, einem Nachwuchspreis im Kabarettfach an.
Mehr als 50 Künstler hatten sich heuer beworben. Die schwierige Vorauswahl obliegt der Scharfrichterhausprogrammleiterin Luise Ramsauer, die von einer kleinen lokalen Juryrunde, darunter Scharfrichterhausmitgründer Walter Landshuter und Fotokünstler Rudi Klaffenböck unterstützt wird.

Die bisherigen Preisträger:
1983: H. P. Kerkeling
1984: Jörg Willnauer
1985: Andreas Giebel
1986: Urban Priol / Klaus Stab
1987: Die Wiesenbügler
1988: Günter Grünwald
1989: Weber & Schuster
1990: Gruppo di Valtorta
1991: Dirk Bielefeldt
1992: Karl-Heinz Hellinger
1993: Lars Reichow
1994: Rolf Miller
1995: Bärbel Schmid
1996: Altinger & Band
1997: Jess Jochimsen
1998: Kabrettduo Kabud
1999: Luise Kinseher
2000: Ludwig Müller
2001: Jürgen K. W. Timm
2002: Philipp Weber
2003: Werner Brix
2004: Hagen Rether
2005: Klaus Eckel
2006: Zärtlichkeiten mit Freunden
2007: Matthias Egersdörfer
2008: Nepo Fitz
2009: Ulan und Bator
2010: Götz Frittrang
2011: Wiebke Eymess & Friedolin Müller „Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie… “
2012: Torsten Sträter
2013: Friedemann Weise
2014: Jo Strauss
2015: Robert Alan
2016: Norbert Bürger
2017: Thomas Steierer alias metromadrid
 

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