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Nachrichten | Samstag, 19. August 17

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Hauzenberger Feuerwehr mit Drehleiterfahrzeug, das Technische Hilfswerk aus dem 130 Kilometer entfernten Laaber mit Kran: Vom Dach eines Wohnhauses, drei Familien, sieben Bewohner, in Schulerbruch in Hauzenberg wird eine Kiefer geborgen.
Katastrophenalarm

Tödlicher Wetterumschwung

Im Klinikum Passau kümmern sich die Ärzte um eine lebensgefährlich verletzte Oberösterreicherin und zwei weitere schwer verletzte Patienten aus dem Innviertel. Es sind Opfer des stürmischen Wetterumschwunges, der Luftlinie 50 Kilometer südlich von Passau bei einem Dorffest der Feuerwehr eine Tragödie ausgelöst hat: Zwei Tote und Dutzende Verletzte, davon vier lebensgefährlich und sechs schwer.

Hunderte umgestürzte Bäume

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Weggefegt: Das Buswartehäuschen der Haltestelle "Oberholz" bei Hauzenberg.
In Stadt und Landkreis Passau hat das gegen 23 Uhr hereinbrechende kurze Unwetter, ein Temperatursturz von zwölf Grad begleitet von Graupel, Blitz und Orkanböen, für Stromausfälle, blockierte Straßen und überflutete Keller gesorgt. Am Vormittag sind laut Rettungsleitstelle die Feuerwehren noch mit 300 Einsätzen beschäftigt. Menschen sind nicht in Not, es gibt auf bayerischer Seite keine ernsthaft Verletzten, aber das Landratsamt Passau hat seit Mitternacht Katastrophenalarm ausgelöst. „Wir haben viele Ortsteile, die von der Außenwelt abgeschnitten sind“, erklärt eine Landratsamtssprecherin. Zusätzliche Hilfskräfte wie das Technische Hilfswerk seien erforderlich, ein Krisenstab sei notwendig, der die vielen Einsätze koordiniert. Betroffen sei vor allem der nördliche Landkreis, die Gemeinden Hauzenberg, Salzweg und Thyrnau. Dort sind Waldgebiete schwer betroffen. Ein "histoprisches Ausmaß" wie Landwirtshcaftsninister Brunner sagte. Die Landschaft werde sich verändern. Im Raum Hauzenberg sind viele Dächer abgedeckt worden sein. Die Bevölkerung wird nach dem Windbruch gewarnt, den Wald zu betreten. 700 Einsatzkräfte  sind laut Pressestelle im Einsatz.

"Bei uns sind im Wald fast die Hälfte der Bäume weg", berichtet ein Salzweger. Manche Anwesen seien von mehreren umgestürzten Bäumen beschädigt worden. Kaputte Dächer, zerstörte Pools, verbeulte Autos; bei einem Bauern wurde das Kuhstalldach weggerissen. Orkanböen bis zu 130 km/h wurden gemessen.

IC-Endhaltstelle „Media-Markt“

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Im Hintergrund der 745 Meter hohe Tiessenberg, der mehrere Hektar Wald verloren hat; davor die Siedlung an der Bauzinger Straße von Hauzenberg; im Vordergrund Nadelbäume, die eine Stromleitung gerissen haben.
Die „Passauer Neue Presse“ berichtet irrtümlich, dass ein ICE zwischen Vilshofen und Passau evakuiert worden sei. Die Recherche ergibt: Der Intercity „IC 2337“ Köln-Passau, planmäßig Ankunft 22.41 Uhr, hatte sich mit vielen Unterbrechungen und gut fünf Stunden Verspätung durch das Unwetter geschlagen. Drei Kilometer vor dem Hauptbahnhof Passau, beim „Media-Markt“, musste er wegen eines auf dem Gleis liegenden Baumes erneut halten. Der Zugführer entschied sich mithilfe der Passauer Feuerwehr die 60 Fahrgäste aussteigen zu lassen. „Wir haben ausgeleuchtet“, sagt Stadtbrandinspektor Andreas Dittlmann.

Regionalbahn entgleist
Bei Bad Höhenstadt entgleiste im Sturm gegen 22.50 Uhr der Nachtzug von Sulzbach am Inn nach Passau. Die neun Fahrgäste mussten auf freier Strecke aussteigen. Die Bundespolizei sprang für einige Fahrgäste als Taxi zum Hauptbahnhof ein, andere wurden am Unglücksort von Bekannten und Verwandten abgeholt.

Innstadt abgeschnitten, Allee-Kastanie verloren, Schäden an Großbaustellen
Die Passauer Innpromenade hat durch den Sturm zum dritten Mal eine der alten Kastanien verloren. Der Stadtteil Innstadt war kurzzeitig von der Innenstadt abgeschnitten, als sich am südlichen Brückenkopf wegen eines verstopften Gullyschachts ein Teich auf der Mariahilfstraße bildete; das Regenwasser drang in ein Haus ein. Betroffen ist Baulöwe Kapfinger: Im denkmalgeschützten Glassalon am Mariahilfberg, der gerade renoviert wird, trug der Sturm die Abdeckung der neuen Fußbodenheizung davon; Wasser drang in Rohbauten des Wohnviertels ein, schädigte Installationen und bereits verlegte Fußböden.

Zwei Tote beim Feuerwehrfest

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Verwüstet: Bizarre Waldlandschaft am Sandbächlein zwischen Hauzenberg und Wotzdorf.
Zum schweren Unglück im Innviertel: Der 2.000-Einwohner-Ort Johann am Walde im Bezirk Braunau liegt auf einer Anhöhe. Man habe gedacht, das aus Bayern sich nähernde Unwetter würde weiter nördlich vorbeiziehen, dann sei unerwartet Sturm aufgekommen, berichtet ein Feuerwehrmann. Die Ortsfeuerwehr Frauschereck feierte ihr Zeltfest. Eintritt acht Euro, auf der Bühne spielte „Cäpt´n Klug und die Zwergsteierer“, die Band eines steirischen Polizisten. Mitten in dieses Vergnügen platzte das Entsetzen. Das Zelt war mit einem Schlag weggerissen worden, Trümmer flogen umher, der Strom fiel aus, es war stockdunkel. Schreie, Schock und Panik unter den 650 Besuchern. Es dauerte, bis sich aus den eigenen Reihen die Feuerwehrleute gesammelt hatten, zum Feuerwehrhaus eilten, mit einem Fahrzeug zurückkamen und Scheinwerfer aufstellten. Jetzt zeigten sich das Ausmaß der Zerstörung und die vielen Verletzten. Wiederum verging kostbare Zeit, weil umgestürzte Bäume die Anfahrt der alarmierten Rettungskräfte behinderten.

Katastrophenalarm wurde ausgelöst. Schließlich versorgten 20 Notärzte und 150 Sanitäter die vielen Verletzten. Zwei Todesopfer sind zu beklagen: ein 29-jähriger Bursche aus dem Dorf und eine 19-jährige Frau aus dem Bezirk Braunau. Die zehn Schwerverletzten aus dem Festzelt, darunter vier in Lebensgefahr, sind in die Krankenhäuser Salzburg, Linz, Wels, Vöcklabruck und Passau transportiert worden. Um die Dutzenden Leichtverletzten kümmerten sich die Ärzte in den benachbarten Innviertler Krankenhäusern Ried und Braunau.

Beim Vilshofener Volksfest ist das Bierzelt kurzfristig evakuiert worden. Schäden blieben glücklicherweise aus, aber die Stimmung war dahin. Manche empfanden die Maßnahme als "Panikmache". Die Nachricht aus dem Innviertel dürfte später ihre Sichtweise geändert haben.

Alle Fotos: mediendenk, Tobias Mayerhofer, Hubert j.Denk

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