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Printmagazin | Donnerstag, 11. April 19

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Bürgerblick-Abonnenten handeln solidarisch

"Weil es mir nicht Wurscht is!"

"Hiermit kündige ich mein Bürgerblick-Abo mit sofortiger Wirkung." Nach der Preiserhöhung zum 1. April hat das erste Schreiben mit diesem Satz dem Journalisten das Herz in die Hose rutschen lassen.

War´s das mit der freien Presse, weil für unabhängigen Journalismus, für lokale Meinungsvielfalt keiner mehr Geld ausgeben will? Gibt´s doch alles gratis im Netz, hört man oft. Das Gedruckte ist sowieso von Gestern und braucht keiner mehr.

Wenige Sekunden später sprang der freie Journalist vor Freude fast in die Luft. Er hatte den Brief des vermeintlich verlorenen Abonnenten zu Ende gelesen, der in der nächsten Zeile wie folgt weiterging: "Und nehme stattdessen ab sofort ein Premium-Abo!" Weil es ihm "nicht Wurscht" sei, wie der Verfasser anfügte. Der Journalist fotografierte das Schreiben und schickte es über Nachrichtendienst* dem Team aufs Handy. Ein "Ehrenmann" kommentierte ein junger Kollege von der Lehrredaktion.

"Bürgerblick Passau" ist das einzige lokale Kaufmagazin in der bayerischen Presselandschaft, der letzte grüne Grashalm auf einer großen schwarzen Asphaltfläche, auf der sich, um im Bild zu bleiben, eine dem Wachstum verschriebene Verlegerfamilie wie Flächenfraß ausgebreitet hat. Können Printprodukte überhaupt überleben, wenn die Werbewirtschaft ins Netz abwandert, weil Facebook und Co. ihre Trümpfe ausspielen?

Am härtesten trifft es augenscheinlich die Wurfzeitungen, die kostenlosen Anzeigenblätter, die zu 100 Prozent auf die Werbewirtschaft angewiesen sind. Sie können die Verluste nicht abfedern, nicht zum Kaufprodukt wechseln, weil sie keinen journalistischen Mehrwert bieten. Das Drama ist in den letzten Monaten sichbar geworden. Anzeigenblätter wie die "Passauer Woche" oder die "Am Sonntag" sind im Umfang geschrumpft, dienen - zum Schaden der Post und deren Kunden - den Verlegern vornehmlich als Vehikel für Werbeprospekte. Und der Inhalt? Die Redaktionen der beiden genannten Blätter sind unter ein Dach gestellt und auf eine Mininmalbesetzung eingedampft worden. Kulturteil, Sportteil, war einmal.

Andere Gratisblätter wie die "Paparazzi" halten sich als echte Lügenpresse über Wasser, kleiden sich in Hochglanz und gaukeln mit bezahlten Beiträgen Journalismus vor; selbst die Titelseite ist seit jeher käuflich und der einzige "Mehrwert" besteht darin, dass der Herausgeber mit seiner rechtspopulistischen Feder ein paar Seiten füllt. Mit Verschwörungstheorien, Aufsätzen zur Klimalüge oder Tagesschau-Schelte, Sichtweisen, die insbesondere bei AfD-Anhängern Anklang finden dürften.

Wie geht´s in solchen Zeiten Bürgerblick, ein kleines Passauer Presseprodukt, das seit vierzehn Jahren als Kaufzeitung, seit jeher gegen den Strom schwimmt, dem David im Goliath-Revier?

Mit seinem neuen Preismodell beim Abo will Bürgerblick eine Debatte anstoßen: Journalismus als kontrollierende Säule der Demokratie kann nur bestehen, wenn die Gesellschaft sie solidarisch trägt. Wer das neue Premium-Jahresabo bucht, unterstützt Sonderkonditionen für Gering- und Nichtverdiener. Der Zugang zu einem Presseprodukt, das unabhängigen Journalismus und lokale Meinungsvielfalt garantiert, sollte für alle Interessierten möglich sein.

Der Allgemeinarzt aus dem Landkreis, der sein Bürgerblick-Abo kündigte, um zum Förder-Abo zu wechseln, ist nicht der einzige Abonnent, der dem Herausgeber und seinem Team das Signal gibt: Ihr seid auf dem richtigen Weg!

Transparenz: Die zahlenden Leserinnen und Leser am Kiosk und im Abo bestreiten derzeit gut ein Viertel der Gesamteinnahmen, ein Drittel wäre wünschenswert. Ein treuer Kundenstamm von etwa einem Dutzend Wirtschaftspartnern, die wir vorbildlich und ehrlich nennen, weil sie keine redaktionellen Begehrlichkeiten hegen, bestreitet den Rest. Zur Existenzsicherung bedient der Herausgeber und freie Journalist zusätzlich andere überregionale Medien. Ein Förderkreis, der sich aus den treuen alten und neuen Wirtschaftspartnern zusammensetzt, soll ins Leben gerufen werden. Eine gemeinnützige Gesellschaft wäre ein passendes Fundament für Bürgerblick. Doch ein Anruf beim Finanzamt hat den Herausgeber entmutigt, diesen vermutlich mühsamen Weg zu beschreiten. Ein Bürgerblick auf gemeinnützigen Beinen würde - mit Blick auf die "Passauer Neue Presse" - den Wettbewerb verzerren.

*Für Interessierte: Bürgerblick hat sich vor drei Jahren im dienstlichen Gebrauch von der US-Datenkraken Whatsapp verabschiedet und benutzt stattdessen den Schweizer Anbieter "Threema"; dieser kassiert einmalig ein paar Euro und betreibt zugriffssichere und datengeschützte Server in der Schweiz.

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