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Report | Mittwoch, 12. Juli 17

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Chemischer Sauerstoffbedarf, Phosphat, Ammonium: Diese Messergebnisse sollen angeblich belegen, wie belastet das Grubenwasser in einem Kfz-Betrieb ist. Es wurde in der Landwirtschaft ausgebracht.
Neuer Umweltskandal in Hutthurm ?

Abwasser von Kfz-Betrieb in Natur ausgebracht

„Gibt es schon wieder einen Umweltskandal in Hutthurm?“, überschreibt eine Umweltpolitikerin ihren Fragenkatalog an die bayerische Staatsregierung.

Ein tüchtiger Familienvater hat vor zwölf Jahren damit begonnen, auf einem ehemaligen Bauernhof im Landkreis Passau mitten im Grünen, 250 Meter von der Ilz entfernt, einen Betrieb für Autoaufbereitung und Kraftfahrzeugreparaturen aufzubauen. Das Geschäft läuft großartig, bis auf das Abwasser. Es landete in der bäuerlichen Güllegrube - und von dort wahrscheinlich auf den Feldern von gutgläubigen Bauern. Die Gemeinde und die zuständigen Umweltbehörden haben offensichtlich weggesehen.

Ölabscheider für Kfz-Betriebe nicht zwingend?
„Hier steht die Existenz meiner Familie auf dem Spiel, wollen Sie das wirklich an die Öffentlichkeit bringen?“, mahnt der betroffene Unternehmer den Reporter. Er werde keine Auskunft geben, sagt er und redet dann doch ein wenig. Ein Ölabscheider sei für einen Kfz-Betrieb wie seinen nicht zwingend notwendig. Der Reporter soll sich erstmal erkundigen. Und überdies: Aus seiner Güllegrube sei nichts weggekommen, diese sei immer noch voll.

Die Güllegrube, in welcher das Abwasser des Kfz-Betriebs fließt, fasst 400 Kubikmeter, also 400.000 Liter, das entspricht einem zwei Meter tiefen Pool von zehn mal zwanzig Metern. In der Werkstatt wird Blech entrostet, lackiert und poliert; werden Polster eingeschäumt und gereinigt, Kunstoffteile gereinigt und aufgefrischt; Unfallwagen, Oldtimer und Busse rundum, vom Motor bis zum Getriebe, wiederinstandgesetzt. Die mit Öl und Chemikalien, Säure und Lauge verseuchten Abwasser landen in der Güllegrube. Am 17. Juni, ein schwüler Samstag, sollte der Missstand an Umweltfürsorge ausgerechnet auf einer Wiese der zweiten Bürgermeisterin anrüchig werden.

Bürgermeisterin in Panik
Die Bürgermeisterin war diesem Vormittag beim Einkauf, ihr Ehemann molk im Stall seine Kühe, als ein Namensvetter des Kfz-Unternehmers hereinlugte und um freundliche Zustimmung bat: Ob er draußen auf der frisch gemähten Wiese zwei, drei Fässer von der Grube seines Auftraggebers ausbringen dürfe, es handele sich nur um Regenwasser. Der Güllefahrer hatte  sich den vier Kilometer weiteren Weg zu einem Ackerland ersparen wollen, das seinem Vater gehört. Kaum war die Bürgermeisterin vom Einkauf zurückgekehrt, klingelte ihr Telefon und ein aufgeregter Nachbar rief an: 0b sie denn nicht wisse, was da gerade auf Ihre Wiese ausgebracht werde, verseuchtes Abwasser aus der Güllegrube eines Kfz-Betriebs. Sie habe die Aktion sofort gestoppt, in Panik nachgesehen, aber in der Hitze hatte die Wiese die Flüssigkeit, wohl ein paar Tausend Liter, schon aufgesogen, berichtet die Bürgermeisterin.

Danach glühten weitere Telefone. Das Landratsamt wurde eingeschaltet. Ob Proben genommen wurden, ist unklar: in der Güllegrube des Kfz-Betriebs und auf der Wiese der Bürgermeisterin? Der verantwortliche Unternehmer hatte sich nach dem aufreibenden Samstag in einen dreitägigen Italienurlaub verabschiedet. Danach wurde ihm der Betrieb untersagt. Er hatte nie eine bauliche Genehmigung eingeholt.

Nach dem Teerskandal der Chemieskandal?
Die Gemeinde Hutthurm ist seit Jahren durch einen Umweltskandal, dem sogenannten Teerskandal, schwer gebeutelt. Die Strafverfahren stehen noch aus: Ein Recycling-Unternehmer soll pechverseuchten Straßenabbruch gutgläubigen Bauern und geizigen Bauherren als kostenloses Aufschüttmaterial angeboten und verbaut haben. In einem Punkt, unabhängig von der strafrechtlichen Bewertung, ähneln sich die beiden Fälle: Hier wie da wurde Geld verdient auf Kosten der Umwelt.

Der Kfz-Unternehmer hatte die Bürgermeisterin übrigens beruhigt, er habe vorab die Belastung seines Grubenwassers messen lassen; er reichte tatsächlich Testergebnisse nach. Ob sie aussage- und beweiskräftig sind, könnte sich durch  Vergleichswerte der Behörden feststellen lassen. Zudem ist entscheidend, wie die Probe entnommen wurde. Wurde die Grube vorher aufgerührt oder im abgesetzten Zustand nur an der Oberfläche entnommen? Anwohner befürchten, dass die Güllegrube undicht oder schon mal übergelaufen ist; das Abwasser hätte die Ilz verseucht.

21 Fragen an Staatsregierung
Der Fall ist an die Grünen-Landtagsabgeordnete Rosie Steinberger herangetragen worden, welche bereits beim Teerskandal aktiv war. Sie hat einen 21-Punkte-Fragenkatalog verfasst, denn die Stadtregierung beantworten soll, um zu klären, wie hoch der Umweltschaden ist, wer die Verantwortung trägt und ob erneut die Behörden bewusst weggesehen, versagt haben.

Eine Vertreterin der Gemeinde betont, dass der Unternehmer mit seinem Betrieb sehr erfolgreich sei; er sei auf der Suche nach einem Ausweichgrundstück, einer Gewerbefläche von etwa 1.000 Quadratmetern. Die Gemeinde habe ihm bisher nichts anbieten können.

hud

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