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Report | Samstag, 12. Oktober 19

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Symbolbild: italienisches Mixgetränk, mit Kräuterlikör aus Rhabarber und Bitterorange.
Dubiose Geldübergabe

Das Passauer Nachtleben und die Provinzmafia

Was steckt hinter der  geplatzten Geldübergabe auf der Hängebrücke? Welche Rolle spielt  in diesem Provinzkrimi  der Betreiber eines italienischen Straßencafés? Warum waren es genau 70.000 Euro? Wie glaubwürdig  sind die Geschichten, welche die Beteiligten auf der Brücke und mutmaßliche Hintermänner liefern?

Die Passauer Kriminalpolizei  hat zu diesem dubiosen Erpressungsfall  noch lange nicht alle  Zeugen angehört. Mangels offizieller Erkenntnisse der  Ermittler sind die Lokalblätter in der Sichtweise davon eingefärbt, wie die Redakteure zu den Beteiligten stehen. 

  • Der PNP-Redakteur scheint von der Unschuld  des Straßencaféwirtes überzeugt zu sein. Er lässt ihn erzählen, dass er vermutlich von Neidern angeschwärzt werde, er sich keinen Reim  auf die Sache machen kann, er die Hintergründe nicht kenne. Dazu muss man wissen: Dieser Lokaljournalist hat bis dato für diesen Szenewirt viele nette Geschichten geschrieben, die dessen Eitelkeit schmeicheln; zuletzt vom goldenen Klodeckel der Gästetoilette.
     
  • Bewusst oder mangels besseren Wissens bezeichnet der PNP-Schreiber den mutmaßlichen  Erpresser auf der Hängebrücke ebenfalls als "Szenewirt". In Wirklichkeit handelt  es sich um einen Bediensteten aus dem Nachtleben, dem ehemaligen Türsteher eines  Nachtlokals. Dies legt eher die Vermutung nahe, dass dieser als Handlanger gedient hat.
     
  •  Der Redaktionsleiter vom sonntäglichen Wurfblatt "Am Sonntag" wird den Fall  in der morgigen Ausgabe wahrscheinlich aus einem anderen Blickwinkel  betrachten. Er ist mit einem Szenewirt befreundet, der an der mutmaßlichen  Erpressung und der Geldübergabe nicht beteiligt, aber nach eigenen Angaben  in viele  Details eingeweiht ist. Denn er wiederum ist befreundet mit dem  mutmaßlich Erpressten, der sich nach seiner Schilderung offenbar mit dem Wirt  des italienischen  Straßencafes angelegt hatte. Es soll zwei Wochen zuvor zu  einem  körperlichen Übergriff gekommen sein, ein Schubser in Rage, der  Geschubste angeblich der Wirt. Schauplatz der "Bedrohung" war das  Getränkelager der  italienischen Straßenbar. Es gab einen Polizeieinsatz und  mahnende Worte.

Wenn man diesem Zeugen, der bis dato von der Kriminalpolizei noch nicht angehört worden ist, Glauben schenkt, dann steckt hinter der Geldübergabe auf der Hängebrücke eine abenteuerliche Vorgeschichte. Sie dreht sich darum, dass der Wirt der kleinen, augenscheinlich sehr florierenden Straßenbar fieberhaft größere Räume sucht. Sie sollen nach seinen Vorstellungen in unmittelbarer Nähe des bestehenden Lokals liegen, weil der Standort  sich als umsatzstark und, wie der Autor dieser Zeilen anfügt, ideal für dieses spezielle Szenepublikum erwiesen hat: Protzige Sportwagen, man will ja gesehen werden, lassen sich in Sichtweite parken. 

Nach der Erzählung des Eingeweihten sei die Sache wie folgt eskaliert: Der Wirt des italienischen Straßencafes sei zunächst auf die Räume seines Lokals scharf gewesen, das wenige Häuser entfernt liegt. Doch der Versuch einer feindlichen Übernahme, angeblich waren faule Tricks im Spiel, sei misslungen. Dann hätten sich leerstehende Räume in einem Nachbarhaus aufgetan. Hier wiederum sei der expansionswütige Szenewirt bei der Hausbesitzerin abgeblitzt. Nach Geschäftspleiten und einer privaten Insolvenz hat er verständlicherweise nicht bei allen den besten Ruf. 

Ohne weitere Details zu kennen, schließt sich der Kreis wie folgt: Der mutmaßliche Erpresste, der unter Polizeibewachung bestückt mit präparierten Geldscheinen in Höhe von 70.000 Euro zur Geldübergabe auf der Hängebrücke erschien, ist der Sohn der Hausbesitzerin, die angeblich den Szenewirt als Mieter nicht haben wollte. Die Auseinandersetzung im Getränkelager könnte der Schlüssel für die mutmaßliche Erpressung sein.  

Wer sich nicht selbst die Finger schmutzig machen will, das lernt man bei jedem Mafiafilm, setzt Handlanger ein. Das würde erklären, wie ein Türsteher  bei der Geldübergabe ins Spiel kommt.  Aber  je nachdem, welchen Erzählungen man glaubt, kann der Hintergrund dieser mutmaßlichen Erpressung ein ganz anderer gewesen sein.

Die Kripobeamten brauchen Zeit, aber die Zeitungsleute, von der Neugierde  der Leser getrieben, haben sie nicht. Sie brauchen zu diesem Fall schnelle Geschichten.

Der Szenewirt der italienischen Straßenbar ist heute hinter der Theke wie immer gestanden, als wäre nichts geschehen. Für Reporterfragen hatte er keine Zeit. Die Terrasse war wie sooft rammelvoll. Er ließ sich die Telefonnummer geben, aber der versprochene Rückruf blieb aus.

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Donnerstag
21. November 2019
 
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