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Report | Montag, 12. Februar 18

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An der Schleuse Kachlet, etwa 20 Kilometer flussabwärts vom Unglücksort, ist die Leiche des Matrosen angetrieben worden. (Foto: mediendenk)
Tod in der Donau

Der vergessene Matrose

Als die Wasserleiche eines Matrosen am Faschingssonntag in Passau auftaucht, stellt sich die Frage: Warum gab es keine öffentliche Fahndung nach dem jungen Mann, obwohl die Vermisstenanzeige drei Monate zurück liegt? Warum war in keiner Pressemitteilung von dem mutmaßlichen Unglück zu lesen, dass ein Besatzungsmitglied am Hafen von Vilshofen über Bord gegangen ist? Es weckte Skepsis und förderte Spekulationen. "Da steckt bestimmt ein Verbrechen dahinter", riefen Münchner Journalisten den Passauer Kollegen an. 

Unglück, Alkohol, Suizid. Alles kommt jetzt infrage, aber ein Gewaltverbrechen war es wohl nicht. Die Staatsanwaltschaft hat die Leiche heute freigegeben. Auf eine Leichenschau ist verzichtet worden. Es hätte nichts auf fremde Gewalteinwirkung hingedeutet, heißt es von den Behörden. 

Der Kapitän des Güterschiffs "MS Albatros" hatte am 12. November eine nächtliche Ruhepause am Hafen Vilshofen eingelegt. Für das Ablegemanöver am Morgen benötigte er nur einen Mann seiner mehrköpfigen Besatzung. Als der 80 Meter lange blaue Schubverband donauaufwärts hinter Osterhofen war, fiel den Männern auf, dass eine Koje leer war. Der Kapitän meldete bei der Deggendorfer Wasserschutzpolizei den Matrosen als vermisst. Es wurde vermutet, dass er nachts heimlich an Land gegangen ist, seinen Dienst quittiert hat. Es wäre angeblich nicht das erste Mal gewesen.

Die Deggendorfer Wasserschutzpolizei übergab den Fall den Passauer Kollegen, nachdem der mutmaßliche Ort des Landgangs, Vilshofen, zu deren Zuständigkeitsbereich zählt. Ausschließen konnten die Ermittler ein Unglück nicht. Routinemäßig suchte eine Besatzung mit Polizeiboot den Fluss und seine Ufer zwischen Vilshofen und dem Kachlet ab. Ergebnislos.

Trotz alledem: Zu einer Fahndung nach dem Vermissten kam es nicht. Der Fall tauchte in keinem Polizeipressebericht auf, weder in Deggendorf noch in Passau. Der Wechsel der Zuständigkeiten und die Annahme, dass der Matrose sich abgesetzt hat, dürften mitgespielt haben, dass der Fall eine polizeiinterne Angelegenheit blieb. 

Ein 54-jähriger Zeuge hat die Leiche am späten Sonntagvormittag im Rechen der Staustufe Kachlet entdeckt. Bald stand fest, dass es sich um den vermissten Matrosen handelt, einen rumänischen Staatsangehörigen. Fast auf den Tag genau drei Monate nach seinem Verschwinden war die Leiche des 26-Jährigen am Donaukraftwerk Kachlet angetrieben worden.

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27. Mai 2018
 
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