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Report | Donnerstag, 27. Juli 17

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Fremdkörper am Innkai: Wie kann die Fassade des schimmelgrünen Betonhäuschens gestaltet werden, damit sie ins denkmalgeschützte Altstadtensemble passt? (Photo: mediendenk)
Neubauhäuschen am Innkai verunglückt?

Dombauhütte als Nothelfer

Ausgerechnet zu Füßen des strengsten Stadtbildbewahrers der Dreiflüssestadt spielt sich ein Drama um einen offenbar verunglückten Neubau an heikler Stelle ab.

Als Ersatz für ihr flutgeschädigtes altes Häuschen am Innkai haben Eigentümer einen Betonbau errichten lassen. Wie die Fassade im historischen Ensemble gestaltet werden kann, damit es keinen Aufschrei, keinen Shitstorm gibt, ist offenbar zu einer unlösbaren Aufgabe für Architekt und Denkmalpfleger geworden. In ihrer Not haben Sie die Dombauhütte eingeschaltet.

Der Leiter der Dombauhütte bestätigt, dass er als Berater gerufen worden ist. Es gehe um die technische Frage, wie diese Betonfassade gestaltet werden könne. Mithilfe eines Stockhammers oder Pressluftmeißels kann beispielsweise eine grobkörnige Struktur erzeugt werden, die den gebräuchlichen Rauputzen ähnlich ist.

Schimmelgrün, fleckig, löchrig

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Als die Schalung entfernt war, zeigte sich der gefärbte Beton mit eigenwilligen Strukturen. Steinmetze der Dombauhütte zeigten, wie es gelöst werden kann. (Photo: mediendenk)
Seit das Gerüst Ende Juni gefallen ist, die Baustelle ruht, weil der angrenzende Nachbar, der besagte Vorsitzende eines Stadtbildbewahrervereins, seinen Kamin sanieren lässt, zeigt sich dem Betrachter das aus gefärbtem Beton gegossene Häuschen mit seiner für die Umgebung ungewöhnlichen Fassade: schimmelgrün, fleckig und löchrig. Wer für den Bau verantwortlich ist, lässt sich nicht erkennen, denn Bau- oder Werbetafeln fehlen. Gerade so, als wäre den Ausführenden das missglückte Ergebnis peinlich.

Um die Geschmacksfrage zu bewerten, sollte man wissen: Das Häuschen befindet sich am Innkai zwischen Marienbrücke und Ortsspitze, also auf der Schokoladenseite der Passauer Altstadt, welche für viele als unantastbar gilt. Man erinnere sich, welche Diskussion der Ersatzbau für den Kindergartenbungalow an der Altstadtkirche St. Michael ausgelöst hat.

Bauherrin schweigt
„Bleibt das so?“, hatte der Reporter nach seiner Recherche den Architekten und die Bauherrin, eine Rechtsanwältin, Anfang Juli schriftlich befragt. Die Bauherrin schwieg. Der Architekt vertröstete den Reporter auf einen späteren Gesprächstermin, aus taktischen Gründen: Er wollte zuvor einen schön gefärbten Bericht über das neue Fluthäuschen in der „Passauer Neuen Presse“ lancieren, um negative Kritik abzubiegen. Der Beitrag  ist veröffentlicht worden mit dem beruhigenden Titel: „Promenaden-Häuserl: neu, aber fast wie gehabt“.

Steinmetze der Dombauhütte
„Neu“ ja, aber „wie gehabt“ auf keinen Fall: Mitte der Woche haben sich Steinmetze der Dombauhütte an Ort und Stelle damit befasst, wie dem Betonhäuschen ein passenderes Kleid verpasst werden kann. Sie legten angeblich auf Wunsch der Landesdenkmalpflege eine kleine Musterfläche an.

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Das Häuschen am Innkai vor dem Abriss (Photo: Google Maps)
Wie schützenswert ist die Passauer Altstadt? Darf es Fremdkörper darin geben und wie definiert sich für diese Schönheit? Fragen, die anhand dieses Falles erneut im Rathaus und an Stammtischen diskutiert werden dürfen. Schreiben Sie uns Ihre Meinung: info@buergerblick.de, Stichwort: Innkai

Unsere zahlenden Abonnenten lesen diese Geschichte in der nächsten Ausgabe mit Stellungnahmen und Namen der Verantwortlichen.

hud


Offenlegung: Der Autor ist Mitglied im besagten Stadtbildbewahrerverein, befürwortet grundsätzlich dessen Haltung, aber lässt sich von diesem nichts diktieren. Im Gegenteil: Nach einem Beitrag, der von der Vereinsspitze als persönlicher Angriff empfunden worden war, drohte ihm schon mal der Rauswurf.

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