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Report | Donnerstag, 29. November 18

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Die fünf Angeklagten und ihre Verteidiger zu Beginn des 7. von 12 Verhandlungstagen. (Foto: mediendenk)
Prozess um toten Maurice

Fußtritt war Auslöser oder Einladung für Eskalation

Was haben im Fall Maurice die festgenommenen Jugendlichen am Tag der Tragödie bei der Polizei ausgesagt, was lässt sich aus den Handydialogen ablesen?

Die Vorsitzende der Großen Jugendkammer konzentriert sich auf diese Beweise, denn im Gerichtssaal haben manche Zeugen und Mitwirkende ihre Aussagen verändert oder gelogen. Heute sitzen im Zeugenstand Kripoleute. Sie hatten fünf der später Angeklagten nach der tödlichen Prügelei in der Passauer Fußgängerunterführung befragt, die Verhöre gingen bis morgens um 2 Uhr. Ein sechster Beteiligter stellte sich in den Morgenstunden der Polizei.

Die Kleidung der Jugendlichen ist damals sichergestellt, ihre Handys beschlagnahmt und ausgelesen worden. Einige hatten die Ermittler ausgetrickst und die Daten bereits gelöscht. Aus einem der gespeicherten Dialoge lässt sich herauslesen, dass Maurice eine Abreibung verpasst werden sollte. Wenige Monate davor hatte es bereits ein Zusammentreffen der Rivalen gegeben. Danach hatte Maurice offenbar verbreitet, dass dieser ein Schwächling sei. Der Zweikampf sollte die Ehre wiederherstellen.

"Dass jemand zu Tode kommt, das wollte keiner, das geht aus allen Vernehmungen hervor", fasst ein Kripobeamter sein persönliches Fazit im Zeugenstand zusammen. Der "Geschädigte", wie er in seiner Amtssprache den Verstorbenen nennt, sei körperlich überlegen gewesen. Querbeet durch alle Aussagen würde sich ziehen, dass Maurice mit dem Fuß treten wollte und dies für die anderen „Einladung oder Auslöser“ war, einzugreifen. Dass diese Eskalation geplant war, sehe er nicht.

Derjenige, der das Treffen eingefädelt hatte, der ältere Banknachbar des von Maurice Geschmähten, hatte Freundinnen und Freunde zum Schaukampf eingeladen. Er schrieb "Maurice kriegt heute so aufs Maul!" und "Auf jeden Fall wird Maurice heute geboxt“. Seiner Bitte an ein paar Freunde, das Geschehen als Handyvideo festzuhalten, ist offenbar keiner nachgekommen. Einer antwortete, es sei alles schon vorbei. Die Kripo ging vielen Hinweisen nach einem möglichen Video nach - erfolglos. 

Maurice hatte zwei Rivalen
Es hat sich anscheinend ein zweiter Bursche von Maurice beleidigt gefühlt, derjenige, der ihn im Laufe der Rangelei von hinten ansprang und kratzte. "Ich habe keine Lust auf zu viele Leute, nicht dass die Bullen kommen", hatte dieser jüngere Angeklagte kurz vor dem Treffen geschrieben. Er hatte sich gebrüstet, dem zweieinhalb Köpfe größeren Maurice schon mal eine mitgegeben zu haben. Maurice hatte das bestritten. Was die Begleiter betrifft, die man dazu holen wollte, ist von "breit gebauten Russen" und "Slowaken" die Rede.

 

Ursprünglich waren sechs Jugendliche wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt. Einer der älteren durfte das Verfahren verlassen, nachdem seine Mitwirkung als "Schiedsrichter" keine strafrechtliche Bedeutung hat. Auf der Anklagebank sitzen jetzt der Gegner von Maurice und dessen Schulbanknachbar sowie drei Cousins, die sich in den Zweikampf eingemischt hatten. Das Urteil wird Mitte Januar erwartet. Heute war der siebte von zwölf geplanten Verhandlungstagen.

Das "Protokoll der Prügelei" lesen Sie in einem Report von Tom Gevatter in der nächsten Printausgabe.

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