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Report | Donnerstag, 05. April 18

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Beweisaufnahme. Ein Polizist fotografiert die Schmiererei an einer denkmalgeschützten Villa. Hausbesitzer Adolf Hiendl hat Anzeige erstattet. (Foto: Mediendenk)
Fall für den Staatsschutz

Ganzes Stadtviertel verschandelt

Männlich, 1,80 bis 1,85 Meter groß, dunkle Kapuzenshirts. Das ist die dürftige Beschreibung der zwei jungen Männer, die an einem der heißen Juninächte von Zeugen gesehen und angesprochen worden sind. Sie hatten in der Lederergasse gerade eine Wand beschmiert und entfernten sich Richtung Kirchenplatz. Es war kurz nach Mitternacht.

Ein ganzes Stadtviertel ist in der Nacht auf 20. Juni mit Wandschmierereien verunstaltet worden; angeblich haben 17 Hausbesitzer Anzeige erstattet. In der ersten Polizeimeldung, welche die Heimatzeitung wortgetreu ins Netz stellte, hieß es verharmlosend: „Hausmauern mit Schriftstücken geschmückt.“ Zu diesem Zeitpunkt war das Ausmaß nicht bekannt.

„50.000 Euro werden nicht ausreichen den Schaden zu beheben“, sagt Johann Eglhofer, ein Betroffener. Der pensionierte Mediengestalter hat sich einen Überblick verschafft. Er hatte sich anfangs aufgeregt, dass er bei seinem Anruf bei der Polizei vertröstet worden war, eine Streife würden irgendwann vorbeikommen, er müsste nicht darauf warten; ein Foto von der der Wand sei schnell gemacht. „Ich hatte den Eindruck, dass solchen Straftaten mit zu wenig Eifer nachgegangen wird“, erzählt er.

Anderntags fuhr Eglhofer persönlich in die Polizeiinspektion, um Anzeige zu erstatten.  Zu diesem Zeitpunkt war eine Polizeistreife zu einem weiteren Tatort in den Innstadtbahnhofweg ausgerückt. Hier hatte Hausbesitzer Adolf Hiendl die Ordnungshüter gerufen: An der vor drei Jahren erneuerten weißen Fassade seiner denkmalgeschützten Villa prangte in fetten Buchstaben „Antifa Passau“.  Der Spraylack saugt sich tief ins Mauerwerk ein, so dass oft der Putz abgeschlagen werden muss, um den Schriftzug völlig zu tilgen. Mit einem Neuanstrich ist es selten getan. Manchmal muss die komplette Wandfläche gemalert werden, um das einheitliche Gesamtbild wiederherzustellen.

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Die Schmierereien im Reitergaßl, südlich vom Kirchenplatz.(Foto: Mediendenk)
„Es wird zum Problem, wenn die Originalfarbe nicht mehr verfügbar ist“, sagt ein Geschädigter. Die Schmierereien sind ein Fall für die Ermittler des Staatsschutzes geworden. Denn die Sprüche sind offenbar politisch motiviert. Sie enthalten Aufrufe zur Gewalt gegen Rechte, die Urheber bekennen sich augenscheinlich zur Antifa. Die Beamten ermitteln jedoch in alle Richtung. Dass Linken-Hasser eine falsche Spur legen wollten, wäre theoretisch auch denkbar.

„Vielleicht hat dieser Farbanschlag mit der Burschenschaft in der Römerstraße zu tun“, mutmaßt eine Nachbarin. Wenn die Schmierer wirklich die Linken waren, könnte das ein Racheakt sein.

Wandschmierereien sind in einer Touristenstadt, deren Anziehungskraft die Schönheit ist, ein großes Ärgernis. Durch die Flutsanierung ist Passau reich wie nie an makellosen Fassaden, umso störender fallen solche Schmierereien jetzt ins Auge. Die Bezeichnung „Graffitti“ verbietet sich, da es sich um keine Untergrundkunst handelt. 

Schmierereien auf einer Route von 700 Metern
Das Werk dieser Juninacht: Zwei Dutzend Schriftzüge und politische Symbole haben zwei unbekannte Burschen im historischen Viertel der Innstadt an Häuserfassaden und Gartenmauern gesprüht. Manche Motive sind bis zu vier Quadratmeter groß. Die Tatorte sind in der Jahnstraße, in der Lederergasse, im Reitergaßl, am Ausgang zum Kirchenplatz und in der Römerstraße. Die Spur der blaugrünen, leicht glänzenden Lackfarbe aus einer Spraydose lässt sich über 700 Meter verfolgen. Betroffen sind mehrere denkmalgeschützte Gebäude. 

Die Täter sind bis heute nicht ermittelt. Manche Schmiereren haben Hausbesitzer auf eigen Kosten entfernen lassen.
Beitrag erschienen im Sommer 2017/ Heft Nr. 108. 

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