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Report | Donnerstag, 19. September 19

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Granulat aus Titanoxid, ein chemischer Weißmacher, soll in den Asphalt gemischt den Städten mit hoher Abgasbelastung helfen? Die "Strabag" verkauft das Wundermittel. (PR-Foto: Strabag AG)
Straßenbau

Giftgranulat soll Dieselabgase mindern

Kann man Gift mit Gift tilgen, so wie sich Säure und Base zu einer PH-neutralen Flüssigkeit vermischen? Einer der größten europäischen Baukonzerne will einen Asphaltbelag entwickelt haben, der die Atemgifte der Dieselfahrzeuge senkt. Im Frühjahr ist die erste Teststrecke in der abgasverseuchten Autostadt Stuttgart eröffnet worden; das Autostädtchen Passau probiert es auf einem Stückchen Straße im Stadtteil südlich des Inns aus.

Die weiße Substanz, die als Granulat in die Fahrbahndecke eingewalzt wird, nennt sich Titanoxid. Sie soll in Verbindung mit Sonnenlicht Stickstoffoxide, das Atemgift aus dem Auspuff der Dieselverbrenner, in Nitrat verwandeln. Der Regen spült es weg. Wenn man an "Nitrat im Grundwasser" denkt, klingt die Lösung weniger erfreulich. Aber die angepriesene Innovation birgt noch mehr Brisanz.

Die Recherchierenden der „Deutschen Welle“ haben sich im Fühjahr bereits mit dem Thema Titanoxid befasst und den Konflikt zwischen Wissenschaft, Politik und Chemie-Lobby so zusammengefasst: "Die EU-Kommission will Titandioxid jedenfalls als Gefahrenstoff einstufen und dies auch mit dem Warnhinweis "möglicherweise krebserregend" kennzeichnen. Und die europäische Chemieindustrie will dies unter allen Umständen verhindern."

Das erinnert an die Glyphosat-Debatte und eine menschliche Schwäche, statt der Ursache die Wirkung zu bekämpfen. Im vorliegenden Beispiel: Statt die Verbrenner aus dem Lebensraum der Menschen zu verdrängen, wird versucht, irgendwie ihre Abgase abzumildern.

„Auch im Straßenverkehr ist das Einatmen der Kleinstpartikel durchaus denkbar, etwa durch den Abrieb der Reifen", schreibt die "Deutsche Welle" und bezieht sich auf die Titandioxid-Körnchen, die im abgasverseuchten Stuttgarter Neckartor in den Beton der Fahrbahndecken eingewalzt worden sind.

Doch den Eingang in unsere Körper hat Titanoxid schon lange gefunden: Es ist als effektiver Weißmacher ein beliebter Chemiestoff der Lebensmittel, Arznei- und Kosmetikindustrie. Von der Zahnpasta bis zum Mozarella. Es lässt zudem Lebensmittel glänzender und frischer aussehen. Für Verbraucher versteckt sich der Wirkstoff unter der Bezeichnung "E171", sowie als "CI 77891" in Kosmetika.

In Frankreich darf Titandioxid in Lebensmitteln ab 2020 nicht mehr verwendet werden. Denn dort stuft das Umwelt- und Wirtschaftsministerium das weiße Pigment mit Hinweis auf die Krebsgefahr als gesundheitsgefährdend ein. Französische Wissenschaftler hatten Ratten Dosen verabreicht, wie sie bei Menschen durch die Aufnahme von Lebensmitteln geschätzt werden. Sie stellten fest, dass der Stoff die Darmwand durchdringen, Entzündungen hervorrufen und ins Blut gelangen kann.

Die Geschenke der Stadt Passau erzeugen also erneut gemischte Gefühle. Die lokalen Fußballvereine erhielten allwettertaugliche Kunstrasenplätze – größtenteils befüllt mit krebserregendem Altreifengranulat;  jetzt dürfen sich die Innstädter rühmen, ein neues Stück Wunderasphalt zu besitzen, das Lärm und Atemgift der Dieselverbrenner senkt - und neue Gesundheitsgefahren birgt.

Zum Beitrag der "Deutschen Welle."

Heute um 14 Uhr stellt der Oberbürgermeister mit "Strabag"-Vertretern den neuen Straßenbelag und seine Wirkung im Innstädter Neutorgraben der Presse vor. Die Bezeichnung Titanoxid wird in den Pressemitteilungen vermieden. Es heißt stets "Schadstoffmindernde und lärmreduzierende ClAir® Asphalt-Decke der STRABAG AG".

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