Google-Anzeigen

Report | Dienstag, 04. Juli 17

bild_klein_0000012111.jpg
Elmar Slama lädt zum Benefizkonzert in den Freudenhain-Schlossgarten. (Fotos: Tobias Köhler)
Freudenhain fühlt mit Erdbebenopfern

Konzert für Nursia

Am Geburtsort des Heiligen Benedikt hat die entfesselte Naturgewalt fast keinen Stein mehr auf dem anderen gelassen. Die Abtei San Benedetto hat Dach und Seitenmauern verloren.  Den Glockenturm der Klosterkirche haben Feuerwehrleute einer Notoperation unterzogen, in der Hoffnung, dass er zu retten ist. Sie haben das mit armdicken Rissen durchzogene Mauerwerk bandagiert, zur Entlastung mit einem Kran die Glocken herausgeholt. Die traurigen Bilder von Nursia mit seinem berühmten Kloster gingen nach dem verheerenden Erdbeben vom vergangen Herbst um die Welt. Dann geriet dieses abgeschiedene Stück Italien in Vergessenheit. „Die Schäden sind schlimmer, als wir uns vorstellen können“, sagt Elmar Slama. Der heilige Ort zähle 30 Kirchen, davon seien 20 zerstört. Es gab Hunderte Nachbeben. Bewohner harren bis heute in Wohnwagen und Containern aus, sie wissen nicht, ob sie je in ihre Häuser zurückkehren können.  „Bei der Vielzahl der Gebäude, die in den italienischen Erdbebengebieten betroffen sind, können die statischen Untersuchungen Jahre dauern“, schätzt er.

bild_klein_0000012112.jpg
Das Erinnerungsfoto vom letzten Meisterkurs: Freudenhain-Schüler in der Kirche „San Francesco“ zu Nursia, August 2016. Wenige Wochen später zerstörte ein Erdbeben den Bau; das Marienbild blieb heil.
Slama, ein 50-jähriger Konzertpianist, ist Musiklehrer am Passauer Gymnasium Freudenhain. Das Schicksal von Nursia nimmt ihn mit, weil dieser charismatische Ort in den Bergen der Provinz Perugia für ihn die letzten 20 Jahre auch ein Stück Heimat war. „Wir haben dort jedes Jahr musiziert, gefeiert und die Gastfreundschaft genossen“, erzählt er. Er könne jetzt nicht einfach so tun, als gehe ihn das nichts mehr an.  Seine Schüler fühlen mit ihm mit: Nursia war das jährliche Sommerziel des Klaviermeisterkurses, den Slama hier zum Festival „Umbria Classica“ abhielt, zuletzt im August des Vorjahres; wenige Wochen vor der Katastrophe. Slama zeigt das Erinnerungsbild: Seine Schüler hatten sich, wie viele Freudenhain-Klassen zuvor, im Musiksaal „San Fransesco“ unter dem majestätischen Altarbild fürs Gruppenfoto versammelt. Das fast vier Meter hohe Fresko von 1541 zeigt die Krönung der Jungfrau Maria.
 

DAS KLEINE MARIENWUNDER
„San Francesco“ ist für Nursia so etwas wie die Heiliggeistkirche für Passau, eines der bedeutendsten Bauwerke der gotischen Kunst. Diese profanierte Klosterkirche dient ebenso als Musik- und Konzertsaal. Sie liegt vom berühmten Benediktinerkloster im Ortskern zwei Gehminuten entfernt.

bild_klein_0000012115.jpg
"San Francesco" mit dem Marienbild nach dem Beben.
Am 30. Oktober des Vorjahres haben Erdstöße der Stärke bis zu 6,6 nicht nur das Heiligtum der Benediktiner zerstört, sondern auch diese gotische Kirche.  Dach und Wände stürzten ein. Slama hat sich im Internet durch Bilder der Feuerwehr geklickt, welche die Schäden zeigen. Es mutet ihn wie ein Wunder an: „Unserem Mariengemälde ist nichts passiert“, erzählt er. Die Altarwand ist stehengeblieben. Die Helfer haben das Kunstwerk jetzt abgestützt.

Welche kostbaren Eindrücke die Passauer von diesem umbrischen Dörfchen mitnahmen, veranschaulicht vielleicht ein Text, den Markus Decker, ein Berliner Journalist und Kenner dieser Landschaft, nach dem Erdbeben schrieb: "Liebliche Landschaften, wunderbare Kathedralen... Eine einspurige Straße schlängelt sich durch eine herrlich grüne Mittelgebirgslandschaft, an deren Ende man an der Stadtmauer zum Stehen kommt. Wer die zahlreichen Läden hinter einem der Eingangstore mit ihren ebenso üppigen wie einladenden Auslagen an Trüffeln, Würsten und Linsen hinter sich gelassen hat, steht sehr bald auf der Piazza San Benedetto mit der gleichnamigen Basilika-heute muss man starr vor Schrecken sagen: stand. Das Gebäude aus dem 13. Jahrhundert mit der gotischen Fassade strahlte im Inneren Wärme aus. Vor allem konnte man hier den Glauben nicht nur sehen, sondern hören.“
 

DEN GASTGEBERN ETWAS ZURÜCKGEBEN
Wie traurig es um dieses mittelalterliche Erbe steht, wurde Elmar Slama bewusst, als er die Einladung zum diesjährigen Festival „Umbria Classica“ erhielt. „Es kann in Nursia nicht mehr stattfinden, sie haben es in eine Nachbarstadt verlegt“. Nursia abhaken, einfach vergessen, das kann er nicht. Er will den Bewohnern, die „vorbildliche Gastgeber“ waren, etwas zurückgeben. Slamas Schüler, deren Eltern, die Lehrerkollegen, die Musikerfreunde, alle waren von seiner Idee sofort begeistern: „Wir organisieren ein Benefizkonzert für Nursia!“

FREILUFTKONZERT AM 8. JULI IM SCHLOSSGARTEN

bild_klein_0000012109.jpg
Der Hauptplatz von Nursia am Tag nach dem Erdbeben. Feuerwehrleute bergen mit einem Kran die Glocken der Benediktinerabtei. (Foto: dpa)
Wenn das Wetter mitspielt, wird das großes Freiluftkonzert am 8. Juli im Schlossgarten von Freudenhain stattfinden; Ausweichstätte wäre die Turnhalle. „Als Musiker hat man ein großes Netzwerk, auf das man sich bei solchen Anliegen verlassen kann“, sagt Slama. Das Programm reicht von Klassik bis Rock, von Schauspiel bis Tanz. Mehrere Dutzend Mitwirkende haben zugesagt; befreundete Künstler, ehemalige und aktuelle Freudenhain-Schüler. Slama schätzt, dass eine Spende von 5.000 Euro zusammenkommen könnte. Aber um die Höhe der Summe geht es ihm nicht. Es soll eine nette Geste, ein kleiner Trost, ein Dankeschön aus Passau nach Nursia sein. Die deutsche Partnerstadt von Nursia, Ottobeuren im Allgäu, hat Slama geholfen, den Kontakt herzustellen. Auf dem Wunschzettel der Bürger dort stehen Ausstattungen für Schule und Kindergarten, beispielsweise neue Musikinstrumente.

Die Mitwirkenden
Steffi Rösch (Liedermacherin), Ana-Laia König (Geige), Theresa Krügl und Elisabeth Jehle (Gesangsduo), Elisabeth Thoma (Flöte), Manuel Wagner (Akkordeon), Philipp Ortmeier (Komponist), Maxi Lindinger und Max Do (Piano), Regisseurin Steffi Holly mit der Theatergruppe Freudenhain, Margit Weinberger mit dem Streichquartett Freudenhain, Leni Bäumler (Tänzerin), Karin und Gotthard Seidl (Gitarrenduo), Sonja Ortmeier mit dem Kinderchor der Grundschule Hacklberg, Elmar Slama (Pianist).  

Beitrag erschienen im Bürgerblick Heft Nr. 106, Juni 2017

Investieren Sie in die freie Presse!

Ihnen hat dieser Artikel genützt oder gefallen? Sie möchten auch weiterhin die Passauer Online-Zeitung Bürgerblick, ein Angebot im Netzwerk der freien Presse, lesen? Dann unterstützen Sie uns, indem Sie für dieses Angebot nach eigenem Ermessen bezahlen. Jeder Cent zählt. Einfach und bequem per Paypal.

01:02
Sonntag
22. Oktober 2017
 
Bitte klicken Sie diese Förderer
und Freunde der freien Presse:

KULTURKALENDER
22.10. | Sonntag
GRUBWEG
Die Balkonszene
 

Chaos und Turbulenzen um einen schwer vermittelbaren Fall in einem Londoner Heiratsvermittlungsbüro.
Das Volkstheater Passau inszeniert dieses Stück der Briten John Chapman und Anthony Marriott.


16:00 Uhr | 10 Euro
OPERNHAUS
The Rocky Horror Show
 
bild_klein_0000012306.jpg

Wiederaufnahme aufgrund des großen Erfolgs:
Das im Londoner Royal Court Theatre uraufgeführte Rock-Musical von Richard O´brien begeistert seine Zuschauer seit über 40 Jahren.


 


18:00 Uhr | ab 7,50 Euro
CAFÉ MUSEUM
Barbara Dorschs Local Heros
 
bild_klein_0000012484.jpg

Dämmerschoppen mit der Gesangsbraut und anderen Passauer Musikanten.


18:00 Uhr | 12 Euro, ermäßigt 6 Euro

BÜRGERBLICK AUF FACEBOOK

Google-Anzeigen