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Report | Freitag, 28. Juli 17

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Unter der Rinde einer befallenen Fichte zeigen sich die Schädlinge: Käfer, Larven, Frassgänge. (Photo: Tobias Köhler)
Klimawandel beschleunigt Borkenkäferplage

Löchrig wie des Bettelmanns Rock

Der Klimawandel begünstigt einen Schädling, der zum Schrecken der privaten Waldbauern und staatlichen Forstleute geworden ist: Vom Borkenkäfer werden neue Rekordzahlen (siehe Grafiken) gemeldet.

Wohin mit dem vielen Käferholz? Wie kann verhindert werden, dass der Wald immer mehr Löcher bekommt? Wird 2017 ein neues Katastrophenjahr? Wer Förster oder Waldbauern beim Erkundungsgang begleitet, erlebt bange Gesichter und hört von Notständen, für die es keine Lösungen gibt.

Der ungewöhnlich warme März hat dazu geführt, dass die erste Generation der Borkenkäfer sehr früh geschlüpft ist. Schlimmstenfalls könnte es dazu kommen, dass heuer erstmals vier Generationen ausschwärmen, sagt ein Passauer Revierförster.

Das Problem mit der Erbengeneration
Das Waldgebiet in Stadt und Landkreis Passau teilt sich in sieben Reviere auf. Die gesamte Waldfläche misst rund 44.000 Hektar, etwas größer als die Fläche von Wien. Davon sind 7.000 Hektar Staatsforst, 36.000 Hektar Privatwald und 1.000 Hektar Gemeindewald. Der Privatwald mit seinen 18.000 Waldbesitzern ist bei der Ausbreitungsgefahr das größte Sorgenkind. Die alten, naturkundigen Waldbauern sterben weg, den jungen Erben fehlt Zeit oder Lust, sich zu kümmern. Es soll nicht wenige Waldbesitzer geben, die nicht einmal wissen, wo die Grenzen ihres Wäldchens sind, erzählt ein Forstmann.

Monatliche Kontrollgänge notwendig

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Wöchentlich werden in Duftfallen die Kupferstecher gezählt: Fangzahlen jenseits der 50.000 Stück lassen sich in der Grafik nicht mehr darstellen - es gab Spitzenwerte bis 170.000! Schauplatz ist Aldersbach. (Grafik: LWF)
Um in akuten Borkenkäferjahren wie heuer rechtzeitig eingreifen zu können, um größeren Schaden zu verhindern, müssten Kontrollgänge monatlich unternommen werden. Doch welcher Waldbesitzer nimmt sich noch die Zeit dafür? Wenn der Befall dann mehr oder minder zufällig entdeckt wird, möglicherweise von einem Nachbarn, der um seine eigene Bäume fürchtet, beginnt der Wettlauf mit der Zeit. Woher die Holzfäller oder die Erntemaschine nehmen? Wo das gefällte Käferholz in sicherem Abstand lagern? Die Sägewerke, es gibt in unserer Region nur mehr zwei große Vertreter, sind überlastet. Sie können maximal 6.000 Festmeter Holz am Tag verarbeiten. Die privaten Waldbauer müssen hinten anstehen. Osteuropäische Großlieferanten und staatliche Betriebe werden vorrangig bedient.

Immer mehr Todesfälle bei Holzarbeit

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Ein befallener Baum wird gefällt: Holzarbeiter vom Staatsforst bei der Arbeit. (Photo: Tobias Köhler)
Holzfällerarbeit ist Schwerstarbeit und für Laien gefährlich. „Käferbäume sind tückisch, weil sie mangels Gewicht in den Kronen anders fallen als erwartet“, sagt ein Forstexperte. Wenn Borkenkäfer und Windbruch die Arbeit im Holz mehren, steigen die Unfälle. 16 getötete Holzarbeiter galt es in Bayern 2015 zu beklagen, 12 im Vorjahr, die heurige Statistik lässt Schlimmstes befürchten: 16 bis zum heutigen Tag. So lesen sich die Protokolle: Ein vom Harvester gefällter Käferbaum bringt eine weitere Fichte zu Fall, welche den benachbarten 57-jährigen Waldbesitzer trifft und tötet, der gerade seine Waldgrenze abgegangen ist; von einem gefällten Käferbaum, den ein junger Holzarbeiter mit einer Seilwinde zu Boden bringt, bricht ein zwölf Meter langes, dürres Wipfelstück ab, das seinen die Motorsäge führenden Vater erschlägt.

Kupferstecher und Buchdrucker
Wenn sich die Fichtenkronen verfärben, ist es zu spät. Ein Käferloch im Endstadium. In den Kronen und Ästen knabbert der Kupferstecher, in die Rinde am Stamm bohrt sich der Buchdrucker. Wie dramatisch sich das Waldsterben derzeit ausbreitet, ist schwer überschaubar. Ein Passauer Revierförster, der 5.600 Hektar Wald betreut, erzählt, dass er wegen Borkenkäferbefalls derzeit mit 70 bis 80 Waldbesitzern in Kontakt steht. „Dazu kommen die Fälle, welche noch nicht entdeckt sind oder solche, die private Waldbesitzer eigenständig bearbeiten“, sagt er.

Millionenverluste für Forstwirtschaft
Wer durch die niederbayerische Landschaft fährt, mit kundigem Auge die bewaldeten Hügel betrachtet, die Stellen der verfärbten Bäume zählt, erschrickt ob der Häufigkeit. Die Beobachtungen der Revierförster hochgerechnet: 1.000 Löcher im Wald von Stadt und Landkreis Passau allein heuer sind gut möglich. Dies bedeutet Verluste von mehreren Millionen Euro für die Forstwirtschaft, gerodete Waldflächen, die Erholungssuchende beklagen, wenn sie die Brachen in der Nähe von Wanderrouten entdecken.

"Wie des Bettelmanns Rock"
„Nur die Natur oder ein Wetterumschwung kann uns helfen“, sagt ein betroffener Waldbesitzer. Doch der Klimawandel spielt dem Käfer in die Karten: Er mag Hitze und Trockenheit. Den Älteren fallen dazu die Prophezeihungen des Mühlhiasl wieder ein: „Der Wald wird so licht werden, wie des Bettelmanns Rock“.        

Ein Käferloch, wie zuletzt im Stadtgebiet nahe dem Abenteuerspielplatz in Passau-Grubweg, misst etwa die Größe eines Fußballfeldes; rund 200 Kubikmeter Käferholz fallen an, der Waldbesitzer büßt durch den Wertverlust etwa 5.000 Euro ein.  

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18:48
Freitag
15. Dezember 2017
 
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Antike Tragödie des Sophokles (496 – 406 v.Chr.). Ein Begräbnis entfacht einen Streit zwischen Menschen, in den die Götter eingreifen.


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Ob Martin Schulz, Honecker oder Merkel – der Baden-Württemberger parodiert gekonnt Politiker und historische Figuren.


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Dornrosen
 
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Heitere und musikalisch versierte Geschwisterband aus Österreich. Zum 15-jährigen Jubiläum stehen alte und neue Stücke auf dem Programm.


20:00 Uhr | 23 Euro, ermäßigt 18 Euro
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Comedypreis-Gewinnerin und deutsche TV-Größe: Die Kölnerin behandelt in ihrem Programm "Alphapussy" Geschlechter-Gerechtigkeit und aufgesetzte Jugendlichkeit.


20:00 Uhr | 29 Euro

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