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Report | Freitag, 14. September 18

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Fürs Pressefoto geht Wirtschaftsminister Pschierer in die Hocke; weiße Bauhelme halten BFZ-Vorstand Goth (blaue Krawatte), Vizelandrat Kneidinger und OB Dupper (Brille), die Grundsteinplatte zeigt bfz-Leiterin Riedl, gegenüber ihr Vize Riedl. (Foto: Tobia
"Hier fällt niemand durchs Raster"

Neuer Baustein für Integration

„Ich habe mal auf dem Bau gearbeitet.“ Franz Josef Pschierer sagt es und greift sich den Schubkarren mit Kies. Mit einer schwungvollen Kippbewegung füllt der 62-Jährige den Inhalt zielgenau in das eimergroße Erdloch vor der Rednerbühne. Der neue Wirtschaftsminister in Söders Kabinett, ein Schwabe, erntet respektvolle Blicke vom niederbayerischen Publikum.

Es war in vielerlei Hinsicht heute eine ungewöhnliche Grundsteinlegung, nicht nur wegen des zupackenden Ministers. Der Festakt fand nicht, wie es Grundsteinlegungen so an sich haben, unter freiem Himmel statt, sondern unter der nackten Betondecke einer Tiefgarage. Man hätte die Grundsteinlegung fast mit dem Richtfest zusammenlegen können, scherzte ein Redner. Denn der Rohbau ist fast fertig. Durch die Kabinettsumbildung in München nach Seehofers Abgang und wegen des vollen Kalenders des neuen Wirtschaftsministers im Bauboomland Bayern war dieser Passauer Termin immer wieder verschoben worden.

Quelle für neue Fachkräfte

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Ein zupackender Schwabe in Niederbayern: Wirtschaftsminister Franz Pschierer sagte zur Grundsteinlegung, diese Einrichtung schaffe Perspektiven für Flüchtlinge, biete ihnen berufliche und kulturelle Orientierung. (Foto: Tobias Köhler)
Der symbolische Gründungsakt sollte auf alle Fälle im Beisein des bayerischen Wirtschaftsministers stattfinden. Das hat diesmal nicht mit Wahlkampf zu tun, sondern mit der Bedeutung dieses Gebäudes. Es ist ein neuer Baustein, der auf ein wichtiges Gut der Gesellschaft setzt: berufliche Bildung. Unter diesem Dach wird dem Fachkräftemangel entgegengewirkt, hier finden geflüchtete, arbeitslose und beeinträchtigte Menschen den Weg in eine neue Zukunft. "Hier fällt niemand durchs Raster, hier wird in Chancen gedacht und nicht in Hindernissen", betont Pschierer.

Der Fürstenzeller Architekt Philipp Donath hat das fünfgeschossige Schulgebäude mit Parkgarage am Steilhang zwischen Spitalhofstraße und Haitzinger Straße entworfen; seit dem Panoramarestaurant auf Oberhaus scheinen solche exponierten Lagen seine Spezialität zu sein. Bei dieser nachträglichen Grundsteinlegung fehlt nur noch das oberste Geschoss. Die Erdarbeiten waren aufwändiger als geplant.

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Architekt Philipp Donath berichtete über die erschwerten Bedingungen, ein Gebäude am Steilhang mit hohem Raumbedarf zu planen.Er ist seit zweieinhalb Jahren mit diesem Projekt beschäftigt.
Sechs Kursteilnehmer, darunter ein Syrer und ein Bulgare, werden als Vorzeigeschüler auf die Bühne geholt. Der Minister drückt ihnen ein Buch in die Hand, das 25 Erfolgsgeschichten erzählt von Menschen, die nicht über Hochschulen, sondern durch berufliche Fortbildung heute an der Spitze stehen. Pschierer schlägt zufällig die Seite eines schwäbischen Absolventen auf und nennt dieses Beispiel: erst Koch, dann Hoteldirektor, jetzt Geschäftsführer eines eigenen Wirtschaftsberatungsunternehmens.

Löwenanteil der Fördergelder von EU
Den Grundstein für diese beruflichen Fortbildungszentren (BFZ) haben die bayerischen Arbeitgeberverbände mit dem „Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft“ gelegt, das im nächsten Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert. Das Passauer BFZ existiert seit 1984. Es beschäftigt heute rund 50 Mitarbeiter in Passau, mit seinen acht Nebenstellen, darunter eine Fachschule für Heilerziehungspflege, 160. Es werden jährlich 8.000 Teilnehmer betreut, rund 400 Kurse abgehalten. Das neue Schulungsgebäude mit elf Seminarräumen und zwei Werkstätten, die Investition wird beziffert mit 9 Millionen Euro, finanziert sich zur Hälfte aus staatlichen Fördermitteln; den Löwenanteil gibt mit 3,5 Millionen Euro die Europäische Union.

 „Hinfallen ist keine Schande, nur liegen bleiben“, gibt Pschierer den anwesenden Schülern zur Ermunterung mit. Er selbst gibt den Rastlosen. Sein Chauffeur packt ein paar Schnittchen als Wegzehrung vom Büffet ein, denn man ist in Eile. In Bad Griesbach steht der nächste Termin an, die Eröffnung einer neuen „Wohlfühltherme“. Auch hier habe sich der Freistaat finanziell beteiligt. Für das Passauer BFZ flossen übrigens 700.000 Euro an Landesmitteln.

Lob für Waschler, Dupper und Roos
Drei Männer im Raum kennt Pschierer, der seit 1994 im Landtag sitzt, persönlich; man duzt sich: Dupper, der bis vor zehn Jahren Mitglied im Landtag war, Gerhard Waschler, der erstmals vor zwanzig Jahren in den Landtag kam, und Bernhard Roos, der in den Landtag einscherte als Dupper ins Passauer Rathaus wechselte. Die drei hätten in München mit ihrer jahrzehntelangen Erzählung vom „notleidenden Niederbayern“ diese Region geschickt nach vorne gebracht, erzählt Pschierer dem Publikum.      

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Oberbürgermeister Jürgen Dupper kritisiert, dass Hysterie bei der Migration den Blick auf einen sachlichen Diskurs verstelle.
Oberbürgermeister Jürgen Dupper ist bekanntlich bestrebt, dass Passau bei der Flüchtlingsintegration eine Vorbildfunktion einnimmt. Es gibt ein eng geknüpftes Netz zwischen Kommune, Wirtschaft und Bildungseinrichtungen. Er erhält Beifall für seine Kritik an destruktiven Kräften. Die „Hysterie zur Migration“, die von mancher Seite betrieben werde, verstelle den Blick auf einen sachlichen Diskurs.

hud

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Freitag
21. September 2018
 
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21.09. | Freitag
SCHARFRICHTERHAUS
Lesung: Erich Hackl
 
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Der Schriftsteller liest aus "Am Seil", seines auf Tatsachen beruhenden Romans über einen wortkargen Kunsthandwerker, der zwei Jüdinnen im Dritten Reich vor der Deportation bewahrte.


20:00 Uhr | 10 Euro
RATHAUS
Nachtwächterführung
 

Spätabendliche Führung durch Passau mit einem "historischen Nachtwächter". Treffpunkt vorm Rathausturm.


21:15 Uhr | 13 Euro
DOMPLATZ
Symphonie aus Licht und Klang
 
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Sehenswert! Die kalkweiße Fassade des Stephansdomes wird zur 1000 Quadratmeter großen Projektionsfläche: die Kirchengeschichte der Kathedrale wird zum 350-jährigen Barockjubiläum erzählt in zwölf Szenen, untermalt von Chor- und Orgelmusik. 20 Minuten, findet bei jedem Wetter statt. 


22:00 Uhr | frei

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