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Report | Mittwoch, 05. Dezember 18

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In Decken gehüllt Glühwein trinken und die Hüttendekoration bestaunen: Eigentlich ergänzen sich Kunstladen und Bar ganz gut - wären da nicht der Nachbarschaftsstreit und die illegale Holzpassage.
Zankapfel "Hüttenzauber"

Online-Petition zu Passauer Weihnachtsdekoration

Sehen und gesehen werden. Heuer hat eine Passauer Bilderrahmenhändlerin ihr Ziel erreicht, wenn auch anders als gewollt: Zur behördlich angeordneten Demontage ihrer vorweihnachtlichen Außendekoration "Hüttenzauber" kommt das Bayerische Fernsehen. Mehr Aufmerksamkeit geht nicht. Mehr Wirbel auch nicht: Bürger haben eine Online-Petition gestartet, damit die Deko bleibt.

„Aus dem Rahmen zu fallen“ ist seit Jahren der werbeträchtige Anspruch der Geschäftsfrau. Einst wurde die Fassade ihrer Schaufensterzeile zum Lebkuchenhaus, diesmal schuf ihr eine Ortenburger Designagentur ein Alpenpanorama mit Hüttenflair; ein hölzerner Vorbau mit Dach erinnert an eine Westernstadt.

40 Quadratmeter Gehweg, das ist unbestritten, sind illegal überbaut worden. „Es ist keine Genehmigung eingereicht worden", stellt eine Rathaussprecherin fest.

Was die extravagante Gestaltung anbelangt, hatte die Stadt in den letzten Jahren zwei Augen zugedrückt. Der Verstoß gegen die Werbeanlagensatzung war ja nur von kurzer Dauer. Die Bilderrahmenhandlung ist auf jeden Fall in der Adventszeit ein Hingucker für die Vorübergehenden. Viele, erstaunt und angetan, treten ein paar Schritte zurück, um die Inszenierung mit dem Handy festzuhalten.

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"Schade, dass das weg muss!" Passanten diskutieren vor der Weihnachtsdeko "Hüttenzauber". (Foto: mediendenk)
Zum Genehmigungsmangel gesellen sich heuer Neid und Missgunst, Der unmittelbar angrenzende Barbetreiber ist offenbar der Meinung, dass die Bilderrahmenhändlerin bei ihren Leisten bleiben und sich nicht breitmachen solle. Er sieht seine eigenen Interessen gefährdet, die Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen. Mit Glühweinausschank wollte die Nachbarin ihm sogar sein Kerngeschäft, den Alkoholausschank, streitig machen.

Die Grenzen seien überschritten, schaltete der besorgte Barmann das Rathaus ein. Man wäre auch ohne ihn tätig geworden, heißt es von dort auf Anfrage. Denn die Passanten können an der Nahtstelle zwischen Bilderrahmenhandlung und Bar nicht mehr passieren, ohne die künstlich geschaffene, illegale Holzpassage zu betreten. Die Bartische des Barmanns lassen keine Alternative. Jetzt müssten wirklich alle auf die Straße ausweichen.

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Barbesitzer Sello Dilber, 48, im Gespräch mit einer PNP-Reporterin: Die Idee der Deko stamme von ihm. "Ich liebe das, sie darf nicht weg!", setzt er sich plötzlich dafür ein. (Foto: mediendenk)
Kunst oder Kitsch, das ist nicht mehr die Frage. Viele Passauer sehen den überdimensionierten Blickfang am Rindermarkt gelassen oder finden ihn gar genial. Es ist ja nur für kurze Zeit. "Schade darum", ist die Meinung der Mehrheit der Passanten, die heute von einer PNP-Reporterin befragt wurden. Der Barbetreiber diktiert ihr in den Notizblock, die Idee der Dekoration stamme ursprünglich von ihm. Aber er sagt auch: "Ich liebe diese Deko. Sie darf nicht weg!" Er würde sogar wegen zurückweichen mit seiner Gastronomie, wenn damit der Streit aus der Welt geschafft wäre.

Andere wiederum stört vielmehr der Barbetreiber, der sich das ganze Jahr über tatsächlich über die gesamte Breite des Gehwegs breit mache. Als Fußgänger müsse man notgedrungen zwischen seiner Ladentür und den angrenzenden Tischen und Stühlen durchschlüpfen - oder auf die Straße ausweichen. So die Kritik der Gegenseite.

Im Wetteifer von Eitelkeit und Egoismus haben sich die beiden Nachbarn offenbar nichts genommen. Das beflügelt Klatsch und Presse. Möglicherweise wäre der Weihnachtsrummel am Rindermarkt ein friedlicher Erfolg geworden, wenn sich Barmann und Bilderrahmenhändlerin zusammengetan und an einem Strang gezogen hätten. Kitsch und Kunst hätten sich vortrefflich ergänzt.

Bürger haben eine Online-Petition für die Weihnachtsdekoration gestartet, 1.100 haben schon unterschrieben.

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