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Report | Mittwoch, 01. März 17

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Freitag, der 13. Februar 2015. „Alles muss raus!“, war die Devise im Autohaus Hausmann. (Foto: Bürgerblick)
Autohaus Hausmann

Sammler wie Diebe verfolgt

Passau - Es ist zugegangen wie bei einer Schnäppchenjagd. Ford-Mechaniker im Blaumann durchsuchten die deckenhohen Holzregale im Obergeschoss, füllten große Supermarkttaschen mit Werkzeugen und Metallteilen. Andere trugen mannshohe Werbetafeln aus Emaille davon, nachdem sie dem vermeintlichen Besitzer unaufgefordert einen kleinen Obolus in die Hand gedrückt hatten. Im Stockwerk darunter waren junge Männer damit beschäftigt, stapelweise Autozeitschriften, Gebrauchsanleitungen und Werbeposter wegzuschleppen. Auf der Straße parkte mit offener Ladeklappe ihr weißer Sprinter. „Ihr dürft mitnehmen, was ihr brauchen könnt“, ermunterte der Enkel des Autohausgründers wie ein großzügiger Spender die Sammler.

Der Unternehmer war damals fest davon überzeugt, dass er der rechtmäßige Besitzer dieses Inventars ist. Er selbst sicherte sich vor allem die elf Oldtimer, Baujahr 1928 bis 1970. Heute sagt er: „Ich will von diesen Dreckskarren nichts mehr wissen!“ Sie haben ihm - aus heutiger Sicht - nur Ärger und Gerichtskosten eingebracht.

Das „Autohaus Hausmann“ mitten in der Passauer Innenstadt war 40 Jahre lang im Dornröschenschlaf gelegen. Nachdem die letzte Eigentümerin mit 83 gestorben war, öffnete der Enkel der Öffentlichkeit die Türen. Das Ford-Autohaus lag da in einem Originalzustand wie ein einzigartiges Museum. Von der Werkstatt im Erdgeschoss über die Schauräume im ersten Stock bis hin zum Lager im Speicher. 

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Oldtimer werden abtransportiert. (Foto: Bürgerblick)
Fast genau zwei Jahre nach der Zerstörung dieser Zeitkapsel wird im Drama ein neues Kapitel aufgeschlagen. Die Sammler, die sich bei der Räumung bedienten, darunter Mitglieder von Oldtimerclubs, Ford- Händler und -mechaniker, werden wie Diebe verfolgt. Im Auftrag der rechtmäßigen Besitzer, einer Deggendorfer Erbengemeinschaft, hat eine Passauer Detektivin an Hausmann-Enkel und alle namentlich bekannten Anwesenden der Räumungstage Post verschickt: „Rechtsstreit Autohaus Hausmann - Herausgabe von beweglichen Sachen, Maschinen und Gegenständen“. Es ruft „sämtliche Personen, welche der Einladung zur ´Selbstbedienung´ gefolgt sind“ auf, über den Verbleib der Erbschaftsgegenstände Auskunft zu geben, Erworbenes zurückzugeben oder bekannte Besitzer zu benennen.Die Detektivin berichtet auf Nachfrage, dass sie bei der Räumung als heimliche Beobachterin zugegen gewesen sei.

Der Enkel hatte sich darauf berufen, dass ihm die letzte Eigentümerin vor ihrem Tod die Oldtimer und das Inventar geschenkt habe. Es muss für ihn eine bittere Niederlage gewesen sein, als er die Erblasserin erforen im Flur ihres Anwesens entdeckte. Tags darauf war ein Notartermin anberaumt. Es kam zum gerichtlichen Erbstreit. Er unterlag vor dem Oberlandesgericht. Das gesamte Erbe ist den Deggendorfer Nachfahren zugesprochen worden.

Die elf Oldtimer, die während des Gerichtsverfahrens von einem Gerichtsvollzieher beschlagnahmt worden sind, befinden sich mittlerweile im Besitz der rechtmäßigen Erben. Doch viele Gegenstände sind bis heute laut Maier verschwunden: die nostalgische blaue Sitzgarnitur aus dem Verkaufsraum, historische Fahrräder mit Hilfsmotor, ein Musikautomat um die 1900, Polyphon genannt, alte Druckmanometer, Schmuck und Münzen…

Wollen die Deggendorfer Erben möglicherweise das Automuseum wiederherstellen? Nach Aussage der Detektivin sind die Fahrzeuge nicht veräußert worden. Die Erben hätten noch keine Pläne. Das deckt sich mit dem Eindruck, den der Betrachter dieser Passauer Immobilien gewinnt. Das Oldtimerhaus, verwitterterte Fassade mit abgefallenen Steinplatten, ist zum Schandfleck der Theresienstraße geworden. In der Neuburger Straße verwahrlosen Gebäude auf einem mit Altöl und Schmierstoffen belasteten Grundstück.

Beitrag erschienen in Bürgerblick Nr. 102/ Februar 2017.

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