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Report | Montag, 18. September 17

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Merkel spricht, Scheuer und Kollegen lauschen. Den Wahlkampfauftritt der Kanzlerin hat die PNP auf Facebook übertragen: Es regnete mehr Wutmännchen als "Daumen hoch!". (Quelle: Facebook)
Merkel in Passau

Von Wuttiraden und Scheuerschmeicheleien

Man darf gespannt sein, welchen Satirehieb sich die ZDF-Heute-Show für die Sendung am Freitag vor der Bundestagswahl einfallen lässt. Als Zaungast wurde beim Merkel-Auftritt in Passau eine junge freche Schnauze gesichtet: Komiker Fabian Köster, 22 Jahre alt. Er sah eine Merkel in FDP-gelber Kostümjacke – eine Koalitionsansage?

Merkels Auftritt auf dem alten Dultplatz fand hinter Absperrgittern und gefühlt - "Sicherheit: Stärke zeigen" - einem Spalier von 500 Polizisten statt. Jeder Zuschauer, der den mit Bierbänken bestückten Innenbereich betreten wollte, musste sich namentlich registrieren lassen, den Personalausweis vorzeigen. Journalisten, die sich nicht bei der CSU-Landesleitung angemeldet hatten, wurden wie Fabian Köster zu Zaungästen.  

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Der 22-jährige ZDF-Komiker Fabian Köster war mit seinem TV-Team für die "Heute Show" angereist. (Quelle: ZDF)
Die Kanzlerin sorgte zu Beginn für Heiterkeit. Als sie bei der Begrüßung an ihren letzten Passau-Besuch zur Hochwasserkatastrophe 2013 erinnerte, verwechselte sie die Flüsse. Zur Wiedergutmachung sagte sie eine Eselsbrücke auf: „Iller, Lech, Isar, Inn, fließen rechts zur Donau hin“.

Um 18.50 Uhr, als der Kanzlerin noch zehn Minuten Redezeit verblieben, waren erstmals Trillerpfeifen der AfD-Anhänger zu hören, die ihre 300 Meter entfernte Gegenkundgebung offenbar aufgelöst hatten.

Merkel schmeichelte CSU-Lokalmatador Andreas Scheuer, der mit anderen örtlichen CSU-Granden an einem Bühnenstehtisch die Rede verfolgte: „Für den muss ich hier nicht werben, der ist hier verwurzelt, der ist hier bekannt. Wenn Passau in Not ist, dann weiß das ganz Berlin, weil er uns alles sagt.“

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Merkel winkt, Scheuer klatscht. Den Wahlkampfauftritt der Kanzlerin hat die PNP auf Facebook übertragen: Es regnete mehr Wutmännchen als "Daumen hoch!". (Quelle: Facebook)
1.000 Zuschauer betrachteten den Merkelauftritt live auf Facebook. Die Kommentare, viele beleidigend und hassbetont, erweckten den Eindruck, als wären mehr Merkel-Gegner als Merkel-Anhänger zugeschaltet. „Koana mogs angeblich, aber jeder schaut sichs a“, schrieb Zuschauerin Marion B. zutreffend.

Im Netz Spreu vom Weizen trennen

Die Beleidigungen und Hasstiraden im Netz beim Merkelauftritt zeugten vom Abschaum, der sich in den (as)sozialen Netzwerken (nicht Medien!) angesammelt hat. Es wäre eine wirksame Abhilfe, eine wunderbare Vorstellung: Wenn sich die echten Journalisten geschlossen aus den privaten US-Netzwerken verabschiedeten, den Verlust an kostenloser Werbung für ihre Produkte und - eine Frage der Zeit - verlorener Aufmerksamkeit verschmerzten, die Spreu vom Weizen wäre getrennt.

Die Orientierung im Netz wäre wieder hergestellt: hier die Medienportale mit ausgewiesenem Impressum, die sich an deutsches Recht, Gesetz und Pressekodex halten (müssen), denen notfalls mit Gegendarstellungen und Unterlassungsklagen beizukommen ist, dort das Sammelbecken der Ergüsse von Hinz und Kunz, der Textsumpf in dem selbst Hasstiraden und sogenannte Fake-News versinken und keinen Schaden mehr anrichten. 

Schöne Idee, aber wohl leider zu spät für die Umsetzung. Facebook ist auch für Bürgerblick zur Fessel geworden, ein willkommenes Instrument zur Verbreitungsvermehrung. Selbst mir fehlt der Mut, dieses dicke Seil im Netz zu kappen.

Hubert Jakob Denk

Videobeitrag Campus Radio/ Uni Medien

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