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Report | Sonntag, 13. August 17

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Dieses Amateurfoto zeigt die Festnahme des Tatverdächtigen von Charlottesville: Er sitzt am Boden, sie legen ihm Handschellen an, am Straßenrand der graue "Dodge Challenger".
Die Neonazis und der Autoanschlag

Warum Charlottesville Passauer ganz besonders berührt

Der Fahrer eines silbergrauen „Dodge Challenger“, Baujahr 2010, motorisiert mit einem V6-Motor, 3,5 Liter Hubraum, 258 PS, Kennzeichen „GVF 1111“, ist in der Kleinstadt Charlottesville, die 40.000 Einwohner und 20.000 Studenten zählt, im Bundesstaat Virginia, 190 Kilometer von Washington entfernt, in eine Gruppe von Bürgern gerast, die gegen einen Aufmarsch von Neonazis („Alt-Right“) und Anhängern des rassistischen Ku-Klux-Klans demonstriert haben.

Warum wir dies auf einer niederbayerischen Lokalseite erzählen? Dieses amerikanische Städtchen Charlottesville hat markante Parallelen zu Passau, schöne und hässliche: Die Universität und ihre Studenten prägen das Stadtbild und haben wirtschaftliche Blüte gebracht; der Denkmalschutz hält seine Hand über den hübschen alten Ortskern mit den Fußgängerzonen; es gibt und gab dunkle Flecken aus rassistischer Vergangenheit.

Passau hat Straßen und Häuser umbenannt, die Nibelungenhalle abgerissen. Charlottesville will sich gerade von seinem Makel der Geschichte trennen: Hier steht eines von vier Denkmälern im Land für den umstrittenen General Robert E. Lee (1807-1870), der im amerikanischen Bürgerkrieg für den Fortbestand der Sklaverei kämpfte. Wie in New Orleans bereits geschehen, soll sein Monument in Charlottesville abgebaut werden; der Stadtratsbeschluss fiel im April; der Name des Parks, in dem Lees Denkmal steht, ist bereits umgewidmet worden in "Park der Emanzipation".

Ausnahmezustand wegen braunen Spuks
Es gibt in Passau wie in Charlottesville eine breite Bürgerschaft, die sich gegen rechtsextreme Aufmärsche wehrt. Große Polizeiaufgebote haben in der Vergangenheit in Passau dafür gesorgt, dass es zwischen den Gruppen zu fast keinen Berührungen kam. Die Polizei baute Blockaden mit Fahrzeugen und Absperrgittern auf, die Gewaltbereitschaft war auf beiden Seiten zum Glück sehr gering. Die einen brüllten ihre rechten Parolen, die anderen streckten ihnen rote Karten entgegen.

Die Passauer haben mehrere solcher Demonstrationen erlebt. Der braune Spuk zählte in Passau maximal ein paar Hundert Köpfe, zuletzt im Jahr 2009; bei diesem Aufmarsch war von dem damals Leitenden Polizeidirektor über die Dreiflüssestadt an einem Samstag ein sechs Stunden langer Ausnahmezustand verhängt worden. Hauptverkehrswege und Innbrücke waren gesperrt, 1.200 Polizeibeamte im Einsatz. Die Passauer nahmen es murrend, aber geduldig hin, formierten sich in Rufweite zur Gegendemo. 1.000 Bürger und Antifa-Anhänger gegen 260 Neonazis - so stand man sich in Passau damals gegenüber.      

Sie kamen zum dritten Mal
Die Bürger von Charlottesville hatten erstmals im Mai, einen Monat nach dem Stadtratsbeschluss, mit rechten Demonstranten Erfahrungen gemacht. Ein Neonaziführer organisierte nachts mit seinen Anhängern einen Fackelmarsch in den ehemaligen Lee-Park. Die "Alt-Right"-Gruppe wurden von einheimischen Gegendemonstranten erwartet. Die Konfrontation blieb gewaltlos. Zunächst. Im Juni standen dann 50 Anhänger des Ku-Klux-Klans mehreren Hundert Bürger und Antifa-Aktivisten gegenüber. Es kam zu  Auseinandersetzungen. Die Polizei musste die Parteien unter Einsatz von Tränengas trennen, es gab 43 Festnahmen.

Auto als Terrorwaffe

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Auf Handyfotos ist der Moment festgehalten, als der Wagen in die Menge rast.
An diesem Wochenende rotteten sich die "Alt-Right"-Bewegung und der Ku-Klux-Klan zusammen, mehrere Hundert oder gar Tausend fielen in das Unistädtchen ein. Die US-Polizei war mit 1.000 Beamten fast so stark vertreten wie in Passau 2009. Aber wer sollte das einkalkulieren: ein einzelnes Auto aus dem Hinterhalt. Dass ein Fahrzeug als Terrorwaffe verwendet wird, erlebten die Europäer erstmals mit dem Lkw-Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt 2016; in den Jahren zuvor gab es Auto-Anschläge auf Fußgängergruppen in Jerusalem.  

Zum Auto-Anschlag in Charlottesville: Der Wagen fuhr gegen 13.30 Uhr, wie zwei verschiedene Videoaufnahmen zeigen, mit hoher Geschwindigkeit über eine Strecke von mehreren Blocks durch die Einbahnstraße „4th North-East“, die vom Norden nach Süden verläuft und die alte Fußgängerzone mit der historischen Einkaufspassage kreuzt. Auf den letzten hundert Metern marschierten die Teilnehmer der Anti-Rassismus-Demo zwischen Gehwegen und einer Reihe parkender Autos auf engem Raum. Ein Pressefotograf hält den bizarr-schrecklichen Moment fest, wie ein Schwarzer vom Auto des Angreifers getroffen durch die Luft fliegt, dahinter ragt aus der Menge das Plakat eines Demonstranten: „Schwarzes Leben zählt!“.

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Opfer des Autoanschlags auf die Gegendemonstranten: Die 32-jährige Rechtsanwaltsfachangestellte Heather Heyer, die aus der Gegend von Charlottesville stammt.
Kurz vor der Einmündung in die Hauptstraße „Water Street East“ kracht der "Dodge Challenger" in einen hellen Wagen, der wegen der Demo sehr langsam gefahren ist, schiebt diesen auf den Vordermann. Während Menschen in Panik weglaufen, in Seitenstraßen flüchten, Verletzte auf dem Boden liegen oder im Schock von der Fahrbahn kriechen, stößt der Fahrer seine rollende Waffe zurück, trifft abermals Hilflose und flüchtet mit hoher Geschwindigkeit. Aufnahmen zeigen, wie der schnell rückwärtsfahrende Wagen seine herabgefallene Stoßstange, Karosserieteile und Stofffetzen, die von Kleidung oder Transparenten herrühren, mitschleift.

Wie US-Medien berichten, ist eine 32-jährige Frau getötet worden, 19 Menschen wurden verletzt. Der Fahrer des "Dogde Challenger", ein 20-jähriger Teilnehmer der Neonazidemo, ist kurz darauf festgenommen worden, zwei Kilometer vom Ort des Anschlags entfernt, auf dem halben Weg zum Highway "I-64". 

Bereits am Vortag hatte es schwere Auseinandersetzungen zwischen den teilweise martialisch auftretenden Rassisten und den Gegendemonstranten gegeben. Flaschen gefüllt mit Urin flogen, sie prügelten sich mit Fäusten und Holzstangen, hielten sich mit Stichflammen aus Spraydosen auf Distanz. Es gab ein Dutzend Verletzte. „Nazis raus!“ skandierten die einen, „Ihr werdet uns nicht vertreiben!“, riefen die anderen bei einem Fackelmarsch. 

"Wir führen Passau am Nasenring!", triumphierte nach dem Aufmarsch von Januar 2009 ein Neonaziführer in Passau. Niederbayern sind zum Glück nicht die neuen USA, deshalb blieb es leeres Getue.

hud

http://www.nydailynews.com/news/national/white-nationalist-rally-virginia-triggers-state-emergency-article-1.3405906

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