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Report | Montag, 20. August 18

Strafanzeigen von Nachtschwärmern

Was geschah früh um 5 Uhr am Ludwigsplatz?

„Ein gefundenes Fressen für die Presse“, sagt ein Polizeipressesprecher. Mit einem Foto, das ein adrett gekleidetes Paar mit einem Bildausschnitt unterhalb der Gürtellinie zeigt, lädt ein sonntägliches Wurfblatt die Meldung aus dem Polizeibericht sexuell auf: Der Mann packt mit der Rechten die Frau draufgängerisch an der linken Pobacke, schiebt ihr seinen Zeigefinger zwischen ihre Beine.

So soll es gewesen sein früh morgens um fünf Uhr am Passauer Ludwigsplatz? Foto und Beschreibung sollen wohl an die Kölner Domplatte erinnern.

Was lässt sich überhaupt sagen? Eine Achtzehnjährige, die offensichtlich am Freitag um 5 Uhr früh alleine in der Fußgängerzone zwischen dem Nachtklub „Frizz“ und dem Einkaufszentrum „Stadtgalerie“ unterwegs war, meldete der Polizei, dass sie dort von „fünf männlichen Personen mit südländischem Aussehen“ sexuell belästigt worden sei. Ob sie den Vorfall telefonisch meldete oder auf der Wache war, ist im Eintrag offensichtlich nicht explizit vermerkt. Es werde jedenfalls eine weitere Befragung geben, heißt es.

Für Ihre Aussage gibt es bisher keine weiteren Zeugen oder andere Hinweise. Der Polizeibeamte bezeichnet die 18-jährige Anzeigenerstatterin als „Dame“ und gibt deren Aussage wie folgt wieder: „Sie umkreisten die Dame und berührten diese unter anderem an der Hüfte und am Po. Die Frau konnte sich befreien und lief in Richtung Fußgängerzone davon, die Männer sollen sich in Richtung der Bahnhofstraße entfernt haben.“

Sie konnte sich „befreien“? Daraus zu schließen, dass sie festgehalten worden ist, sei falsch, stellt ein Polizeisprecher klar.

Um 5.18 Uhr, also eine gute Viertelstunde nach dem angeblichen Vorfall mit der Achtzehnjährigen, erreichte die Polizei der Notruf eines 19-jährigen Mannes, der sich in derselben Straße befand. Der afghanische Staatsangehörige behauptet, er sei von einem anderen Mann ins Gesicht geschlagen worden. Er zeigt leichte Verletzungen und die Beamten nehmen die Anzeige wegen Körperverletzung auf. Eine Beschreibung des Schlägers gibt es nicht im Bericht. Auch bei diesem Anzeigeerstatter stehen Befragungen noch an, heißt es heute.

Der diensthabende Polizeibeamte hat die beiden Ereignisse wegen der Zeit- und Ortsnähe in einer Pressemeldung zusammengefasst. Seine darin gestellte Frage, ob die Körperverletzung mit dem Sexualdelikt zusammenhängt, lässt Raum für Spekulationen.

Festzuhalten ist, dass in allen Medienberichten falsche Formulierungen verwendet worden sind. Es werden Tatsachenbehauptungen aufgestellt, obwohl es in beiden Fällen nur eine einzige Quelle, die Aussage der Anzeigenerstatter gibt. Deshalb suchen die Ermittler dringend nach weiteren Zeugen.

Dass Südländer eine junge Frau "umkreist" und sexuell belästigt haben sollen, hebt den Nachrichtenwert für bestimmte Medien. Sie hieven die Polizeimeldung auf die Titelseite.

Ohne weitere Zeugen ist entscheidend die Glaubwürdigkeit der Anzeigeerstatter. Die Berichterstatter lassen die nötige Distanz vermissen.

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