Google-Anzeigen

Universität | Freitag, 07. Februar 20

bild_klein_0000016404.jpg
Lügen-Netz

Wie sollen sich Wissenschaftler wehren?

Die Klimaschutzbewegung mit ihren Freitagsdemos belegt, dass die junge Generation den Warnungen der Wissenschaftler offenbar mehr glaubt als Populisten und Klimaleugnern. Trotzdem: Falsche Anschuldigungen im Netz treffen die Vertreter der Wissenschaft offensichtlich ebenso bis ins Mark wie "Lügenpresse!"-Rufe die Vertreter der kontrollierenden Säule der Demokratie, die Journalisten.

Uns hat man an die Hand gegeben, den Anschuldigungen mit Transparenz zu begegnen, zu erklären wie ein Journalist arbeitet; die Lesenden mitzunehmen, damit sie die Ansprüche und Herausforderungen dieses Berufs im Dienst für eine demokratische Gesellschaft kennenlernen.

Wie sollen die angegriffenen Wissenschaftler und deren Führung damit umgehen?

Dieser Frage ist am 20. und 21. Februar an der Uni Passau eine öffentliche Tagung gewidmet. Betroffene und Beschlagene kommen zu Wort. Thema: „Absender unbekannt: Wie soll die Wissenschaft mit anonymen hinweisen und Anschuldigen umgehen?

Journalisten hätten eine schnelle Antwort für die analoge Handhabe: „Papierkorb!“ Anonyme Zuschriften, deren durchschaubare Absicht falsche Anschuldigungen und Beleidigungen sind, werden nicht verwertet, nicht veröffentlicht. Aber auf den sozialen Plattformen (irreführend "soziale Medien" genannt) fehlt die journalistische Instanz, die den giftigen Gedankenmüll entsorgt. Die Filter und Kontrollen der privatwirtschaftlich betriebenen US-Datenkraken erweisen sich weitgehend als untauglich. Deshalb lautet die Empfehlung von Kolleginnen und Kollegen: Sich aktiv im Netz beteiligen, sichtbar werden. Das Netz aus der Schieflage bringen.

Könnte das ebenso ein Ansatz für die Vertreter von Forschung und Wissenschaft sein, sich mehr im Netz einzubringen, Widerspruch einzulegen, Aufklärung zu betreiben, dafür Zeit zu opfern?

„Forschung ist in der Regel hoch innovativ, zum Teil spekulativ und mit unsicherem Ausgang verbunden.“ Deshalb sei das System „Wissenschaft“ für anonyme Hinweise oder Anschuldigungen besonders anfällig. Es könne schwerwiegende Konsequenzen für die Betroffenen haben, heißt es in der Uni-Pressemitteilung.

In einem Kurzfilm zur Veranstaltung hat Kathrin Haimerl, Referentin für Forschungskommunikation, drei Beispiele aufgegriffen. Zwei Angriffe aus der mutmaßlich linken Ecke: Eine Islamwissenschaftlerin betitelt ihre Konferenz „Das islamische Kopftuch: Symbol der Würde oder Unterdrückung?“ – man wirft ihr Rassismus vor und fordert ihre Entlassung. Ein Fall aus Berlin: Ein geplantes Forschungszentrum sei nicht gebaut worden, weil der Initiator von der Studentenschaft anonym als Rechtsradikaler gebrandmarkt worden ist. Das dritte Beispiel soll offenbar zeigen, dass Wissenschaft doch kritisch auf den Prüfstand zu stellen ist: Ein anonymer Hinweisgeber ließ einen Physiker auffliegen, der offensichtlich bewusst mit gefälschten und simulierten Daten manipuliert hat.

21 Vertreter aus Wissenschaft, Forschung, Politik und Medien, zehn Männer und elf Frauen, werden bei der Tagung auftreten. Ort: Hörsaal 13, Gebäude der Fakultät für Informatik und Mathematik (Innstraße 33), Universität Passau.

Hier der Kurzfilm zur Veranstaltung:



Das Thema bleibt schwierig, denn im Netz wird jeder abwegige Gedanke, jeder von Frust oder Hass gelenkte Angriff zum weltöffentlichen Beitrag und kann sich wie ein Virus ausbreiten. Während die breite, vernünftige Masse sich in den sozialen Netzwerken mehr als Zuschauer denn aktiv beteiligt, sind es augenscheinlich Vertreter bildungsferner Schichten und Pharisäer, die sich eifrig des digitalen Sprachrohrs bedienen und für hohe Lautstärke sorgen.

Was erschwerend hinzukommt: Journalisten, nach Klickzahlen und Aufmerksamkeit heischend, heben bisweilen belanglose, künstliche Erregungszustände aus dem Netz auf ihre Medienplattformen - und verleihen diesen Gewicht.


hud
 

Investieren Sie in die freie Presse!

Ihnen hat dieser Artikel genützt oder gefallen? Sie möchten auch weiterhin die Passauer Online-Zeitung Bürgerblick, ein Angebot im Netzwerk der freien Presse, lesen? Dann unterstützen Sie uns, indem Sie für dieses Angebot nach eigenem Ermessen bezahlen. Jeder Cent zählt. Einfach und bequem per Paypal.

19:12
Montag
30. März 2020
 
Bitte klicken Sie diese Förderer
und Freunde der freien Presse:

SOCIAL MEDIA

KULTURKALENDER
30.03. | Montag
CAFÉ DUFTLEBEN
ENTFÄLLT! Musik im Kaffehaus
 

Seit 15 Jahren musizieren die Geigerin Michaela Reichl und die Harfenistin Veronika Miller im Duo.


19:00 Uhr | Eintritt frei

Google-Anzeigen