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Brennpunkt | Mittwoch, 05. Mai 21

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Der Altstädter Tobias, 19, hat aus dem Netz von der neuen Aktion der Baumbesetzer erfahren, serviert ihnen Käsekuchen. (Foto: mediendenk)
Passauer Baumbesetzungen

Käsekuchen von Tobias, Ultimatum von der Stadt

Es ist vielleicht der schönste Tag des Jahres: Passau hat mit einer Inzidenz unter 50 als einsames Fleckchen auf der RKI-Corona-Karte von Rot auf Gelb gewechselt und Tobias, ein 19-jähriger Altstädter, bringt den Klimarettern in den Bäumen am Passauer Dreiflusseck Käsekuchen. "Ich muss die unterstützen!"

Nachtrag:
Um 15 Uhr hat die Stadt entschieden (Pressemitteilung) und ein Ultimatum gestellt: Die besetzten Bäume müssen verlassen werden, sonst werde ein Zwangsgeld fällig, die Zwangsräumung durchgeführt. Man biete "alternative Bäume" zur Besetzung oder als Versammlungsort am Boden die Ortsspitze an. Die besetzte Schwarzpappel stehe unter Naturschutz, die schmächtigere Akazie* sei vom Hochwasser geschädigt und dürfe nicht belastet werden, heißt es sinngemäß. Das Ultimatum läuft um 15.30 Uhr ab, geräumt werde um 16.30 Uhr. In einem Nachtrag sind die Uhrzeiten um eine halbe Stunde nach hinten verschoben worden.

Nach langen Verhandlungen, die Leiter der Polizeiinspektion führen sie geduldig, packen die Baumbesitzerinnen ihre Sachen zusammen, um 18 Uhr seilt sich die erste Aktivistin ab. Als Alternative sind Bäume in der Altstadt, am Römerplatz und am Waisenhaus angeboten worden.

Bericht davor:
Acht Grad Lufttemperatur, von 9.30 bis 11 Uhr hat es geregnet. Die Baumhauscamperinnen sitzen warm eingepackt auf hängenden Euro-Paletten unter Zeltplanen. Eine BR-Reporterin streckt einer von ihnen an einer langen Stativstange ein Mikrofon entgegen. „Das habe ich mir als Abstandhalter für Corona gekauft“, sagt sie. Jetzt erweist es sich als praktisch für die neue Zeit der Baumbesetzungen.

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Zwei Bäume an der Ortspitze, eine Akazie und eine Schwarzpappel, haben die Aktivistinnen und Aktivisten der Bewegung "Fridays for Future" besetzt. Zwei Streifenwagenbesetzungen halten die Stellung. (Foto: mediendenk)
Seit den Mittagsstunden beraten Vertreter der Stadt und der Polizei, wie bei den neuen Baumbesetzungen weiter vorgegangen werden soll. Ein Ergebnis wird nicht vor 15 Uhr erwartet. Polizeikräfte haben die Versammlung der Solidaritätsdemo aufgelöst. Es dürfen nur mehr Fußgänger passieren. In den beiden Baumhäuschen harren jeweils zwei Aktivistinnen aus.

Einen weiteren SEK-Einsatz mag sich wohl keiner vorstellen, wobei die Lage dieselbe wie gestern ist: Einer der zwei besetzten Bäume, der mächtigere, ist eine als Naturdenkmal ausgewiesene Schwarzpappel oder, der für die Domstadt passendere Name, „Rosenkranzpappel.“ Die Baumbesetzerinnen gegenüber haben sich eine Akazie* ausgesucht.

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Die Stadtansicht an der Passauer Ortsspitze hat sich verwandelt: Das Niederhaus wird flankiert von zwei Baumhäuschen. Presse und Polizei beobachten die Lage. (Foto: mediendenk)
Die Sprecherin im Baumhäuschen wiederholt für den Bayerischen Rundfunk die Forderungen der Klimabewegung. Man erwarte nicht, dass Politiker vorbeikommen und mit ihnen reden, sondern handeln. Sie könnten sich beispielsweise im Sinne des Klimaschutzes im Dialogforum einbringen.

Das Dialogforum ist ein Gremium, dass sich seit März 2018 ergebnislos mit dem Thema Nordtangente, einer umstrittenen Stadtumfahrung befasst. Auf der offiziellen Internetseite ist unter „Leitung“ der seit März 2020 nicht mehr amtierende „Landrat Franz Meyer“ genannt. Es geht offenbar nichts voran.

Wegen des zu erwartenden Medieninteresses am Dreiflusseck ist aus Straubing extra ein Pressesprecher der Polizeidirektion angereist. Er hat trotz der kühlen Temperaturen den Motor seines muskatbraun-metallicfarbenen VW-Busses ausgeschaltet. Eine Anspielung auf sein vorbildliches Verhalten - seine Kollegen von der Polizeiinspektion, die ein paar Schritte weiter für warme Füße ihren Verbrenner stundenlang laufen lassen - kommentiert er scherzhaft: Er wolle nicht riskieren, dass ihm die Klimaschützer "etwas aufs Dach schmeißen".

Passau, die Provinzmetropole, atmet auf in der Pandemie. Die Bürgerinnen und Bürger erleben an diesem 9. Mai den ersten Tag mit Inzidenz unter 50 nach mehr als sechs Monaten. Ausgangssperre und Alkoholverbote fallen, die Maskenpflicht im Freien ist bis auf bestimmte Plätze aufgehoben, nächste Woche könnte die Freiluftgastronomie öffnen.

Während die Corona-Pandemie abklingt, schwillt in diesem Frühling die Stimme der jungen Klimabewegung an. Das Medieninteresse ist ihr sicher: Die Baumbesetzer haben einen festen Platz in der Nachrichtenschleife von „B5 aktuell“ und die PNP pflegt einen Liveticker.

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Eines der beiden Baumbesetzerpärchen hat sich erneut ein Naturdenkmal ausgesucht: eine Schwarzpappel, die am nordwestlichen Ende der Ortsspitze aufragt. (Foto: mediendenk)
In der Wortwahl haben sich manche vergriffen. Verkehrsminister Andreas Scheuer nennt die jungen Klimaretter heute in der Lokalpresse „Extremisten“. Die Zeitung selbst lässt in ihrem Bericht die Friedfertigen „wieder zuschlagen.“ Wer in diesen Zeiten die Menschen zusammenbringen und nicht weiter spalten will, sollte jedes Wort auf die Waagschale legen. Das ist es wert.

Gegenrede: Wie Satire-Aktivist Karl-Heinz Hasenöhrl, der Bürgerblick-Kolumnist „Passauer Tölpel“, die Lage sieht, lesen Sie hier:

*Baumkunde: Akazie und Robinie ("falsche Akazie") werden oft verwechselt. Die Stadt hat mit ihrem Ultimatum/ Pressemitteilung an die Baumbesetzer aufgeklärt, dass es sich um keine Robinie, sondern eine Akazie handelt.      

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07:56
Donnerstag
17. Juni 2021
 
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KULTURKALENDAR
17.06. | Donnerstag
OPERNHAUS
Urfaust
 
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Johann Wolfgang von Goethes Prosastück aus dem Jahr 1775. Eine Tragödie nach der Volkssage um Doktor Faustus. In den Hauptrollen: Ursula Erb als Mephisto sowie Julian Ricker als Faust. Regie: Peter Oberdorf.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro
OPERNHAUS
Die Zofen
 
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Die Schwestern und Zofen Claire (Friederike Baldin) und Solange (Ella Schulz) spielen in der Abwesenheit ihrer Arbeitgeberin (Antonia Reidel) "Herrin und Dienerin". Nachdem der versuchte Mord der "gnädigen Frau" daneben geht, vergiftet die eine den Tee der anderen. Ein Schauspiel von Jean Genet (1910-1986). Regie: Markus Bartl.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro
OPERNHAUS
Die Zauberflöte
 
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Die wohl bekannteste Oper von Wolfgang Amadeus Mozart aus dem Jahre 1791. Sie erzählt nach einer Geschichte des Straubingers Emanuel Schikaneder vom Prinzen Tamino, der sich in phantastischen Welten beweisen muss. Musikalisch verschmelzen hochdramatische Arien und volksliedhafte Gesänge.


12:00 Uhr | ab 6 Euro
OPERNHAUS
Madama Butterfly
 
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Giacomo Puccinins weltberühmte Oper weltberühmte Oper erzählt die tragische Liebesgeschichte der Geisha Cio-Cio-San (Yitian Luan), die vom in Japan stationierten Offizier Pinkerton (Jeffrey Nardone) mit einem Kind sitzengelassen wird. Eine Geschichte nach wahren Begebenheiten.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro
OPERNHAUS
Madama Butterfly
 
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Giacomo Puccinins weltberühmte Oper weltberühmte Oper erzählt die tragische Liebesgeschichte der Geisha Cio-Cio-San (Yitian Luan), die vom in Japan stationierten Offizier Pinkerton (Jeffrey Nardone) mit einem Kind sitzengelassen wird. Eine Geschichte nach wahren Begebenheiten.


12:00 Uhr | Ab 6 Euro
OPERNHAUS
Die Fledermaus
 
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Verwechslungskomödie von Johann Strauß (1825–1899) um den leichtlebigen Gabriel von Eisenstein (Peter Tilch) und seine untreue Frau Rosalinde (Henrike Henoch). Gilt als Klassiker der Wiener Operettenära und zeigt eine dekadente Gesellschaft. Intendant Stefan Tilch verlegt das Stück ins Pandemiejahr 2020.


12:00 Uhr | Eintritt frei
OPERNHAUS
Herkules am Thermodon
 
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Deutsche Erstaufführung der bekannten Barockoper Antonio Vivaldis aus dem Jahr 1723. Herkules soll für König Eurystheus den Gürtel der Amazonenkönigin beschaffen, der ein kriegerisches Attribut wie Symbol für den Beischlaf ist.


12:30 Uhr | Eintritt frei
DREILÄNDERHALLE
EW: Night Vigil
 
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Mischung aus Installation, Theater und interaktiver Performancekunst. Die englische Künstlergruppe Mechanimal will auf das Artensterben aufmerksam machen


17:00 Uhr | 29 Euro
HAUZENBERG
Ringlstetter & Band: "Heile Welt"
 
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Hannes Ringlstetter, der in Straubing aufgewachsene Musiker und Moderator, mit Band. Ort: Kurpark.


19:30 Uhr | 34 Euro
RATHAUS-INNENHOF
Christiane Öttl
 

Wunschkonzerte am Gartenzaun haben die Passauer Musikerin durch die Pandemie gebracht. Hier eines für alle. Open-Air am Vorplatz.


20:00 Uhr | Eintritt frei

Passauer Politiktage: Deutsche Außenpolitik
 

Podiumsdiskussion zur Frage der deutschen Außenpolitik und der Ausgangsfrage, ob Deutschland mehr Verantwortung zu übernehmen habe. Online-Veranstaltung via ZOOM, Details gibt der Veranstalter rechtzeitig auf seiner Website bekannt.


20:00 Uhr | Eintritt frei

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