Google-Anzeigen

Meinung | Mittwoch, 09. März 11

bild_klein_0000004650.jpg
Das "Original" in großen Lettern: Was wäre Passau am Aschermittwoch ohne die CSU, ohne Seehofer? (Klick zur Fotogalerie, Photos: Alexander Eckmeier für mediendenk)
Aschermittwoch der CSU

Seehofer ruft Guttenbergs Geist

Passau – Mein erster Aschermittwoch in Passau. Ich bin beim „Original“, beim „größten Stammtisch der Welt“. An den Pressetischen ist kein Platz mehr frei. Vier ältere Herrschaften mit Trachtenanzug sitzen neben mir. Ich bestelle Cola, sie vier Maß Bier. So richtige Volksfeststimmung, wie ich es mir vorgestellt habe, kommt nicht auf. Nur ansatzweise, als der anwesende Edmund Stoiber und der abwesende Karl-Theodor zu Guttenberg erwähnt werden. Da springt die versammelten CSU-Gemeinde von den Bierbänken auf, klatscht und skandiert: „Ääääädmund!“ oder „Kaaaaa Te!“. „Horst!“ schreit keiner.

Der 59. Aschermittwoch in der Dreiländerhalle von Passau wirkt auf mich trotz vollem Saal wie eine Pflichtveranstaltung ohne Verve. Während der erste Redner, CSU-Europaabgeordneter Manfred Weber, jeden noch so unwichtigen Gast begrüßt, greifen meine Nachbarn zur zweiten Maß. Zu den Schlusslichtern der langen Namensreihe gehört auch Altverleger Dr. Diekmann, der an allen Hallentischen seine Zeitungen hat auflegen lassen. Zum Klatschen hat die Menge längst keine Kraft mehr und irgendein Hinterbänkler schreit ein einsames „Buh!“.

Seehofer garniert seine einstündige Rede mit derben Spitzen gegen seine politischen Gegner, nimmt wider Erwarten auch die FDP nicht aus: „Die fühlen sich benachteiligt, wenn sie nicht bevorzugt werden“. Gegen Kubicki, den FDP-Chef von Schleswig-Holstein, ätzt er: „Wenn der ein Parteifreund ist, sind die Taliban ein Gesangsverein“. Kubicki hatte es sich vor einem Jahr mit Seehofer verscherzt, als er auf dessen uneheliches Kind anspielte.

Die meisten Attacke und Buhrufe bekommen die Grünen und die Linke ab. Von den „Stasikommunisten“, „Steinewerfern“ und „RAF-Sympathisanten“ lasse man sich nicht sagen, wie Bayern regiert werden solle. Und wenn Künast und Trittin in den Spiegel schauen, dann sei das „nicht Eitelkeit, sondern Tapferkeit“.

Seehofer nennt SPD-Chef Pronold, das „einzige Schlafmittel, das mit den Augen eingenommen werden kann“.

Wo bin ich da hingeraten? Meine angetrunkenen Nachbarn prahlen damit, alle drei Strophen des Deutschlandliedes zu kennen. „Genau! Türken und Linke und raus aus Deutschland!“, kommentieren sie Seehofers Ausführungen zur Integration und zur Linken im Bundestag. So hat der das natürlich nicht gesagt. Das Volk hört, was es hören will.

Seehofer ruft Guttenbergs Geist: "Du bist einer von uns, du bleibst einer von uns .... ". Er schmeichelt dem Ex-Doktor, lobt, dass aus der großen Familie der CSU keine einzige kritische Stimme gekommen sei. „Ich werde alles dafür tun, dass er wieder zurück kommt,“ verspricht er. Oben in Jacking nennen ihn die Linken deshalb einen „Heuchler“.

Die Grenzlandbewohner besänftigt der Ministerpräsident nach dem unglücklichen Zukunftsratsdebakel: „Niederbayern ist ein starkes Stück Bayern.“ Er verspricht den Ausbau von Schiene und Bahn.

Die Gefahr, dass der traditionelle Aschermittwoch der CSU auch in den nächsten Jahren eine gefühlte Altherrenveranstaltung bleibt, ist groß: O-Ton Seehofer: „Je älter ich werde, desto weniger halte ich von Altersgrenzen."

Fridolin Wernick,
ein Potsdamer in Passau

___________________

Applaus-O-Meter

1. Jubelstürme: Karl-Theodor zu Guttenberg. Gescheitert in Berlin? Völlig egal. Wenn ein Redner „Karl-Theodor“ erwähnte, gab es wie automatisch stehende Ovationen. Blender werden bewundert.

2. Frenetischer Jubel: Edmund Stoiber. „Edmund“-Sprechchöre und freudiger Applaus empfangen den Ehrenvorsitzenden der CSU und EU-Berater für Bürokratieabbau.

3. Anhaltender Applaus: Horst Seehofer. Die Anhänger dachten sich: Wenn der schon so lange redet, können wir auch ähnlich lange applaudieren. Und das Aufstehen nach langem Sitzen auf harten Holzbänken lockert zusätzlich die Muskulatur.

4. Höflicher Applaus: Andreas Scheuer. Außer der Namensgebung „Flop“ für SPD-Chef Florian Pronold zündete kein Gag.

Investieren Sie in die freie Presse!

Ihnen hat dieser Artikel genützt oder gefallen? Sie möchten auch weiterhin die Passauer Online-Zeitung Bürgerblick, ein Angebot im Netzwerk der freien Presse, lesen? Dann unterstützen Sie uns, indem Sie für dieses Angebot nach eigenem Ermessen bezahlen. Jeder Cent zählt. Einfach und bequem per Paypal.

02:30
Samstag
31. Oktober 2020
 
Bitte klicken Sie diese Förderer
und Freunde der freien Presse:

SOCIAL MEDIA

KULTURKALENDER
31.10. | Samstag
PRODUZENTENGALERIE
Wolfgang Kretzer: Der Onkel aus Afrika
 
bild_klein_0000017247.jpg

Abstrakte Figuren und Objekte des Ingolstädter Künstlers und Gründungsmitglied der Passauer Produzenten. Die Werke beschäftigen sich mit afrikanischer Kultur und sind Ergebnis eines fiktiven Symposiums mit Kretzers Onkel aus Afrika. Ausstellung bis 29.11 Do bis So, 15-17 Uhr.


15:00 Uhr | Eintritt frei
OPERNHAUS
Madama Butterfly
 

Giacomo Puccinins weltberühmte Oper erzählt die tragische Liebesgeschichte der Geisha Cho-Cho-San, die vom in Japan stationierten Offizier Pinkerton mit einem Kind sitzengelassen wird. In den Hauptrollen: Yitian Luan als Cio-Cio San und Jeffrey Nardone als Pinkerton.


19:30 Uhr | ab 6,50 Euro
OPERNHAUS
Madama Butterfly
 

Giacomo Puccinins weltberühmte Oper erzählt die tragische Liebesgeschichte der Geisha Cho-Cho-San, die vom in Japan stationierten Offizier Pinkerton mit einem Kind sitzengelassen wird. In den Hauptrollen: Yitian Luan als Cio-Cio San und Jeffrey Nardone als Pinkerton.


19:30 Uhr | ab 6,50 Euro
REDOUTE
Helmut Binser: Löwenzahn
 
bild_klein_0000016973.jpg

Helmut Binser ist gerade vierzig geworden und sieht sich in der Mitte des Lebens; "Löwenzahn" ist die schonungslose Bestandsaufnahme des Musikkabarettisten aus dem bayerischen Wald.


20:00 Uhr | ab 17,50 Euro
ZAUBERBERG
Gourmountain Smellfest
 

Halloween-Event des Zauberbergs. Im Laufe des Abends treten fünf internationale Metall-Acts auf.


20:00 Uhr | ab 22 Euro
SCHARFRICHTERHAUS
Lennart Schilgen
 
bild_klein_0000017138.jpg

Musikkabarett  mit Gesang, Gitarre und Klavier. "Engelszungenbrecher" ist das erste Soloprogramm des Berliners.


20:00 Uhr | ab 25,20 Euro

Google-Anzeigen